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MitarbeiterInnen von Raven Software gründen Gewerkschaft

Die QA-MitarbeiterInnen von Raven Software haben eine Gewerkschaft gegründet und bitten Activision Blizzard um die freiwillige Anerkennung der "Game Workers Alliance". Es sind die ersten Beschäftigten des Publishers, die sich gewerkschaftlich organisieren.

24.01.2022 12:10 • von
Die QA-MitarbeiterInnen von Raven Software haben die erste Gewerkschaft innerhalb von Activision Blizzard gegründet. (Bild: Raven Software)

Die MitarbeiterInnen aus dem Bereich der Qualitätssicherung von Raven Software, einer Tochtergesellschaft von Activision Blizzard, haben für die Gründung einer Gewerkschaft gestimmt. 78 Prozent der QA-MitarbeiterInnen hätten sich für die Gründung ausgesprochen, berichtet Polygon. Sie haben sich der Gewerkschaft "Communication Workers of America" (CWA) angeschlossen und die "Game Workers Alliance" (GWA) gegründet. Es ist die erste Gruppe von Beschäftigten, die sich bei Activision Blizzard gewerkschaftlich organisiert hat. Raven Software ist hauptsächlich für die Inhalte und den Live-Betrieb von "Call of Duty: Warzone" verantwortlich.

Becka Aigner, QA-Testerin bei Raven Software, erklärt in einer Pressemitteilung der CWA. "In der Videospielindustrie, insbesondere bei Raven QA, sind die Beschäftigten mit Leidenschaft bei ihrer Arbeit und den Inhalten, die sie erstellen. Wir wollen sicherstellen, dass sich diese Leidenschaft auch an unserem Arbeitsplatz und in den von uns erstellten Inhalten widerspiegelt. Unsere Gewerkschaft ist der Weg, wie unsere kollektiven Stimmen von der Führung gehört werden können."

Die Gründung der Game Workers Alliance erfolgte während des Streiks der QA-MitarbeiterInnen. Seit dem 6. Dezember 2021 legten mehr als 60 MitarbeiterInnen von Raven Software aus Protest ihre Arbeit nieder, nachdem Activision Blizzard zwölf QA-TesterInnen des Studios entlassen hatte. Activision Blizzard hat bis heute nicht auf die Forderungen der ArbeiterInnen reagiert. Der Raven-QA-Streik ist die dritte Arbeitsniederlegung bei dem Publisher seit Juli 2021 - seit der anhaltenden Prozesse gegen Activision Blizzard über sexuelle Belästigung und des vielfachen Fehlverhaltens am Arbeitsplatz.

Nach der Gründung der Gewerkschaft hat die Arbeitnehmervertretung "A Better ABK" das vorläufige Ende des fast zweimonatigen Streiks der QA-Mitarbeiter von Raven angekündigt - als Zeichen des guten Willens, heißt es. Die GWA hat Activision Blizzard eine Frist bis zum 25. Januar 2022 für die freiwillige Anerkennung der Gewerkschaft gesetzt. Sollte der Publisher diese Frist verstreichen lassen, soll die Anerkennung mit allen zulässigen Mitteln erzwungen werden.

"Wir fordern die Geschäftsführung von Activision Blizzard auf, die Raven-QA-Beschäftigten zu respektieren, indem sie die CWA-Vertretung freiwillig und ohne zu zögern anerkennt", fordert Sara Steffens von der Communications Workers of America. "Ein Tarifvertrag wird den Raven-QA-Mitarbeitern eine wichtige Stimme bei der Ausübung ihrer Tätigkeit geben, die von ihnen produzierten Spiele verbessern und das Unternehmen stärken. Eine freiwillige Anerkennung ist der vernünftige Weg nach vorn."

Auch Activision Blizzard hat eine Erklärung zum Antrag der Game Workers Alliance auf freiwillige Anerkennung abgegeben. Demnach würde das Unternehmen den Antrag "sorgfältig prüfen". In der Stellungnahme wurde auch hervorgehoben, dass sich nur etwa drei Dutzend von fast 10.000 MitarbeiterInnen gewerkschaftlich organisieren würden.

Das Unternehmen erklärte gegenüber Polygon: "Während wir glauben, dass eine direkte Beziehung zwischen dem Unternehmen und seinen MitarbeiterInnen die besten Chancen für die Belegschaft bietet, respektieren wir zutiefst die Rechte aller MitarbeiterInnen, die sie laut Gesetz haben, ihre eigenen Entscheidungen darüber zu treffen, ob sie einer Gewerkschaft beitreten wollen oder nicht. Bei Activision Blizzard konzentrieren wir uns weiterhin darauf, unseren MitarbeiterInnen genau zuzuhören und ihnen bessere Gehälter, Sozialleistungen und berufliche Möglichkeiten zu bieten, um die besten Talente der Welt anzuziehen und zu halten. In den letzten Jahren haben wir u.a. die Mindestvergütung für Raven QA-Mitarbeiter um 41% erhöht, die bezahlte Urlaubszeit ausgeweitet, den Zugang zu medizinischen Leistungen für MitarbeiterInnen und Lebenspartner verbessert und mehr als 60% der befristeten Raven-QA-Mitarbeiter in Vollzeitbeschäftigte umgewandelt."

Anfang der letzten Woche hatte Activision Blizzard der US-Börsenaufsichtsbehörde gemäß der The Washington Post noch mitgeteilt, dass sie nichts von einem Streik oder einer anstehenden Gewerkschaftsaktivität im Unternehmen gewusst hätten.