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Focus übertrifft Umsatzerwartungen und führt Konzernumbau fort

Focus Entertainment setzte im Geschäftsjahr 2021/22 mehr als 142 Millionen Euro um. Die Erwartungen der Unternehmensführung wurden übertroffen. Mit "Evil West", "A Plague Tale: Requiem" und dem neuen Titel von Deck13 soll das aktuelle Fiskaljahr ebenfalls stark ausfallen. Außerdem geht der Umbau zu einem Entwickler/Publisher weiter.

20.06.2022 14:48 • von
Focus Entertainment möchte bis März 2025 insgesamt 31 Spiele auf den Markt bringen. (Bild: Focus Home Interactive)

Focus Entertainment hat den Geschäftsbericht für das Fiskaljahr 2021/22 vorgelegt (vom 01. April 2021 bis 31. März 2022). Unter dem Strich wurden die Erwartungen des Managements leicht übertroffen. So hat der französische Publisher 142,6 Millionen Euro umgesetzt, ein Rückgang um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, das aufgrund der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie besonders umsatzstark ausfiel. Von den 142,6 Millionen Euro stammen 5,6 Millionen Euro von Dotemu, die im August 2021 von Focus übernommen wurden. 95 Prozent des Umsatzes erzielte Focus Entertainment außerhalb Frankreichs. 88 Prozent des Umsatzes wurden auf digitalen Vertriebswegen erwirtschaftet.

"SnowRunner", "Insurgency: Sandstorm" und "A Plague Tale: Innocence" werden als Umsatztreiber erwähnt, also Back-Katalog-Titel und Spiele, die wie "SnowRunner", stetig mit Erweiterungen versorgt werden. Der Publisher hebt hervor, dass sie "langfristig Umsätze aus stark verankerten Franchises und Titeln generieren". Das von Focus Entertainment vertriebene "Aliens: Fireteam Elite" sowie "Necromunda: Hired Gun", entwickelt von dem Focus-Entertainment-Studio Streum On, werden ebenfalls als Erfolgsfaktoren genannt.

Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände (EBITA) übertraf mit 13,2 Millionen Euro die Erwartungen der Geschäftsführung leicht, trotz des Umsatzrückgangs. Focus verzeichnete steigende Vertriebs- und Marketingkosten durch die höhere Anzahl an Veröffentlichungen, profitierte aber von einer "strengen Kostenkontrolle" bei allgemeinen Kosten und Verwaltungskosten, die um drei beziehungsweise sechs Prozent der Gesamteinnahmen zurückgingen. Der Konzernüberschuss für das Gesamtjahr 2021/22 war 3,0 Millionen Euro. Das EBITDA lag bei 42,1 Mio. Euro, die Bruttomarge bei 30 Prozent.

Focus Entertainment hat im besagten Geschäftsjahr 35 Millionen Euro in die Entwicklung neuer Spiele investiert, im Vorjahr waren es noch 39,5 Millionen. Nach der Übernahme von Deck13 Interactive im Jahr 2020 hat das französische Unternehmen die Akquisition von vier weiteren Studios im FY2021/22 abgeschlossen: Streum On Studio, Dotemu, Douze Dixièmes und Leikir Studio. Diese Akquisitionen entsprachen einer Übernahmesumme von 59,1 Millionen Euro, wobei 38,5 Millionen Euro auf Dotemu entfallen. Außerdem hat sich das Unternehmen "erhebliche Finanzmittel gesichert". Zum 31. März 2022 beliefen sich die liquiden Mittel auf 62,6 Millionen Euro.

Das Unternehmen verfolgt weiterhin das Ziel, "ein weltweit führender integrierter Videospielanbieter zu werden". Focus möchte sich von einem Publisher/Distributor zu einem Entwickler/Publisher entwickeln und den Anteil der eigenen IPs im Portfolio erhöhen, wobei das langfristige Ziel darin besteht, 50 Prozent der Einnahmen aus Spielen mit eigener IP zu erzielen. Christophe Nobileau, Chief Executive Officer, kommentiert: "In den nächsten drei Jahren wird Focus Entertainment von unserem ambitioniertesten Spieleangebot aller Zeiten profitieren. Wir erwarten, dass wir bis März 2025 31 Spiele auf den Markt bringen werden. Von den erwarteten Lifetime-Einnahmen aus diesen Spielen werden voraussichtlich 30 Prozent aus Spielen stammen, deren geistiges Eigentum (15 Prozent) oder Miteigentum (15 Prozent) bei Focus Entertainment liegt."

Im laufenden Geschäftsjahr (2022/23) sind bereits "Hardspace: Shipbreaker" für PC und das Beat'em-Up "Teenage Mutant Ninja Turtles: Shredder's Revenge" von Dotemu veröffentlicht worden. "Hardspace: Shipbreaker", in dem man Raumschiffe in kleine Stücke zerlegt, war zuerst im Early Access verfügbar und hat sich bisher über 500.000 Mal verkauft. Am 20. September wird "Evil West" von Flying Wild Hog für PC, PS4, PS5, Xbox One und Xbox Series X|S veröffentlicht. Noch in diesem Jahr soll die Fortsetzung des Millionensellers "A Plague Tale: Innocence" veröffentlicht werden: "A Plague Tale: Requiem". Das Action-Adventure entsteht abermals bei Asobo. Gegen Ende des Geschäftsjahres, also spätestens bis zum 31. März 2023, soll das neue "ehrgeizige Spiel" von Deck13 Interactive erscheinen, das bisher nicht enthüllt wurde. Beim Summer Game Fest hatte der Publisher schon "Aliens: Dark Descent" für 2023 vorgestellt, ein Projekt, das von Tindalos Interactive ("Battlefleet Gothic: Armada") entwickelt wird. Auch für 2023 geplant sind: "Warhammer 40.000: Boltgun" von Auroch Digital, "Chants of Sennaar" von Rundisc und "Dordogne" von Umanimation. Last but not least sollen aktuelle Spiele weiter unterstützt und der Back-Katalog weiter gepflegt werden.

Marcel Kleffmann