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Twitch ändert Einnahmenaufteilung zu Ungunsten besonders erfolgreicher Streamer:innen

Ab Juni 2023 rechnet Twitch Streaming-Einnahmen über 100.000 Dollar nicht mehr mit 30 Prozent Anteil ab, sondern nimmt 50 Prozent Anteil. Für 90 Prozent aller Streamer:innen soll sich dadurch jedoch nichts an der Monetarisierung ändern, betont Twitch-Präsident Clancy.

22.09.2022 15:49 • von
Twitch-Logo. (Bild: Twitch)

Wie Twitch in einem Blog-Beitrag mitteilt, werden ab Juni 2023 die Verträge für große Streamer:innen angepasst. Während die meisten Streamer:innen mit einem 50/50-Revenue-Split auf Twitch arbeiten, das heißt die Hälfte aller Einnahmen gehen an Twitch, die Hälfte an die Creator:innen selbst, bekamen manche besonders große und Einflussreiche Streamer:innen Sonderverträge. Diese beinhalteten, wohl um den besonders erfolgreichen und berühmt gewordenen Creator:innen den Verbleib auf Twitch schmackhafter zu machen, einen 70/30-Revenue-Split, bei dem Twitch nur 30 Prozent an Anteil nahm. Nun werden diese ab 01. Juni 2023 angeglichen und auf das gewohnte 50/50-Modell umgestellt. "Die große Mehrheit der Twitch-Streamer:innen hat diese Bedingungen in ihrem Vertrag. Eine Zeit lang haben wir jedoch ausgewählten Streamer:innen Standardverträge mit Premium-Abonnementbedingungen angeboten, wenn sie größer wurden. Darüber haben wir nicht öffentlich gesprochen, aber solche Verträge sind in der Streaming-Community allgemein bekannt. In der Vergangenheit hatten wir keinen einheitlichen Rahmen, um festzulegen, wer diese Angebote erhält und wann," so Dan Clancy, Präsident von Twitch über die Änderungen. Laut ihm seien seit über einem Jahr keine der Premium-Verträge mehr neu ausgegeben worden. "Als wir darüber nachdachten, wie wir mit diesen Premium-Geschäften umgingen, wurden uns einige Probleme bewusst. Erstens hatten wir nicht transparent gemacht, dass es solche Geschäfte gab. Zweitens waren wir bei den Qualifikationskriterien nicht konsequent, und sie gingen in der Regel an größere Streaming-Anbieter. Und schließlich halten wir es nicht für richtig, dass diejenigen, die Standardverträge haben, je nach Größe des Streaming-Anbieters unterschiedliche Umsatzanteile erhalten," so Clancy weiter. Aus diesem Grund gilt die Anpassung auf den für die Streamer:innen nachteiligeren 50/50-Split nur über Einnahmen, die über 100.000 Dollar hinausgehen. Streamer:innen, die einen 70/30-Vertrag haben, bleiben unterhalb dieser Grenze weiterhin im Genuss des Premium-Vertrages. Alle Einnahmen darüber werden zu gleichen Teilen zwischen Twitch und den Creator:innen aufgeteilt.

Die Umstellung dürfte nicht nur Fairness-Gründe besitzen, gehen doch mit der Umstellung beträchtliche Zusatzeinnahmen für Twitch durch die Vertragsänderung der größten Streamer:innen einher. Clancy betont jedoch auch, dass durch die Umstellung des minimalen Auszahlungsbetrags von 100 auf 50 Dollar und durch das neue Ads-Incentive-Werbeprogramm kleinere Creator:innen gestärkt aus den Umstellungen bei Twitch hervorgehen und größere ihre Einnahmeverluste durch Produktplatzierungen ausgleichen können sollen.

Twitch betont, dass für 90 Prozent aller Streamer:innen auf der Plattform keine Änderung notwendig sein wird, dass also 90 Prozent aller Streamer:innen unter 100.000 Dollar einnehmen oder bereits einen 50/50-Vertrag besitzen.