Unternehmen

Savvy Games soll einen Major kaufen und fast 40 Mrd. Euro investieren

Unglaubliche 142 Mrd. Saudi-Riyal, rund 38,8 Mrd. Euro, will die Savvy Games Group im Rahmen einer vier Säulen-Strategie investieren. Das junge Gamesunternehmen im Besitz des saudiarabischen Staatsfonds PIF soll einen etablierten, internationalen Publisher kaufen und beim Aufbau von rund 250 Gamesfirmen und 39.000 Gaming-Jobs in Saudi-Arabien helfen. In der Branche ist das Engagement der Saudis nicht unumstritten.

29.09.2022 17:21 • von Stephan Steininger
Das Bild zeigt Mohammed bin Salman bin Abdulaziz, Kronprinz, Premierminister und unter anderem Vorsitzender des Rats für Wirtschaft und Entwicklung, beim von Saudi-Arabien geleiteten G20 Gipfel in Riad im Jahr 2020 (Bild: Imago / Xinhua)

Die globale Gamesbranche muss sich auf massive Umwälzungen gefasst machen, die von einem ambitionierten Saudi-Arabien ausgehen. Mohammed bin Salman bin Abdulaziz, Kronprinz, Premierminister und unter anderem Vorsitzender des Rats für Wirtschaft und Entwicklung, hatte erst vor wenigen Tagen ambitionierte Pläne enthüllt, wonach Saudi-Arabien in wenigen Jahren zu einem, wenn nicht gar dem wichtigsten Gaming-Hub der Welt werden soll. Die Pläne sind Teil des Reformvorhabens "Vision 2030", das eine Diversifizierung der saudiarabischen Wirtschaft zum Ziel hat.

In seiner Funktion als Chairman of the Board bei der Savvy Games Group hat Prinz bin Salman nun den Beitrag konkretisiert, welchen das noch junge, aber finanziell bestens ausgestattete Gamesunternehmen leisten soll. Und der ist gewaltig. Savvy Games soll über einen nicht näher genannten Zeitraum insgesamt 142 Mrd. Saudi-Riyal investieren. Das sind nach aktuellem Kurs umgerechnet 38,8 Mrd. Euro.

Die Gelder sollen in vier Bereiche fließen. 70 Mrd. Riyal, etwa 19,2 Mrd. Euro, stehen für Minderheitsbeteiligungen in Schlüsselunternehmen der Branche zur Verfügung, welche die Agenda der Gruppe unterstützen. Details wurden nicht bekannt. Vermutlich geht es aber um die Gründung von Studio-Töchtern in Saudi-Arabien oder auch die Austragung von E-Sport-Turnieren in der Region und ähnliche Maßnahmen, welche die lokale Branche unterstützen und stärken.

Weiter 50 Mrd. Riyal, rund 13,6 Mrd. Euro, stehen zweckgebunden zur Verfügung, um einen "führenden Game Publisher als strategischen Entwicklungspartner zu kaufen und weiterzuentwickeln". Da hier explizit von einer Akquisition die Rede ist, dürfte es sich dabei kaum um den kürzlich geschlossenen Deal mit Ubisoft handeln. Schon die Ankündigung, einen der großen Publisher übernehmen zu wollen, dürfte in den kommenden Wochen für Spekulationen und Unruhe in der Branche sorgen.

Als dritte Invstitionssäule will die Savvy Games Group 20 Mrd. Riyal, rund 5,5 Mrd. Euro, in die Weiterentwicklung von Partnerschaften stecken, die Erfahrung in das Portfolio der Savvy Games Group bringen und dessen Wert steigern. Last not least stehen zwei Mrd. Riyal oder 547 Mio. Euro für Investitionen in Spiele und E-Sport-Unternehmen zur Verfügung, die sich in der sogenannten Early-Stage befinden, also noch am Anfang ihrer Entwicklung.

Die jetzt vorgestellten Pläne machen die Savvy Games Group zur zentralen Unternehmung für die ambitionierten Gamespläne des saudiarabischen Kronprinzen. Nach Unternehmensangaben soll Savvy Games ein Teil seiner Investitionen in Saudi-Arabien vornehmen und so dabei helfen rund 250 Spielefirmen aufzubauen, die dann 39.000 Jobs im Königreich schaffen. Auf diese Weise soll der Gamessektor 2030 rund 50 Mrd. Riyal oder 13,6 Mrd. Euro jährlich zum Bruttoinlandsprodukt von Saudi-Arabien beisteuern.

In der Branche werden die Pläne wohl mit gemischten Gefühlen aufgenommen werden, so wie auch das Engagement der Saudis generell mitunter in der Kritik steht. Zwar ist der saudiarabische Staatsfonds PIF schon länger an diversen Firmen der Branche beteiligt, so wie er das zum Beispiel auch an Unternehmen der Automobilindustrie ist, jedoch agierte Saudi-Arabien lange nur als passiver Geldgeber. Mit der Gründung der Savvy Games Group im Jahr 2021 änderte sich dies schlagartig. Das Unternehmen kaufte Anfang 2022 die deutsche ESL Gaming und die britische Faceit und formierte daraus das "erste E-Sport Einhorn", die ESL Facit Group (EFG).

Schon damals sagte Brian Ward, CEO der Savvy Games Group, im Interview mit GamesMarkt, dass dem Kauf weitere, große Pläne folgen würden. Gleichzeitig mehrten sich aber schon damals kritische Stimmen, die auf die Menschenrechtslage und insbesondere auf die Unterdrückung von Frauen in Saudi-Arabien hinweisen. Dies stünde im krassen Widerspruch zu den weltoffenen Werten, für welche die Gaming- und E-Sport-Community stehe.

Verfechter der Savvy Games Group argumentieren gegen die Kritik, dass die Gamespläne Saudi-Arabiens auch mit gesellschaftlichen Reformplänen einhergehen, die eine Öffnung der saudi-arabischen Gesellschaft und eine Stärkung von Frauenrechten vorsehen. Kritikern gehen diese Reformen allerdings im besten Fall nicht schnell genug. Viele bezeichnen sie gar als Feigenblatt und das nicht ganz zu unrecht.

So vermeldete Amnesty International erst im März 2022, dass in Saudi-Arabien an einem einzigenTag 81 Menschen öffentlich hingerichtet wurden. Und der Blick auf die aktuellen Ereignisse im Iran nach dem Tod von Masha Amini dürfte die Kritik an einer größeren Rolle Saudi-Arabiens weiter anheizen. Amini starb im Iran in Gewahrsam einer Islamischen Relgionspolizei. Proteste nach ihrem Tod werden dort seither gewaltsam niedergeschlagen. International solidarisieren sich zahlreiche Frauen, darunter auch Mitarbeiter:innen der Gamesbranche, mit den Frauen im Iran und protestieren gegen die Unterdrückung von Frauen. Eine Religionspolizei gibt es jedoch nicht nur im Iran, sondern auch in Saudi-Arabien.