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Nach Kritik: USK erklärt Altersfreigabe von "FIFA"

Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle hat auf ihrer Homepage zur Altersfreigabe von "FIFA 23" Stellung bezogen und Kritik von sich gewiesen. Die formale Umsetzung der neuen Regellungen des Jugendschutzgesetzes sind seitens der Politik noch nicht abgeschlossen. Deshalb müssen die Freigaben auf Grundlage der bisherigen Regelungen erfolgen.

30.09.2022 16:07 • von Stephan Steininger
- (Bild: USK/Archivbild)

Ab wie viel Jahren kann man unbedenklich die Fußball-Simulation "FIFA 23" spielen? Noch vor wenigen Jahren wäre diese Frage eindeutig zu beantworten. Schließlich sind Sportspiele in der Regel frei von der Darstellung von Sex, Gewalt oder anderen, die Entwicklung von Kindern beeinträchtigenden Inhalten. Die meisten erhalten deshalb eine "Freigabe ohne Altersbeschränkung".

Im Fall "FIFA" gibt es jedoch seit Jahren zunehmenden Missmut über diese Kennzeichnung. Das liegt am Spielmodus "FIFA Ultimate Team" (FUT) und den dort eingesetzten Lootbox-Mechaniken, gegen die sich auch politisch immer mehr Widerstand regt, bis hin zu einem ersten Verbot in Belgien. Es ist vor diesem Hintergrund wenig verwunderlich, dass die USK in den letzten Tagen für die Kennzeichnung "Freigabe ohne Altersbeschränkung" teils lautstarker Kritik ausgesetzt war. Aber ist diese auch berechtigt?

Die USK sagt nein und erklärt dies nun auf ihrer Homepage. "FIFA 23" wurde demnach am 12. Juli bewertet. Erwartungsgemäß wurden dabei keine "inhaltlich überfordernden Aspekte wie z.B. Gewaltdarstellungen" festgestellt. Die "Spielerkartenpakete", wie die Lootboxen im Fall von "FIFA" heißen, wurden anhand der aktuell gültigen USK-Leitkriterien bewertet.

In der Erklärung der USK heißt es wörtlich: "Dabei kam das Prüfgremium zu dem Schluss, dass die Spielerkartenpakete und der Kauf optisch und technisch deutlich erkennbar von realem Glücksspiel distanziert sind - die in den Leitkriterien verankerte "Gewöhnung an Glücksspiel" wurde durch das Gremium verneint. Eine ebenfalls in den Leitkriterien aufgeführte "Desensibilisierung gegenüber Spielverlusten" wurde aufgrund der zugrundeliegenden Spielmechanik durch das Gremium nicht gesehen. Zum Zeitpunkt der Alterskennzeichnung des Spiels "FIFA 23" blieben allerdings Interaktions- und Nutzungsrisiken, wie sie etwa durch nicht spielimmanente Komponenten wie unter anderem auch Kauffunktionen entstehen können, in der Bewertung oder als zusätzlicher Hinweis noch unberücksichtigt. Aus diesen Gründen wurde das Spiel "FIFA 23" - ebenso wie die Vorgängerspiele - ohne Altersbeschränkung freigegeben und gekennzeichnet."

Um das Problem im Fall "FIFA 23" zu verstehen, muss man wissen, dass die Lootbox-Thematik auf Basis des neuen, im Mai 2021 verabschiedeten Jugendschutzgesetzes durchaus kritischer bewertet wird und in die Alterskennzeichnung einfließen kann. Das schreibt auch die USK, indem sie bestätigt, dass die Entscheidungen des von der USK unabhängigen Gremiums künftig auch anders ausfallen kann, selbst wenn die sogenannten Deskriptoren eingeführt sind, mit denen Eltern detailliert über mögliche Gefahren informiert werden sollen, abseits des eigentlichen Ratings.

Es hakt jedoch an der Umsetzung des neuen Gesetzes. Das wurde von der damaligen Familienministerin und heute Regierenden Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey, im Eiltempo vor ihrem Ausscheiden als Ministerin durchgedrückt. Es hagelte Kritik von Experten und Ländern. Letztere entschlossen sich aber, das Gesetz nicht zu blockieren, weil es zumindest kleine Fortschritte versprach, sondern es alsbald als möglich nachzubessern. Seither geht es an die Umsetzung, wie auch die USK bestätigt:

"Im vergangenen Jahr hat die USK gemeinsam mit der federführenden Stelle der Obersten Landesjugendbehörden in NRW konkrete Vorschläge für die Umsetzung der neuen Bestimmungen erarbeitet. seit Anfang dieses Jahres finden nun die formalen Umsetzungsprozesse aufseiten der Obersten Landesjugendbehörden der 16 Bundesländer statt". Und das kann dauern, schließlich ist eine EU-Notifizierung ebenso notwendig wie die Bestätigung aller 16 Bundesländer, die teilweise durch Abstimmungen in den jeweiligen Landtagen erfolgen muss. Bis dahin sind der USK in Sachen Lootboxen die Hände gebunden. "Bis zum Abschluss der formalen Umsetzung der neuen Regelungen des Jugendschutzgesetzes müssen die USK-Altersfreigaben noch auf der Grundlage der bisherigen Regelungen ergehen", erklärt die USK. Sobald der Prozess abgeschlossen ist, treten auch die neuen Leitkriterien in Kraft.

Ob die unabhängigen Gremien dann jedoch auf Basis der neuen Leitlinien die Alterskennzeichnung für "FIFA"-Games wirklich erhöhen steht auf einem anderen Blatt.