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Interview: Weitere Evolution beim DCP

Mitte Dezember startet die Einreichphase für den Deutschen Computerspielpreis (DCP), bei dem auch eine überarbeitete Vereinbarung zur Vergabe der Ausrichter greift. Im Interview erklären die beiden für den DCP zuständigen game-Vorstände Stefan Marcinek und Lars Janssen sowie die Projektverantwortliche Maren Raabe, was beim Preis neu ist.

17.12.2021 09:37 • von Stephan Steininger
Maren Raabe, Leiterin politische Kommunikation beim game, mit den beiden für den DCP zuständigen Vorständen Stefan Marcinek (Assemble Entertainment, l.) und Lars Janssen (Koch Media) (Bild: game)

GamesMarkt: Was sind die großen Neuerungen in der DCP-Vereinbarung?

Stefan Marcinek: Die neue Verein­barung zur Vergabe des Deutschen Computerspielpreises ist eher eine Weiterentwicklung als ein kompletter Umbau. Unser Ziel ist es nicht, den Preis jedes Jahr neu zu erfinden. Stattdessen wollen wir ihn dort zielgerichtet optimieren, wo wir das Potenzial sehen, den Preis noch besser machen zu können.

Lars Janssen: Und man darf nicht vergessen, dass wir den Deutschen Computerspielpreis 2020 bereits besonders stark weiterentwickelt haben. Trotzdem gibt es auch in diesem Jahr Änderungen. Ich finde das genau richtig, denn so können wir den Preis immer besser machen und lebendig halten.

Maren Raabe: Konkret gehören zu den Veränderungen beispielsweise die neue Kategorie "Bestes Live Game" oder die Umbenennung der Kategorie "Bestes Studio" in "Studio des Jahres". Wir haben nach den Erfahrungen in den vergangenen Jahren aber auch die Wahl zur "Spielerin/Spieler des Jahres" umgebaut, um hier einen faireren Wettbewerb zu ermöglichen. Neu ist zum Beispiel auch, dass Titel eingereicht werden können, die sich noch in einer Early-Access- oder Open-Beta-Phase befinden, aber dennoch aus Sicht ihrer Macherinnen und Macher bereits preiswürdig sein können. Mit diesen Neuerungen greifen wir auch wertvolles Feedback von Einreichenden und Jury auf.

GamesMarlt: Mit bestes "Live Game" gibt es eine komplett neue Kategorie. Welche Spiele fallen hierunter?

Marcinek: Es gibt in unserer Branche viele Titel von großartigen Games-­Entwicklern, die bereits seit vielen Jahren auf dem Markt sind und die immer wieder mit neuen Inhalten und großartigem Community-Management über eine lange Zeit Millionen Spielende begeistern. Bisher haben wir es beim Deutschen Computerspielpreis nicht geschafft, dass auch diese angemessen gewürdigt werden, da solche Spiele bisher nur nach dem Release die Chance hatten, ausgezeichnet zu werden. Mit der neuen Kategorie "Bestes Live Game" wollen wir auch diesen Dauerbrennern eine Bühne geben.

Statt des "Besten Studios" wird das "Studio des Jahres" ausgezeichnet. Was ist der Unterschied?

Janssen: Bislang konnte nur aus allen Studios ausgewählt werden, die auch einen aktuellen Titel eingereicht haben. Aber in der Kategorie "Studio des Jahres" soll nicht nur einfach der aktuelle Titel des Entwickler-Studios im Mittelpunkt stehen, sondern eine größere Vielfalt an Aspekten berücksichtigt werden. Dazu kann beispielsweise die Qualität als Arbeitgeber gehören, der allgemeine Unternehmenserfolg oder auch so­ziales und gesellschaftliches Enga­gement. Denn es gibt zahlreiche Studios, die sich in ganz unterschiedlichen Bereichen stark einbringen und Verantwortung übernehmen. Genau das wollen wir künftig besser wür­digen und noch sichtbarer machen.

In der Kategorie "Spielerin/Spieler des Jahres" wurde der Wahlprozess verändert. Wie sieht er jetzt aus und warum?

Raabe: In der Kategorie "Spielerin/Spieler des Jahres" hatten wir in den vergangenen zwei Jahren fantastische Nominierte. Das allein zeigt schon, was für eine großartige Ergänzung sie ist. Denn Games leben von ihren Communitys und vom sozialen Moment und das zeigt auch diese Kategorie. Wir haben für 2022 die Abstimmung überarbeitet: So legt sich die Fachjury zunächst wieder auf drei bis maximal fünf Nominierte fest. Diese werden dann aber sowohl der Hauptjury als auch der Community vorgelegt. Die oder der von der Jury am meisten gewählte Nominierte erhält 12 Punkte, für den zweiten Platz gibt es 10 Punkte und so weiter. Ähnlich stimmt auch die Community ab: Je nach Platzierung gibt es hier bis zu 13 Punkte. Also frei nach dem ESC-Motto "Germany, twelve points". Damit beziehen wir die Community auf eine ganz neue Weise ein und beteiligen trotzdem auch die Jury.

