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Twitch schränkt Gambling-Streams nach Protesten ein

Nach Androhung von Streiks großer Streamer bannt Twitch ab 18. Oktober zwei der drei großen Glücksspiel-Stream-Kategorien auf der Seite. Es sind jedoch nur bestimmte Glücksspiele und Jurisdiktionen betroffen, grundsätzlich darf weiter gegambelt werden.

21.09.2022 09:56 • von
- (Bild: Pexels/PixaBay)

In einer Änderung ihrer Nutzungsbedingungen verkündet der Streaming-Dienstleister Twitch, dass Streams über Glücksspiel ab 18. Oktober unter bestimmten Umständen nicht mehr erlaubt sind. Slots, Roulette und Würfelspiele dürfen nur noch gestreamt werden, wenn sie aus einer Jurisdiktion stammen, in der genügend Verbraucherschutzgesetze zum Schutz vor Glücksspielsucht vorliegen. Die Bewertung dieser Kriterien übernimmt Twitch selbst, doch namentlich erwähnt werden in der Mitteilung bereits einige der relevantesten Gambling-Seiten, die nun nicht mehr auf Twitch gestreamt werden dürfen.

Die neue Richtlinie ist kein generelles Stream-Verbot für Glücksspiel. Neben der Einschränkung an Jurisdiktionen bleiben auch Sportwetten- und Pokerstreams weiterhin erlaubt. Damit werden zwei der drei großen Gambling-Kategorien auf Twitch, "Slots" mit etwa 1,1 Millionen und "Virtual Casino" mit etwa 350.000 Abonnent:innen, voraussichtlich verschwinden. Die dritte, größte Kategorie "Poker" mit 2,4 Millionen regelmäßiger Zuschauer:innen dürfte jedoch bestehen bleiben.

Die Reaktion Twitchs geht auf den Protest mehrerer großer Streamer:innen zurück, die mit einem Streaming-Streik gedroht hatten. Renommierte Twitch-Streamer:innen wie xQc, Pokimane, Mizkif, and Trainwreck forderten ein Verbot von Gambling-Streams auf der Seite, nachdem ein Streamer durch Lügen über persönliche Notfälle etwa 200.000 Dollar von Streaming-Kolleg:innen und Zuschauer:innen erhalten hatte. Das Geld hatte er anschließend genutzt, um Wetten auf Counter-Strike-Skins zu setzen. Die Initiative der Streamer:innen argumentierte auch mit Jugendschutz gegen die starke Verbreitung von Gambling auf Twitch.

Kritik besteht schon lange

Die Online-Casino-Streams auf Twitch stehen schon länger in der Kritik, insbesondere auch in Deutschland, wo die Bestimmungen für Online-Casinos zwar recht eng gefasst sind, Streams aber nicht darunter fallen. "Jeder Streamer, der sich beim Spielen in einem solchen Online-Casino filmt und ein geschäftliches Verhältnis zu dem jeweiligen Anbieter aufgebaut hat (z.B. über ein Affiliate-Programm oder auch einmalige Zahlungen), nimmt öffentlich an illegalem Glücksspiel teil und bewirbt illegales Glücksspiel. Beides ist in Deutschland verboten," schätzt Tobias Haffner vom Verbraucherschutzverein Berlin-Brandenburg (VSVBB) die Rechtslage zu Gambling-Streams in Deutschland ein. "Auf Twitch werden allerdings überwiegend Casino-Spiele von Glücksspielanbietern mit Lizenzen aus EU-Ländern wie Malta, Zypern oder Gibraltar gestreamt. Mehrere deutsche Verwaltungsgerichte und sogar der Bundesgerichtshof (BGH) haben sich in der Vergangenheit bereits dahingehend positioniert, dass es trotz der EU-Dienstleistungsfreiheit eine deutsche Glücksspiellizenz bedarf, um hierzulande Online-Casinos und virtuelle Automatenspiele anzubieten. Anbieter mit Konzessionen aus anderen Ländern sind in Deutschland also illegal," so Haffner weiter. Die Maßnahmen von Twitch, Streams bestimmter Dienste aus Ländern zu sperren, die ihre Verbraucher:innen beim Glücksspiel nicht genügend schützen, könnte damit also durchaus einen Effekt haben, wenn es die entsprechenden EU-Länder trifft. Ob die Maßnahmen ausreichen, bleibt bis zur Umsetzung jedoch unklar.

Jugendliche schauen Gambling-Streams auf Twitch

Der VSVBB hatte zuletzt in einer Studie 600 Jugendliche befragt, von denen acht Prozent angaben, Gambling-Streams auf Twitch anzuschauen. "34,5 Prozent der befragten Jugendlichen haben schon einmal in einem Online-Casino oder einer stationären Spielothek gespielt oder können sich vorstellen, dies in Zukunft zu tun," gibt der VSBB zudem an. Auf Anfrage GamesMarkts nach der Aufschlüsselung erklärt der Verbraucherschutzverein, dass 8,7 Prozent der Befragten schon einmal in einem Online-Casino gespielt haben, und 8,4 Prozent derjenigen, die noch nicht in einem Online-Casino gespielt haben, es sich in Zukunft vorstellen können. 18,8 Prozent haben schonmal in einer Spielothek gespielt und 10,1 Prozent derjenigen, die noch nicht in einer Spielothek gespielt haben, können sich dies in Zukunft vorstellen.

Pascal Wagner