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Weniger Umsatz, höherer Gewinn und Fokus auf Japan bei Square Enix

Bei Square Enix brach der Umsatz im vergangenen Quartal um knapp 45 Prozent ein, hauptsächlich aufgrund fehlender starker Releases, während sich das MMO "Final Fantasy XIV" weiter im Höhenflug befindet. Im Nachgang der Geschäftszahlenpräsentation stellte der Publisher heraus, dass in Zukunft die japanischen Studios und entsprechende Titel im Fokus stehen würden.

08.08.2022 12:34 • von
Im Nachgang der Geschäftszahlenpräsentation stellte der Publisher heraus, dass in Zukunft die japanischen Studios und entsprechende Titel im Fokus stehen würden. (Bild: Square Enix)

Square Enix hat im ersten Quartal 2022, das am 30. Juni endete, rund 543 Millionen Euro Nettoumsatz verbucht, knapp 15,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Gewinn stieg allerdings um 45 Prozent auf 134 Millionen Euro. Sowohl die HD-Games-Sparte rund um PC- und Konsolenspiele als auch der Mobile-Games-Bereich verzeichneten einen Umsatzrückgang. Im HD-Games-Bereich sank der Umsatz um mehr als 50 Prozent, weil es an zugkräftigen Spielen fehlte. Es wurden lediglich "Chrono Cross: The Radical Dreamers Edition", "The Centennial Case: A Shijima Story", "Final Fantasy VII Remake Intergrade" auf Steam und kurz vor dem Ende des Quartals die Worldslayer-Erweiterung für "Outriders" veröffentlicht. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres erschienen "Outriders" und "NieR Replicant ver". Weiter positiv entwickelt sich das Online-Rollenspiel "Final Fantasy XIV", das knapp 21 Prozent höhere Umsätze durch gestiegene Abonnentenzahlen aufwies.

Während der Unternehmensbereich "Publication" einen ähnlich rückläufigen Nettoumsatz wie bei den digitalen Games meldete, stiegen die Umsätze im Amusement-Bereich rund um Taito Station sowie Arcade-Spielgeräte und im Merchandising-Segment um 26,7 Prozent respektive 31,9 Prozent. Eine angepasste Prognose für das Geschäftsjahr möchte die Unternehmensleitung erst dann vorlegen, wenn die Auswirkungen des Verkaufs von Eidos, Crystal Dynamics und Square Enix Montreal an Embracer "vernünftig kalkuliert" werden könnten. Im Mai 2022 verkaufte Square Enix diese drei westlichen Studios an die schwedische Unternehmensgruppe (Details).

Den Conference Call zur Präsentation der Quartalsergebnisse fasste MST Financial Senior Analyst David Gibson zusammen und stellte heraus, dass der Publisher Interesse daran haben könnte, weitere Anteile an seinen Studios zu verkaufen. Der erste Schritt zur Verbesserung der Kapitaleffizienz war der Verkauf von Eidos, Crystal Dynamics und Square Enix Montreal, der gegenüber den Investoren auch damit begründet wurde, dass sich die Projekte dieser Studios auf die Verkäufe und die zur Verfügung stehenden Ressourcen anderer in Entwicklung befindlicher Spiele negativ auswirken würden. Er sprach von einem Unternehmens-internen "Kannibialisierungseffekt". "Life is Strange" von Deck Nine, "Outriders" von People Can Fly und "Just Cause" von Avalanche Studios sind die Marken westlicher Studios, die Square Enix fortführen möchte.

Des Weiteren sollen die "Ressourcen hauptsächlich für japanische Titel verwendet" werden, was dazu führen dürfte, dass die noch bestehenden Square-Enix-Studios in Europa oder Nordamerika in Projekte der japanischen Studios eingespannt werden könnten. Der Publisher möchte in Zukunft selektiver mit seinen Ressourcen im Zuge steigender Entwicklungskosten umgehen. Analyst Gibson vermutet im Zuge der internen Studio-Portfolio-Review außerdem, dass Sony, Tencent und Nexon potenzielle Käufer dieser Studios oder an Anteilen dieser Studios sein könnten. Dennoch müsste Square Enix keine Anteile verkaufen, da das Unternehmen nach dem Embracer-Deal über knapp 1,37 Mrd. Euro liquide Mittel verfügt und aktuell keine Schulden hat. So könnten auch eigene Übernahmen im Raum stehen. Aktuell investiert Square Enix ungefähr 825 Millionen Euro in die Entwicklung von Games bzw. in die Produktion von Inhalten.

Erst kürzlich sagte Eidos-Montreal-Gründer Stephane D'Astos gegenüber GI.biz, dass es Square Enix "schon immer an Vertrauen in seine westlichen Studios" gefehlt habe. Er bezeichnete die westlichen Studios als "ein Zugunglück in Zeitlupe". Angefangen mit "enttäuschenden" Verkäufen der letzten Tomb-Raider-Trilogie, gefolgt von "Marvel's Avengers" im Jahr 2020 und "Marvel's Guardians of the Galaxy" im Jahr 2021, die ebenfalls hinter den Verkaufserwartungen des Publishers zurückblicken. Auch "Outriders" war bis Ende 2021 laut People Can Fly nicht profitabel. Zudem geht das unbestätigte Gerücht um, dass ein Remaster von "Tomb Raider" aus dem Jahr 1996 bei Virtuos Studios zum 25-Serienjubiläum in Entwicklung war, aber eingestellt wurde. Ob Eidos, Crystal Dynamics und Square Enix Montreal bei Embracer letztendlich profitabel und erfolgreich sein werden, bleibt laut Stephane D'Astos abzuwarten. Er ist jedenfalls skeptisch, da "dort immer noch die gleichen Akteure" aktiv wären. D'Astos hofft, dass sich Lars Wingefors, CEO von Embracer, ausführlich über die Zukunftspläne dieser Studios unterhalten habe.

Marcel Kleffmann