In der Vereinbarung findet sich der neue Satz "Geschäftsmodelle haben grundsätzlich keine Relevanz für die Preiswürdigkeit eines Spiels". Warum habt ihr den aufgenommen?

Janssen: Die Gamesbranche entwickelt auch Geschäftsmodelle immer weiter. Besonders erfolgreich ist das Free-to-Play-Modell geworden. Solche Spiele sind nicht nur besonders beliebt, sondern das Modell wird längst auch von anderen Wirtschaftszweigen kopiert. Als game haben wir zum Beispiel im Rahmen der gamescom 2021 auf diese Erfolgsgeschichte mit dem Trend "Mehr Games für weniger Geld" aufmerksam gemacht. Leider halten sich weiterhin Vorurteile gegenüber Free-to-Play-Spielen, die allerdings unbegründet sind, wenn sie pauschal geäußert werden. Uns ist deshalb besonders wichtig, dass jeder Titel in den Jury-Sitzungen zunächst unvoreingenommen und gleichberechtigt bewertet wird. Natürlich kann sich die Jury im Bewertungsprozess die Free-to-Play-Mechaniken der Titel genauer anschauen und dabei auch darüber diskutieren, ob diese spezielle Ausgestaltung besonders auszeichnungswürdig ist oder eher nicht. Wir wollen nur klarstellen, dass keine Titel grundsätzlich bei der Bewertung schlechter gestellt werden dürfen, weil sie auf ein bestimmtes Geschäftsmodell setzen.

Nach zwei erfolgreich digital durchgeführten Verleihungen: Wird es in Zukunft hybride Preisverleihungen geben?

Marcinek: Die Corona-Pandemie hat uns nun schon zwei Mal dazu gezwungen, auf eine digitale Verleihung auszuweichen. Und so ärgerlich es auch ist, dass damit das gemeinsame Feiern der Gewinnerinnen und Gewinner sowie das Networking ein wenig verloren gegangen sind, waren die digitalen Verleihungen des Deutschen Computerspielpreises in den beiden Corona-Jahren wirklich gelungen. Darum wird es in Zukunft darum gehen, das Beste aus beiden Welten zusammenzubringen. Ob die weiterhin anhaltende Corona-Pandemie das schon 2022 zulässt, ist eher fraglich. Aber spätestens ab 2023 wollen wir auf die Stärken der digitalen Verleihung aufsetzen und gleichzeitig die Preisträger in einer würdigen Verleihung gemeinsam mit der Branche vor Ort feiern und ehren.

In der vergangenen Legislatur­periode hat sich der DCP ordentlich weiterentwickelt. Welche Schritte sind für die nächsten 4 Jahre zu erwarten und wo wird der DCP künftig angesiedelt sein?

Raabe: Der Deutsche Computerspielpreis steht heute gut da und ist ein wichtiges Schaufenster für den deutschen Games-Standort. Mit Blick auf die Förderung und die Potenziale der deutschen Gamesbranche muss sich der Preis in den kommenden Jahren aber immer weiterentwickeln. Auch aus der Verleihung 2019 haben wir einiges lernen können und den Preis so zusammen mit unseren Partnern aus der Politik gut und glaubwürdig vorangebracht. Er bildet eine Bühne für die groß­artigen Games aus Deutschland und ehrt ihre Macherinnen und Macher in einem würdigen Rahmen. Gleichzeitig konnten wir den Deutschen Computerspielpreis im Bereich der Nachwuchsförderung deutlich besser aufstellen und auch die Reichweite ist gestiegen - nicht zuletzt digital, denn in den beiden Corona-Jahren konnten wir hierauf einen Schwerpunkt setzen. Diese positive Entwicklung wollen wir auch in der neuen Legislaturperiode weiter vorantreiben. Besonders wichtig wird hierbei die erfolgreiche Verschmelzung von digitalem und Vor-Ort-Event. Das Beste aus beiden Welten zu kombinieren, wird die Verleihung des Deutschen Computerspielpreis konzeptionell komplexer werden lassen. Aber ich denke, dass der Preis diese Weiterentwicklung braucht und er am Ende davon stark profitieren wird.