Unternehmen

Leta Capital übernimmt My.games für 642 Mio. Dollar

My.games, bisher Gamestochter des russischen Social-Media-Netzwerks VK, segelt unter neuer Flagge. Das Unternehmen wurde von Leta Capital von Alexander Chachava für 642 Mio. Dollar übernommen. My.games-Co-Gründer Vladimir Nikolsky bleibt an Bord.

04.10.2022 16:06 • von Stephan Steininger

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine bringt für eine weitere russische Spielefirma massive Veränderungen mit sich. So meldet My.games einen Eigentümerwechsel. My.games gehörte bisher zum russischen Social-Media-Unternehmen VK, das bis Oktober vergangenen Jahres Mail.ru hieß. Der Name My.games wurde wiederum 2019 eingeführt, als der russische Internet-Konzern alle Spieleaktivitäten unter einem Markennamen bündelte. Bis dahin agierte man im Heimatmarkt unter Mail.ru Games und international unter dem Namen My.com. Schon damals war der Hauptsitz des internationalen Geschäfts in Amsterdam, auch um sich von der im Westen kritisch bewerteten Mutterfirma abzugrenzen. Der jetzige Verkauf von My.games bedeutet das vollkommene Kappen aller Verbindungen zu dem größten russischen Internetkonzern.

Wie My.games mitteilt, heißt die neue Eigentümerin Leta Capital, welche alle My.games-Assets für 642 Millionen Dollar kaufte. Leta Capital ist die Venture-Capital-Gesellschaft des russischen IT-Gründers Alexander Chachava. Das Unternehmen fokussiert Investments in Start-ups von Gründer:innen mit osteuropäischer Herkunft. Entsprechend würdigt Leta Capital in der Übernahmemeldung nicht nur die Arbeit von My.games als Publisher, sondern auch als Investor unter dem Brand MGVC, unter dem man ein Partnernetzwerk von über 50 Studios aufgebaut hat, viele davon aus Osteuropa. Und noch etwas spricht dafür, dass der bisherige Geschäftskurs beibehalten wird: Vladimir Nikolsky, Co-Founder von My.games, bleibt als Company-Head an Bord.

My.games ist nicht die erste russische bzw. russischstämmige Spielefirma, die sich mit neuen Eigentumsverhältnissen von kremelnahen IT-Unternehmen Russlands ab- und dem Westen zuwendet. VK erhielt im Dezember 2021 den Sohn eines hochrangigen Vertrauten von Vladimir Putin als neuen Chef. Ein anderes Beispiel ist 1C. Wenige Tage nach Kriegsbeginn stieg Tencent bei 1C Entertainment ein, das als Unterhaltungstochter des russischen Internet-Konzerns 1C einst einer der wichtigsten Player der Branche in Russland war. Allerdings hatte auch 1C Entertainment zu diesem Zeitpunkt längst seinen Hauptsitz außerhalb Russlands, genauer gesagt in Polen. Nur kurze Zeit später benannte sich 1C Entertainment in Fulqrum Games um und warf damit auch im Außenauftritt alle Russland-Verbindungen über Bord. Fulqrum bezeichnet sich selbst als polnische Games-Unternehmensgruppe.