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Deutlich weniger Grafikprozessoren im letzten Quartal ausgeliefert

Aus einer Analyse des PC-Markts von Jon Peddie Research geht hervor, dass von Juli bis September 2022 sowohl die Anzahl der ausgelieferten Grafikprozessoren als auch der Prozessoren rückläufig war. Die Gründe dafür sind vielfältig.

25.11.2022 11:30 • von
Relative Marktanteile von AMD, Intel und Nvidia bei GPUs für PC. (Bild: Jon Peddie Research)

Im dritten Quartal 2022, von Juli bis September, das normalerweise das wichtigste Quartal für Hersteller von Grafikprozessoren (GPU) und Prozessoren (CPU) ist, wurden im Vergleich zum Vorjahr 25 Prozent weniger GPUs ausgeliefert. Bei Desktop-System betrug der Rückgang 15,4 Prozent, bei Notebooks knapp 30 Prozent, der größte Rückgang seit der Rezession im Jahr 2009 laut Jon Peddie Research. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2022 ging die Auslieferungsmenge um 10,3 Prozent zurück.

Die Anzahl der ausgelieferten GPUs sank bei AMD um 47,6 Prozent und bei Nvidia um 19,7 Prozent. Bei AMD wird vom Osborne-Effekt gesprochen, also der Stornierung oder Verschiebung des Kaufs von "alten" Produkten nach Ankündigung neuer Produkte; in diesem Fall: neue Ryzen-CPUs und später Radeon-GPUs. Bei Intel gingen die Auslieferungen um 4,7 Prozent nach oben. Der relative Marktanteil von AMD schrumpfte im Vergleich zum letzten Quartal um 8,5 Prozent, bei Nvidia ging es um 1,87 Prozent abwärts. Intel konnte sich hingegen weitere Marktanteile sichern (+ 10,3 Prozent). Der Markt für klassische Desktop-Grafikkarten (Add-in-Boards, die diskrete GPUs verwenden) verzeichnete im Vergleich zum letzten Quartal einen Rückgang um 33,5 Prozent. Der Gesamtmarkt für PC-CPUs ging von Quartal zu Quartal um 5,7 Prozent und von Jahr zu Jahr um 18,6 Prozent zurück.

Die Marktforscher:innen gehen davon aus, dass die jährliche Wachstumsrate bei den GPUs zwischen 2022 und 2026 knapp 2,8 Prozent betragen wird. In den nächsten fünf Jahren soll der Anteil der diskreten Grafikprozessoren im PC auf 26 Prozent ansteigen - in Abgrenzung zu GPUs, die in der CPU verbaut sind.

"Das dritte Quartal weist in der Regel das stärkste Wachstum gegenüber dem Vorquartal auf. In diesem Quartal wurde ein Rückgang von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal verzeichnet, was unter dem 10-Jahres-Durchschnitt von 5,3 Prozent liegt. Grafikprozessoren sind ein Frühindikator für den Markt, da ein Grafikprozessor in ein System eingebaut wird, bevor die Hersteller den PC ausliefern. Die meisten Halbleiterhersteller prognostizieren für das nächste Quartal einen Rückgang von durchschnittlich 0,21 Prozent. Im letzten Quartal lag die Prognose bei -2,79 Prozent, was zu hoch war", ist dem Bericht zu entnehmen.

Jon Peddie, Präsident von JPR, der das dritte Quartal normalerweise als Höhepunkt des Jahres für GPU- und PC-Zulieferer hervorhebt, schreibt, dass der erwartete Rückgang noch weitaus heftiger als erwartet ausgefallen ist. "Alle Unternehmen gaben mehrere und manchmal gleichlautende Gründe für den Abschwung an: der Einbruch beim Krypto-Mining, Gegenwind durch Chinas Null-Toleranz-Covid-Regeln und fortlaufende Shutdowns, Sanktionen durch die USA, Situation der Verbraucher:innen angesichts des hohen Einkaufsvolumens während Covid, den Osborne-Effekt bei AMD, während Gamer:innen auf die neuen AIBs warten, Inflation, höhere Preise für AIBs und den Abbau von Überhangbeständen." Peddie prognostiziert, dass die Auslieferungen im vierten Quartal weiter zurückgehen werden, aber die durchschnittlichen Verkaufspreise pro Produkt steigen werden. Es wird erwartet, dass die Verfügbarkeit der GPUs ausreichend sein wird. Sowohl AMD als auch Nvidia haben in den letzten Wochen ihre neuen GPUs vorgestellt und teilweise schon in den Markt eingeführt.

Marcel Kleffmann