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Embracer verdoppelt Umsatz und blickt optimistisch in die Zukunft

Die Übernahme-freudige Embracer Group meldet im Geschäftsbericht für das erste Quartal eine Verdoppelung des Umsatzes im Vergleich zum Vorjahr. Für die Steigerung ist hauptsächlich die Tabletop-Sparte Asmodee verantwortlich, die im Vorjahr noch nicht zur Unternehmensgruppe gehörte. Auch die Mobile Games legten stark zu, während sich fehlende Releases auf PC und Konsolen bemerkbar machten.

18.08.2022 13:22 • von
Die Embracer Group besteht mittlerweile auf elf Geschäftseinheiten. (Bild: Embracer Group)

Zusammen mit der jüngsten Übernahmewelle hat die Embracer Group auch ihren Geschäftsbericht für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres veröffentlicht, von April bis einschließlich Juni 2022. Es ist der erste Bericht, der nach den International Financial Reporting Standards erstellt wurde. Auch die Berichte der letzten acht Quartale wurden rückwirkend den Anforderungen angepasst.

Im besagten Quartal stieg der Nettoumsatz um 107 Prozent auf 7,118 Mrd. SEK, knapp 671 Mio. Euro. 2,294 Mrd. SEK, ca. 216 Mio. Euro, stammen von PC- und Konsolenspielen, ein Wachstum um zwei Prozent. Mobile Games steuerten 1,488 Mrd. SEK bei (ca. 140 Mio. Euro), ein Plus von 104 Prozent. Tabletop-Spiele setzten 2,655 Mrd. SEK um, das sind knapp 250 Mio. Euro. Die Sparte, für die hauptsächlich Asmodee verantwortlich ist, gab es im Vorjahr noch nicht. Mit Entertainment und Dienstleistungen wurden 671 Mio. SEK gemacht, etwas mehr als 63 Mio. Euro. Ein Anstieg um 44 Prozent.

Das ausgewiesene EBIT sank im Berichtszeitraum auf -398 Mio. SEK bzw. -37,6 Mio. Euro, was einer Marge von -6 Prozent (Vorjahr: 2 Prozent) entspricht. Das bereinigte EBIT hingegen stieg um drei Prozent auf 1322 Mio. SEK respektive 125 Mio. Euro, was einer bereinigten EBIT-Marge von 19 Prozent (Vorjahr 37 %) entspricht. Bei PC- und Konsolenspielen ging das bereinigte EBIT um 39 Prozent auf ca. 57 Mio. Euro und bei Mobile Games um drei Prozent auf 21,4 Mio. Euro zurück. Das bereinigte EBITDA stieg um 19 Prozent auf 1867 Mio. SEK bzw. 176 Mio. Euro, was einer bereinigten EBITDA-Marge von 26 Prozent entspricht.

Das Unternehmen bekräftigt seine zuvor veröffentlichte Prognose für ein bereinigtes EBIT von 9,2 bis 11,3 Mrd. SEK im Geschäftsjahr 2022/23 (868 Mio. bis 1,06 Mrd. Euro) und 10,3 bis 13,6 Mrd. SEK im Geschäftsjahr 2023/24 (972 Mio. bis 1,28 Mrd. Euro).

CEO Lars Wingefors spricht von einem weiteren, stabilen Quartal: "Wir sind auf dem besten Weg, unseren ehrgeizigen Wachstumsplan zu erfüllen, und obwohl der Markt etwas nachgelassen hat, bekräftigen wir unsere Prognose für das laufende und das nächste Geschäftsjahr". Der Rückgang in den Bereichen PC-/Konsolenspiele und Unterhaltung & Services führt er auf eine geringe Veröffentlichungsaktivität zurück, in Relation zum Vorjahr, in dem "Biomutant" veröffentlicht wurde. Die Verkäufe im Games-Segment wurden von älteren Katalogtiteln dominiert. Die einzige Neuerscheinung, die einen nennenswerten finanziellen Beitrag leistete, war "Evil Dead: The Game". "Das Segment Mobile Games zeigt mit 20 Prozent organischem Wachstum (CCY) weiterhin eine starke Performance. Wir sehen einen starken Return on Ad Spend (ROAS) für unser Mobile-Games-Portfolio und investieren daher mehr in die Nutzerakquise, was die Marge im Quartal etwas belastete", so Wingefors.

"Wir investieren weiterhin organisch in unsere Spieleentwicklungspipeline und haben einen Rekordbetrag von 1.114 Mio. SEK in die Spieleentwicklung investiert, der das organische Wachstum des Unternehmens für viele Jahre vorantreiben wird." Das Unternehmen sieht sich gut positioniert, um das Marktwachstum zu übertreffen. Aktuell befinden sich bei der Embracer Group über 220 Spiele in Entwicklung, darunter mehr als 25 AAA-Spiele, die bis zum Geschäftsjahr 2025/26 veröffentlicht werden sollen. "Nach einer längeren Periode ohne größere Veröffentlichungen im Bereich PC-/Konsolenspiele treten wir nun in eine neue Phase erhöhter Veröffentlichungsaktivität ein. Wir gehen davon aus, dass wir noch in diesem Jahr zwei AAA-Spiele veröffentlichen und Lizenzeinnahmen für das AAA-Spiel "Tiny Tina's Wonderlands" von Gearbox erhalten werden, das Ende des letzten Geschäftsjahres veröffentlicht wurde", erklärt Wingefors. Die Vorbestellungen für "Saints Row" sind solide und bewegen sich im Rahmen der Erwartungen des Managements. Das zweite AAA-Spiel soll demnächst angekündigt werden und im Zeitraum von Januar bis März 2023 veröffentlicht werden. Auf Basis aktueller Leaks dürfte "Dead Island 2" gemeint sein. Außerdem hob der Geschäftsführer die Releases von "Goat Simulator 3" sowie die THQ-Nordic-Projekte "Alone in the Dark", "Outcast 2" und "All Elite Wrestling" hervor. Dem Geschäftsbericht ist ebenfalls zu entnehmen, dass ein AAA-Projekt innerhalb der Unternehmensgruppe verlagert wurde, um die Qualitätsstandards zu halten. Es kann davon ausgegangen werden, dass das Remake von "Star Wars: Knights of the Old Republic" gemeint ist.

Die Embracer Group hält in allen Geschäftsbereichen die Augen nach weiteren Übernahmen offen. Allerdings stellte der CEO klar, dass sie "umsichtiger" und "zunehmend selektiver" werden. Vielmehr werden die transmedialen Möglichkeiten der mehr als 800 eigenen und kontrollierten IPs eruiert. "Mehrere Videospieladaptionen von Asmodees Franchises befinden sich bereits in der Konzeptphase. Mehrere Franchises von Dark Horse werden derzeit für die Entwicklung von Videospielen und Tabletop-Spielen evaluiert. Gleichzeitig arbeiten Asmodee und Dark Horse aktiv daran, unsere Videospiel-Franchises für Brettspiele und Comics zu adaptieren. Wir bemühen uns aktiv um Partnerschaften mit etablierten Branchenakteuren, um mehr unserer geistigen Eigentumsrechte in die Bereiche Film, Fernsehen und Streaming zu bringen", sagt der Embracer-CEO.

Marcel Kleffmann