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Radikaler CI-Wechsel: Koch Media erfindet sich neu und wird Plaion

28 Jahre nach Gründung verabschiedet sich Koch Media von seinem Unternehmensnamen. Künftig agiert die Firma, die zur Embracer Group gehört, unter dem Namen Plaion. Die zu Plaion gehörenden Label und Studios bleiben im Namen unverändert. Aus Koch Films wird Plaion Pictures.

04.08.2022 15:00 • von Stephan Steininger
Dr. Klemens Kundratiz ändert 28 Jahre nach Gründung den Namen von Koch Media in Plaion. Auch die Filmtochter wird umbenannt und heißt Plaion Pictures (Bild: Plaion)

Drei Wochen vor der gamescom schreibt die größte deutsche Spielefirma mit einem Paukenschlag Schlagzeilen. Koch Media gibt sich eine neue Corporate Identity und schickt in diesem Zusammenhang den bisherigen Firmennamen, der seit 28 Jahren bei Branche und Partnern fest verankert ist, in Rente. Künftig agiert das Unternehmen mit Sitz in Planegg bei München unter dem Namen Plaion, was "play on" ausgesprochen wird. Zentrales Element des neuen Logos ist ein Play-Button, der ein abstrahiertes P darstellt, Entertainment umfasst und Konnektivität und Zusammenarbeit symbolisiert.

"Ich trage den Gedanken schon eine Weile mit mir herum", erklärt Dr Klemens Kundratitz den ungewöhnlichen Schritt gegenüber GamesMarkt. Kundratitz gründete die Firma vor 28 Jahren gemeinsam mit Franz Koch und leitet die Gruppe seither als Geschäftsführer. Als Koch Media 2018 Teil der heutigen Embracer Group wurde sei nicht der richtige Zeitpunkt für eine solche Veränderung gewesen. Damals habe man vor allem Kontinuität signalisieren wollen. Auch später hätte es keinen konkreten Anlass für ein Rebranding gegeben. Trotzdem habe sich die Entwicklung der Firma in den viereinhalb Jahren beschleunigt, in denen man Teil der Embracer Group ist. "Wir sind mittlerweile über 2300 Mitarbeiter:innen, 70 Prozent davon sind Entwickler:innen. Es gibt zehn Studios weltweit, wir sind als Publisher gewachsen, wir haben diversifiziert und das Filmbusiness hat sich weiterentwickelt - es hat sich also extrem viel getan", so Kundratitz. Und er schiebt nach: "Irgendwann setzt man dann den Pflock in den Kalender und sagt sich: 'jetzt machen wir das'".

Mit Blick auf die Verbraucher:innen wird sich zumindest im Spielebereich nicht viel verändern. Der Namenswechsel von Koch Media hin zu Plaion ist vor allem für Partner, Handel und B2B-Kontakte relevant. Die fünf derzeit existierenden Publishinglabel, die aus Reading (Deep Silver), München (Prime Matter, Ravenscourt), Mailand (Milestone) und Rotterdam/Amsterdam (Vertigo) gemanagt werden, setzen ihre Arbeit unverändert und unter ihren bisherigen Namen fort. Auch für die zehn internen Entwicklungsstudios ergeben sich durch den CI-Wechsel der Dachmarke keine Veränderungen. In gewisser Weise setzt Plaion den Ansatz fort, den Embracer und Koch Media schon immer verfolgten, und zwar unter einer Dachmarke, in diesem Fall Plaion, viele Marken zu vereinen. Erklärtes Ziel für zugekaufte Studios sei es, dass diese ihr volles Potenzial unter dem eigenen Namen entfalten können und nicht auf Zwang auf Links gedreht werden.

"Ich glaube es zeichnet uns aus, dass wir mit den unterschiedlichen Publishing-Label und Firmen verschiedene Schwerpunkte setzen", erklärt Stephan Schmidt, Director Global Partner Publishing bei Plaion. So habe beispielsweise Milestone einen anderen Fokus bei ihren Produkten, aber auch bei der Art und Weise der Kommunikation mit den Endkund:innen als zum Beispiel Vertigo Games. Gleiches gelte für alle Publishing-Label von Plaion. "Es fördert die Zugehörigkeit und Vielfältigkeit, wenn man einerseits alles unter einer Dachmarke versammelt, zugleich aber jedem die Chance gibt, sich mit einer leicht unterschiedlichen Zielgruppe anders auseinanderzusetzen." Dies sei für Produkte zielführender, als ein Brand über alles zu stülpen und schlussendlich fehle womöglich die Identity.

Anders als im Spielebusiness wird die neue CI im Filmbereich für Konsumenten hingegen deutlich sichtbarer. So ersetzt der Name Plaion Pictures die bisherige Koch Films, die schon in der Vergangenheit mehr Consumer Marke war, als beispielsweise eine Koch Media. Auf das eigentliche Geschäft und dessen Ausrichtung hat die neue CI jedoch auch im Filmbereich, genauso wie bei Games, keine Auswirkungen. "Die Änderung des Namens signalisiert keine Zäsur in unserem Fokus auf die unterschiedlichen Unternehmensbereiche", betont Klemens Kundratitz. "Klar ist aber, dass wir uns über die Zeit geändert haben und in der Zukunft entsprechend dem dynamischen Marktumfeld weiter ändern werden." Anders gesagt, die neue CI trägt der ohnehin schon gelebten Weiterentwicklung der Firma Rechnung, nicht umgekehrt. Damit will und schlägt das Unternehmen ein neues Kapitel als globaler Entertainment-Anbieter auf.