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Kommentar: Der Super-League-Moment der FIFA

Geld verdirbt nicht nur den Charakter, es verdirbt auch das (Fußball-)Spiel. Das lässt sich derzeit besonders schön am Streitfall FIFA und Electronic Arts beobachten, wo es bis auf FIFAs neue Spielepartner nur Verlierer gibt. Zu den Partnern könnte die Savvy Gaming Group gehören. Ein spekulativer Kommentar von Stephan Steininger.

12.05.2022 10:04 • von Stephan Steininger
GamesMarkt-Chefredakteur Stephan Steininger sieht im Streit zwischen EA und der FIFA vor allem Verlierer und spekuliert über die Savvy Gaming Group als möglichen Partner des Fußballverbands (Bild: GamesMarkt)

Als Außenstehender kann man eigentlich nur den Kopf schütteln. Seit fast drei Jahrzehnten war die Partnerschaft zwischen dem Weltfußballverband FIFA und dem US-Spielehersteller Electronic Arts so etwas wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Obwohl der jährliche Veröffentlichungsrhythmus dazu führte, dass nur gefühlt jedes zweite "FIFA"-Spiel einen technologischen Fortschritt brachte, kauften die Fans im Handel die Regale leer.

Im vergangenen Herbst, als erstmals Verstimmungen zwischen den beiden Partnern bekannt wurden, trug die "New York Times" einige Zahlen zusammen. 20 Mrd. Dollar Umsatz hätten die FIFA-Spiele in den vergangenen 20 Jahren eingespielt. Etwa 150 Millionen Dollar Lizenzgebühren bekam die FIFA zuletzt von Electronic Arts für die Namensrechte, und zwar pro Jahr. Die Games seien damit das lukrativste Lizenzprodukt außerhalb der Weltmeisterschaften für den Verband.

Der öffentliche Disput der beiden Partner im vergangenen Herbst passte da so gar nicht ins Bild. Tatsächlich konnte und wollte man meinen, dass die Drohungen nur Teil harter Verhandlungen auf dem Weg zu einem neuen, mehrjährigen Exklusivdeal sind. Doch falsch gedacht. Die Partnerschaft ist - zumindest nach diesem Jahr - vorbei. Beide Seiten verkündeten sehr unterschiedliche Pläne in Sachen Fußballspiel, und zwar unabhängig voneinander.

Verlieren könnte am Ende alle. Electronic Arts mag sich auf der sicheren Seite wiegen. Immerhin hat das Unternehmen zahlreiche andere Lizenzverträge, sodass man bei den künftigen "EA Sports FC"-Spielen nicht auf echte Club- und Spielernamen verzichten müssen wird. Aber die Exklusivität, die "FIFA" in der Zeit vor der Konkurrenz hielt, als diese noch das bessere Spiel machten, die ist dahin. EA wird feststellen, dass ein Teil der Verbraucher:innen schon aus Gewohnheit zu dem "FIFA"-Spiel greifen werden, wenn ein so betiteltes im Regal neben "EA Sports FC" steht.

Verlieren wird in jedem Fall auch die FIFA. "Ich kann Ihnen versichern, dass das einzige authentische, echte Spiel, das den Namen FIFA trägt, das beste sein wird, das für Gamer und Fußballfans erhältlich ist", lässt sich FIFA-Präsident Gianni Infantino in der Pressemitteilung zitieren, in der die Zusammenarbeit mit anderen Drittherstellern sowie der Release nicht Simulations-bezogener FIFA-Fußballspiele noch in diesem Jahr ankündigt wird. Das Zitat zeugt nicht nur von Unwissenheit, wie wichtig Erfahrung in der Spieleentwicklung ist. Es zeugt auch von der Selbstüberschätzung und Arroganz, für welche die FIFA von Fußballfans auf der ganzen Welt verachtet wird. Es zeugt von infantilem Wunschdenken, dass allein vier Buchstaben dauerhaft wichtiger sind, als Qualität. Gamer:innen sehen das anders und es wäre nicht das erste Mal in der Spielewelt, dass eine Marke mangels Qualität scheitert.

Kurzum: Das Zitat zeigt - ähnlich wie die gescheiterte Super League von Real Madrid, Barcelona & Co -, dass es der FIFA wie vielen Fußballverantwortlichen nicht um das Spielerlebnis geht, sondern nur ums Geld. Damit steht die dritte Gruppe an Verlierern fest: Die Spieler:innen. Sie werden sich auf kompromissreiche Jahre einstellen müssen, in denen sie entweder ein mit Kinderkrankheiten gespicktes "FIFA"-Game spielen können oder ein ausgereiften "EA Sports FC", das nach und nach aus der von der FIFA kontrollierten Fußballwelt ausgeschlossen wird. Oder keines von beiden.

Eine große Frage bleibt nach heutigem Stand aber offen: Wer werden die neuen Partner, mit denen die FIFA ihre Pläne zum Sturz EAs vollziehen wird? Konami, das mit der "eFootball" getauften, ehemaligen "PES"-Reihe die beste Simulationsalternative im Programm hat? Möglich.

Ich könnte mir - um mal ein eigene Spekulationen in die Welt zu setzen - auch eine andere Kombination vorstellen, die angesichts der guten Beziehungen der FIFA in die arabische Welt - man denke nur an die WM in Katar - gar nicht so abwegig sind. Tatsächlich entsteht derzeit in Saudi-Arabien mit Geld des saudischen Staatsfonds PIF mit der Savvy Gaming Group ein neuer, finanziell bestens ausgestatteter Großpublisher. Der hat nicht nur Großes vor, er ist durch den Kauf der ESL und Faceit auch bestens im E-Sport aufgestellt, was im Fußball nicht schaden kann. Außerdem baute deren CEO Brian Ward von 1996 bis 2002 als Director Business Affairs das kanadische Studio von Electronic Arts in Vancouver massiv aus. Eines der Hauptprodukte von EA Vancouver damals wie heute: "FIFA". Wie dem auch sei, ich bin jedenfalls gespannt, was die nächsten Wochen in Sachen Fußball-Games so bringen.