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Update: Google einigt sich auf Rückzahlungen an US-Mobile-Devs mit wenig Einnahmen

Im Rechtsstreit zwischen Play-Store-Entwicklerfirmen mit wenigen Einnahmen und Google haben beide Seiten eine Einigung vorgelegt. Google verpflichtet sich darin zu jährlichen Transparenzreports und Rückzahlungen für Einnahmen unter einer Millionen Dollar seit 2016. Letztere gelten jedoch nur für bestimmte Developer aus den USA.

04.07.2022 11:32 • von
Melinda R. Coolidge, US Managing Partner bei Hausfeld. (Bild: Hausfeld/Melinda R. Coolidge.)

Update vom 05.06.2022:

Auf Anfrage von GamesMarkt gab Google bekannt, dass die in der Einigung getroffenen Regelungen zur Rückzahlung von Kommission unter einer Millionen Dollar Einnahmen nur für Entwickler:innen aus den USA gelten. Weltweit sollen Entwickler:innen jedoch von den allgemeinen Änderungen an Googles Arbeitspraxis profitieren, die sich aus der Einigung ergeben. Dazu kommentiert Google: "Wir überarbeiten unsere Vertriebsvereinbarung für Entwickler, um klarzustellen, dass Entwickler weiterhin Kontaktinformationen, die sie innerhalb der App erhalten haben, verwenden können, um mit Nutzern außerhalb der App zu kommunizieren, einschließlich über Abonnementangebote oder preisgünstigere Angebote in einem konkurrierenden App-Store oder auf der Website des Entwicklers.

In neuen Android-Versionen wird Google bestimmte Änderungen beibehalten, die in Android 12 eingeführt wurden und die es den Nutzern noch einfacher machen, andere App-Stores auf ihren Geräten zu verwenden, ohne dabei die Sicherheitsmaßnahmen von Android zu gefährden.

Wir haben gehört, dass Entwickler mehr über die Funktionsweise von Google Play erfahren möchten. Deshalb haben wir uns bereit erklärt, jährliche Transparenzberichte zu veröffentlichen. In den Berichten werden Informationen über den Google Play Store veröffentlicht, z. B. über entfernte Apps, Kontokündigungen und andere objektive Informationen.

Darüber hinaus ist es wichtig zu erwähnen, dass Entwickler auf der ganzen Welt bereits von der Verbreitung und Auffindbarkeit profitieren, die der Google Play Store bietet, sowie von der 15-prozentigen Servicegebührenstufe auf die ersten 1 Mio. US-Dollar Jahresumsatz, die im Google Play Store erzielt werden."

Originalmeldung vom 04.06.2022:

Play-Store-Anbieter Google hat sich mit der Anwaltskanzlei Hausfeld auf einen 90-Million-Dollar-Fund und mehrere Regeländerungen im Play Store geeinigt. Hausfeld vertritt eine große Koalition aus Mobile-Game-Developerfirmen aus den USA, die weniger als zwei Millionen Dollar pro Jahr im Play Store verdienen.

Die Einigung besagt, dass Googles im letzten Jahr eingeführtes Tiered-Pricing-Model für Einnahmenbeteiligungen verstetigt werden soll. Unter einer Millionen Dollar Einnahmen nimmt Google dann lediglich 15 Prozent Kommission aus Verkäufen im Play Store. Besonders bemerkenswert ist dabei die Ankündigung einer rückwirkenden Auszahlung: Google legt einen Fond in Höhe von 90 Millionen Dollar an, aus dem sich betroffene Entwickler:innen seit 2016 nach derselben Staffelung, die seit 2021 und nun dauerhaft gelten soll, entschädigen lassen können. Wer also ab 2016 für Einnahmen unter einer Millionen Dollar 30 Prozent Kommission an Google abgetreten hat, wird benachrichtigt und kann sich diese erstatten lassen.

Ob diese Regelung auch für Entwickler:innen außerhalb der USA gilt, ist noch nicht bekannt. Eine entsprechende Anfrage hat GamesMarkt an die zuständige Pressestelle in Deutschland geschickt.

Neben der finanziellen Einigung verpflichtet sich Google außerdem, diverse Sichtbarkeits- und Sicherheitsverbesserungen für kleine Studios im Play Store anzulegen, etwa eine "Indie Apps Corner" als Showcase für kleine Unternehmen. Desweiteren verpflichtet sich Google ab sofort zu einem jährlichen Transparency Report, der Unternehmen helfen soll, die Mechanismen des Play Store zu verstehen und ihr Marketing entsprechend zu verfeinern.

Damit die Vereinbarung gültig wird, muss das zuständige Gericht sie noch annehmen, womit jedoch von beiden Seiten gerechnet wird. "Dieser Vergleich ist ein passendes Ende für einen komplexen und hart umkämpften Fall und wird einen tiefgreifenden Einfluss auf die Art und Weise haben, wie App-Entwickler:innen auf Google Play in den kommenden Jahren Geschäfte machen werden", sagte Melinda R. Coolidge von Hausfeld in einer Stellungnahme gegenüber GamesBeat.

In der Pressemeldung gibt Google zusätzlich preis, dass im zweiten Quartal des Jahres 2021 insgesamt 120 Milliarden US-Dollar von Unternehmen im Play Store eingenommen wurden. Auf wie viele Firmen sich dieses Geld aufteilt und wie viele davon unter die in der Einigung abgesprochene Grenze fallen, ist derzeit nicht bekannt.

Pascal Wagner