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Gerüchtecheck-Update: Ist Ubisoft der nächste Übernahmekandidat?

Nach der Abwehr der feindlichen Übernahme durch Vivendi deuten US-Medienberichte darauf hin, dass eine Übernahme des französischen Publishers im aktuellen Marktumfeld möglich sei. Mehrere Private-Equity-Unternehmen würden sich bereits in Stellung bringen. Auch die Guillemot-Familie ergreift wohl Gegenmaßnahmen. Der GamesMarkt Gerüchtecheck.

25.04.2022 17:11 • von
US-Medienberichte bringen eine Übernahme von Ubisoft durch Beteiligungsgesellschaften ins Spiel. (Bild: Ubisoft)

Update vom 5. Mai 2022:

Der Kurs der Ubisoft-Aktie stieg gestern Nachmittag sprungartig um fast zehn Prozent - von 42,50 Euro auf 46,50 Euro. Der Anstieg wird laut dem französischen Magazin Les Echos investir "ziemlich sicher" auf einen weiteren Medienbericht zurückgeführt. Demnach könnte sich die Guillemot-Familie mit einer Private-Equity-Gesellschaft zusammenschließen, um die operative Kontrolle über den Konzern zu behalten und ein mögliches (drittes) Übernahmeangebot abzuwehren. Der Medienbericht basiert auf einem Artikel des Dealreporters, der von der Investing-Community Seeking Alpha aufgegriffen wurde. Auch am heutigen Tag zeigt sich die Ubisoft-Aktie freundlich. Die Guillemot-Familie hält derzeit 15,9 Prozent der Aktien des Unternehmens und 22,3 Prozent der stimmberechtigten Aktien. Ubisoft hat den Bericht bisher nicht kommentiert. Ende April brachten US-Medienberichte eine mögliche Übernahme des französischen Publishers durch Beteiligungsgesellschaften im aktuellen Marktumfeld ins Spiel.

Originalmeldung vom 25. April 2022:

Ist Ubisoft Entertainment der nächste Übernahmekandidat? Laut dem US-Nachrichtenmagazin Bloomberg hätten sich mehrere Buyout-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften, darunter Blackstone und KKR, näher mit dem französischen Unternehmen befasst. Ernsthafte Verhandlungen zwischen den Parteien hat es angeblich noch nicht gegeben. Zudem sei nicht sicher, ob einer der Interessenten ein Angebot unterbreiten wird, so die anonymen Quellen. Gegenüber Bloomberg wollten sich weder Blackstone noch KKR und Ubisoft äußern. KKR hat bereits im Spielebereich investiert, z.B. in Epic Games. Für Blackstone wäre dieser Sektor Neuland.

Als ein Grund für die Übernahmefantasien wird der gesunkene Aktienkurs des Unternehmens angeführt. Ende April 2017 war eine Ubisoft-Aktie für knapp 43 Euro zu haben. Mitte Juli 2018 folgte ein Höhenflug auf ungefähr 103 Euro. Anfang Februar 2021 lag der Aktienkurs noch bei fast 84 Euro. Vor der Veröffentlichung der Übernahmegerüchte durch Bloomberg lag der Kurs am 22. April um 09:30 Uhr bei 34,27 Euro. Bis heute um 16 Uhr schnellte die Aktie auf 43,00 Euro hoch. Derzeit liegt die Marktkapitalisierung von Ubisoft bei 4,79 Mrd. Euro. Im Vergleich zu der Marktkapitalisierung von Electronic Arts (35,9 Mrd. Euro), Take-Two Interactive (16,45 Mrd. Euro) und der Embracer Group (7,32 Mrd. Euro) wirkt Ubisoft günstig bewertet.

Bei Kotaku wird der Bloomberg-Artikel aufgegriffen und ergänzt. Diesem Bericht ist zu entnehmen, dass Ubisoft-Führungspersonal der Ansicht wäre, dass das Unternehmen an einen Interessenten verkauft werden könnte. Ubisoft soll in den letzten Jahren eng mit mehreren externen Beratungsfirmen zusammengearbeitet haben, um verschiedene Geschäftsbereiche zu evaluieren und seine Bilanzen für einen möglichen Verkauf in Ordnung zu bringen. Neben dem schwächelnden Aktienkurs werden Produktionsschwierigkeiten bei großen Titeln, die anhaltende Debatte über Probleme am Arbeitsplatz und die Abwanderung von Führungspersonal als weitere Gründe genannt. Außerdem hat Charlie Guillemot, der Sohn des Ubisoft-Chef Yves Guillemot (61), das Unternehmen im vergangenen Jahr verlassen.

Ubisoft äußerte sich gegenüber GameSpot und Kotaku zu den Medienberichten. Das Unternehmen stellte klar, dass sie Gerüchte und Spekulationen nicht kommentieren. Dafür stellten sie heraus, dass sie über "eines der umfangreichsten und diversifiziertesten Portfolios der Branche, innovative Dienstleistungen und Technologien sowie eine große und wachsende Gemeinschaft engagierter Akteure" verfügen würden.

Ubisoft war schon des Öfteren ein Übernahmeziel, konnte aber die Versuche von Electronic Arts (2004) und Vivendi (2018) verhindern. Den letzten Übernahmeversuch vereitelte die Guillemot-Familie durch die Erhöhung der eigenen Aktienanteile und Beteiligungen von externen Partnern, darunter eine Fünf-Prozent-Beteiligung von Tencent sowie eine 3,6-Prozent-Beteiligung von dem kanadischen Pensionsfonds "Ontario Teachers' Pension Plan". Dennoch ließ Yves Guillemot im Februar 2022 durchblicken, dass sie eine Übernahme nicht prinzipiell ausschließen. Damals sagte er: "Wenn es ein Kaufangebot geben würde, würde der Vorstand dieses selbstverständlich im Interesse aller Anteilseigner prüfen". Daher glauben einige Ubisoft-Mitarbeiter:innen laut Kotaku, dass der CEO nach einer Exit-Strategie sucht.

Fazit: Die Konsolidierungswelle ist nicht vorbei und auch größere Player dürfen nach Activision Blizzard und Zynga nicht automatisch ausgeschlossen werden. Dennoch ist es zu früh, Ubisoft als nächstes Übernahmeziel zu benennen. Einerseits stecken die Bemühungen der Private-Equity-Unternehmen noch in den Kinderschuhen und andererseits hat die Guillemot-Familie einen beträchtlichen Burggraben ausgehoben, den es überwinden gilt. Es gilt also zunächst ihre Zustimmung zu gewinnen und da sich Yves Guillemot nicht partout gegen eine Akquise ausgesprochen hat, dürfte es vor allem auf das Unternehmen ankommen, das sich interessiert zeigt.