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Google zieht bei seinem Streaming-Dienst Stadia den Stecker

Am 18. Januar 2023 ist Schluss: Per Blog hat Phil Harrison das Ende von Stadia verkündet. Der Games-Streaming-Dienst des Konzerns wird eingestellt. Konsument:innen, die direkt bei Google Hard- und Software kauften, erhalten Geld zurück. Die technologische Basis von Stadia will Google bei anderen Produkten einsetzen und Industriepartnern zur Verfügung stellen.

29.09.2022 21:48 • von Stephan Steininger
Verkündet das Aus von Stadia per Blog: Phil Harrison, VP und General Manager Stadia bei Google (Bild: Google)

Es ist schon länger kein Geheimnis, dass der Streamingdienst Stadia die Erwartungen von Google nicht erfüllte. Doch jetzt geht alles schneller als erwartet. Google wird Stadia in wenigen Monaten komplett einstellen. Das verkündete Phil Harrison per Google-Blog. Harrison ist Vice President und General Manager von Stadia und wechselte Anfang 2018 zu Google. Der erfahrene Spielemanager, einst zuständig für die weltweiten Studioaktivitäten von Sony Interactive Entertainment, baute das Projekt bei Google komplett auf. Im März 2019 wurde Stadia vorgestellt und noch im gleichen Jahr gestartet.

Nach anfänglichen Erfolgen entwickelte sich der Streaming-Dienst aber nicht so wie gedacht, auch wenn Google selbst weder Erwartungen noch große Verkaufs- oder Nutzungszahlen nannte. Im Februar 2021 macht Google die internen Entwicklungsressourcen von Stadia dicht, die von Jade Raymond geleitet wurden. Im Februar gab es einen unbestätigten Bericht, wonach Google die Ausrichtung von Stadia in Richtung B2B-Lösung verändert und die Technologie unter dem Namen "Google Stream" anderen Unternehmen anbieten will. Auch von einem möglichen Aus des direkten B2C-Geschäfts war die Rede.

Das hat sich nun bestätigt. "Obwohl der Ansatz von Stadia, Spiele für Verbraucher zu streamen, auf einer starken technologischen Grundlage aufgebaut war, hat er bei den Nutzern nicht den Zuspruch gefunden, den wir erwartet hatten, so dass wir die schwierige Entscheidung getroffen haben, unseren Stadia-Streaming-Dienst einzustellen", schreibt Harrison. Stichtag für die Abschaltung ist der 18. Januar 2023.

Für Google bringt die Abschaltung einiges an Kosten mit sich. Das Unternehmen verspricht Kund:innen, die Hardware über den Google Store und Software über den Stadia Store gekauft haben, ihre Käufe zurückzuerstatten. Zurückgegeben muss die meiste Hardware dabei nicht. Kunden, die Stadia-Produkte über andere Quellen bezogen können jedoch nicht auf Erstattung hoffen. Ebenfalls nicht mit einer Erstattung rechnen können Abonnent:innen von Stadia Pro. Wer allerdings zum Stichtag 29. September über ein aktives Abo verfüge erhalte für die komplette Abwicklungsphase keine weiteren Rechnungen und kann den Dienst weiter nutzen.

Was die Technologie hinter Stadia betrifft sagt Harrison: "Wir sehen klare Möglichkeiten, diese Technologie in anderen Bereichen von Google wie YouTube, Google Play und unseren Augmented Reality (AR)-Bemühungen anzuwenden - und sie auch unseren Industriepartnern zur Verfügung zu stellen, was sich mit der Zukunft des Gaming deckt. Wir engagieren uns weiterhin stark für das Gaming und werden weiterhin in neue Tools, Technologien und Plattformen investieren, die den Erfolg von Entwicklern, Branchenpartnern, Cloud-Kunden und Kreativen fördern."

Was die Mitarbeitenden seiner Abteilung betrifft, gab Harrison bekannt, dass viele in anderen Bereichen der Firma weiter arbeiten würden. Ob es auch Entlassungen aufgrund der Stadia-Abschaltung gibt, ist nicht bekannt. Gleiches gilt für Harrison selbst und seine Zukunft bei Google.