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Deutsche Mobile-Games-Unternehmen begrüßen Googles neuer Ad-Richtlinie

Eine neue Richtlinie von Google verbietet ab September "unerwartete" Werbung. GamesMarkt hat sich bei deutschen Mobile-Unternehmen wie Sunday, InnoGames, Gameforge und Phoenix Games umgehört und ist auf positive Resonanz gestoßen, da die Firmen von der Regelung nicht betroffen sind.

05.08.2022 16:06 • von
Googles Play Store wird ab September neue Richtlinien gegen unerwartete Werbeeinblendungen durchsetzen. (Bild: Pexels/Czapp Árpád.)

Zum ersten September wird Google eine neue Ad-Richtlinie für Mobile Games einführen, die unerwartete Werbung verbietet. Als solche gelten zum Beispiel Vollbild-Einblendungen noch beim Start der Spiele-App, Werbebanner beim Start eines Levels oder solche Einblendungen, die gerade dann erscheinen, wenn Spieler:innen eigentlich eine Aktion durchführen wollen. GamesMarkt hat deutsche Mobile-Game-Studios nach ihren Einschätzungen gefragt.

Christoph Sachsenhausen, Geschäftsführer des Hamburger Hyper-Casual-Anbieters Sunday, befürwortet die neue Richtlinie:

"Die neue Google-Richtlinie betrifft aus unserer Sicht lediglich die Extremfälle. Der normale Einsatz von Interstitials, also Full Screen In-App-Werbeformate, an den bewährten Stellen und nach allgemein bekannten Best Practices, etwa nach einem Level-Ende, ist davon nicht betroffen. Wir bei Sunday unterstützen die neue Google-Richtlinie, da sie für mehr User-Freundlichkeit im Mobile-Games-Markt sorgt."

Auch bei InnoGames steht man der Änderung wohlwollend gegenüber. Felix Janzen, CMO von InnoGames, sieht sogar mögliche positive Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit von werbebasierten Geschäftsmodellen:

"Uns betrifft die neue Regelung nicht, da wir keine Werbung 'unerwarteter Art' in unsere Spiele integriert haben. Bei InnoGames können die User selbst entscheiden, ob sie Werbung sehen möchten oder nicht. Generell begrüße ich den Schritt, da unerwartete Einblendungen die User stören können und Störungen das Spielerlebnis negativ beeinflussen. Das wirft am Ende ein schlechtes Licht auf die ganze Gamesbranche.

Ich hoffe stattdessen auf eine positive Wirkung auf den Markt, indem Qualität und Spielerlebnis wieder stärker in den Fokus rücken. Dadurch wird die Akzeptanz steigen. Eine höhere Akzeptanz wiederum sollte sich wirtschaftlich positiv auswirken - sowohl auf die Publisher, als auch auf die Advertiser. Den Gamesfirmen bleiben noch viele andere smarte Wege, Werbung einzubinden, ohne die Nutzer zu frustrieren."

Positiv aug Googles Pläne regagiert auch Klaas Kersting. "Wir begrüßen die Regelung von Google. Es war überfällig, missbräuchlichen Werbeaktivitäten einen Riegel vorzuschieben", sagt der ehemalige Gründer und CEO von GameForge, der inzwischen mit seinem neuen Unternehmen Phoenix Games Holding vor allem als Investor verschiedener Studios agiert.

Nicht betroffen davon ist auch Gameforge. So sagt Martin Liedtke, Lead Product Manager von "OGame" bei dem Karlsruher Publisher: "Im Moment haben wir keine Werbebereiche innerhalb der 'OGame'-App, aber wir werden sie irgendwann haben. Diese Bereiche werden innerhalb der Anwendung streng definiert sein und in erster Linie genutzt werden, um die Spieler auf Ingame-Events aufmerksam zu machen. Wir wollen den Spielfluss unserer Spieler nicht beeinträchtigen, daher werden sie nicht wahllos irgendwo auftauchen, sondern nur an der speziell dafür vorgesehenen Stelle."

Zustimmung erhält Liedtke von seinem eigenen Kollegen Boris Becker. Der Leiter der Gameforge Marketingabteilung blickt aus anderer Perspektive auf die Google-Richtlinie, jedoch mit einer ganz ähnlichen Schlussfolgerung: "Aus der Sicht von jemandem, der Anzeigen kauft, steht bei uns das positive Erlebnis des Kunden immer im Vordergrund. Wir begrüßen folglich, dass diese Verordnung einige der aufdringlicheren Werbeplatzierungen, die derzeit verfügbar sind, beseitigt", so Becker.

Pascal Wagner