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Activision Blizzard/Microsoft: War's das, oder war das erst der Anfang?

Das neue Jahr ist jung und hat doch schon eine Sensation: Microsoft kauft Activision. Die Frage ist nur, ob die aktuelle Marktkonsolidierung damit ihren Höhepunkt erreicht hat. Ein Kommentar von Stephan Steininger.

18.01.2022 17:58 • von Stephan Steininger

Es gibt Sätze, die klingen ausgelutscht. "Content is king", zum Beispiel, oder "Software sells Hardware". Das dumme an diesen Sätzen ist jedoch, sie sind wahr. Inhalte, im Fall der Gamesbranche eben Computer- und Videospiele sowie Mobile Games, sind essenziell für jede Spieleplattform. Fehlt es an Games, bleibt der Erfolg aus.

Microsoft kann davon ein Lied singen. Keine der bis heute erschienenen vier Xbox-Generationen war schlecht. Im Gegenteil, oft war die Xbox das technisch führende Gerät. Und doch verkauften sich PlayStation 2 und Wii, PlayStation 4 und Switch besser. Die Konkurrenz hatte einfach mehr Exklusivtitel und die gaben bei der Kaufentscheidung den Ausschlag.

Gut, Nintendo ist hier sicher ein schlechter Gradmesser. The Big N ist Meister darin, die beliebte Riege an Charakteren angeführt von Mario in Iterationsschleifen auf jeder Gerätegeneration zu vermarkten. Selbst Disney könnte sich da noch etwas abgucken.

Sony Interactive Entertainment baut hingegen auf ein Vierteljahrhundert kluge Sortimentspolitik. Über die Jahre haben sich die PlayStation-Macher ein Netzwerk von Drittentwicklern gesichert, bei denen man notfalls auch unternehmerisch einstieg, falls es mal eine Durststrecke zu überwinden galt.

Microsoft hatte beim Start der Xbox ähnlich begonnen. Auch der US-Konzern schloss enge Partnerschaften und baute sich ein eigenes Dev-Studio-Netz auf. Manch einer erinnert sich, dass damals sogar eine Übernahme Segas im Raum stand.

Doch mit neuem Führungspersonal kam auch eine neue Content-Strategie. Man wollte sich mit der Rolle als "beste Plattform für Third-Partys" begnügen. Wie ich vor knapp 15 Monaten schrieb, als Micorosoft Bethesda/ZeniMax kaufte, war das nicht genug. Third-Party-Spiele sind eben keinen Systemseller.

Apropos ZeniMax/Bethesda: Der Deal im Herbst 2020 sorgte damals für große Augen in der Branche. Nach dem Activision-Coup weiß man jedoch, das war nur das Vorspiel. Und selbst nach der Mega-Übernahme von Activision Blizzard ist unsicher, ob die aktuelle Konsolidierungsphase damit ihren Höhepunkt erreicht hat oder ob ähnlich wie bei Corona die nächste höhere Welle hinter der nächsten Ecke wartet. Interessante Content-Lieferanten gibt es viele. Electronic Arts und Ubisoft zum Beispiel. Oder Take Two und die Embracer Group.

Gleiches gilt für potenzielle Interessenten. Apple, Google, Facebook, Amazon - sie alle hätten das nötige Spielgeld, um Milliardenübernahmen zu stemmen. Nur ob sie das wollen, ist eine andere Frage. Auf der anderen Seite findet die vielleicht noch wichtigere Konsolidierung ohnehin in der zweiten Reihe statt. Ob nun der Team17-astragon-Kauf oder die Thunderful-Headup-Übernahme, dort entstehen gerade womöglich die Majors von Morgen. Vorausgesetzt natürlich sie werden nicht selbst gekauft, so wie Codemasters von Electronic Arts, Zynga von Take-Two oder Saber Interactive von Embracer.

Doch egal wie es in Sachen Marktkonzentration kurzfristig weitergeht, eines wurde durch den Activision-Microsoft-Deal deutlich: Die VerbraucherInnen stehen auch im Gaming über kurz oder lang vor der Entscheidung, auf bestimmte Games zu verzichten oder für mehr als eine Plattform zu bezahlen.

Das ist auf den ersten Blick nicht tragisch. Im Filmbereich gedeihen Netflix, Prime & Co. ja auch gut nebeneinander. Langfristig dürfte dies jedoch die Gretchenfrage im Entertainment-Business werden. Denn selbst wenn genügend Geld vorhanden wäre, das Zeitbudget ist und bleibt limitiert. Und da stehen am Ende Spieledienste, Streaming-Portale, Mobile-Plattformen und Social-Media-Netzwerke medienübergreifend in Konkurrenz. Will heißen: Die nächste Konsolidierungsphase kommt bestimmt.