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Ubisoft startet Blockchain-Experiment

Mit Ubisoft Quartz will der französische Gameskonzern erstmals Blockchain und NFTs für seine Spiele nutzen. Dafür werden drei sogenannte Digits in begrenzter Stückzahl für "Tom Clancy's Ghost Recon Breakpoint" auf PC veröffentlicht. Doch das ist erst der Anfang.

07.12.2021 18:00 • von Valentin Masszi
Über Ubisoft Quartz erhalten NutzerInnen zum Start Zugriff auf drei jeweils limitierte "Digits". (Bild: Ubisoft)

Seit vier Jahren arbeitet das Strategic Innovation Lab von Ubisoft bereits an der Implementierung von Blockchain in das Ökosystem des Konzerns. Nun gibt es auch für die UserInnen erste Ergebnisse zu sehen. Am 9. Dezember startet mit Ubisoft Quartz eine Plattform für den Handel von NFTs für Ubisoft-Spiele in die Beta-Phase. Neben den USA, Kanada, Spanien, Frankreich, Italien, Belgien, Australien und Brasilien wird Ubisoft Quartz auch in Deutschland nutzbar. Als NFTs (Non-Fungible Token) nutzt Ubisoft die sogenannten "Digits". Dabei handelt es sich zunächst um eine jeweils limitierte Anzahl von drei unterschiedlichen kosmetischen In-game-Gegenständen für die PC-Version von "Tom Clancy's Ghost Recon Breakpoint", ein Helm, eine Hose und eine Waffenskin.

Diese sind kostenlos ab dem 9., dem 12. und dem 15. Dezember verfügbar. Allerdings müssen Interessierte, die Digits erhalten wollen, zuvor einige Bedingungen erfüllen: 1. "Breakpoint" muss auf einem Windows PC mit Verbindung zu Ubisoft Connect im Besitz sein, 2. SpielerInnen müssen dort mindestens Level 5 erreicht haben und 3. ein Mindestalter von 18 Jahren ist vorausgesetzt.

Um Ubisoft Quartz nutzen zu können, braucht es zudem einen Ubisoft-Account, mit dem man sich bei der Plattform anmelden kann, sowie die Einrichtung eines Crypto-Wallets. Ist all das erfüllt, kann man je eines der limitierten Items für sich beanspruchen, mehr lässt der Dienst nicht zu. Diese können dann gehandelt werden, jeweils mit dem von Blockchain bekannten Zertifikat zu aktuellen und vergangenen BesitzerInnen.

Die Pläne von Ubisoft bezüglich der Blockchain-Technologie reichen natürlich weiter, als es das vielleicht unspektakulär erscheinende In-Game-Item-Angebot zum jetzigen Launch vermuten lässt. So erklärt Nicolas Pouard, Vice President des Strategic Innovation Labs: "Unsere langfristigen Bemühungen haben zu der Einsicht geführt, wie der dezentralisierte Ansatz von Blockchain die SpielerInnen zu StakeholderInnen in unseren Games machen kann, und das auf eine für unsere Industrie nachhaltige Weise. Wir geben SpielerInnen so den Wert zurück in ihre Hände, den sie durch ihre Zeitinvestition, den Kauf von Items oder die von ihnen online erschaffenen Inhalte generieren."

Es wird klar: Ubisoft gibt mit dem Schritt einige Fäden aus der Hand, ermöglicht die Blockchain doch ein eigenes, in Teilen ausgelagertes Handelssystem. Und dabei endet es nicht, schließlich erlauben Prinzipien wie "Create to Earn" zahlreiche Möglichkeiten für alternative Wertschöpfungssysteme im Gamesbereich. Teils existieren derlei Modelle bereits, beispielsweise in Creator-Games wie Roblox, wo SpielerInnen - in der Theorie - mit ihren In-game-Leistungen Echtgeld-Gegenwerte erhalten. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf überrascht es dann auch weniger, wenn Pouard fortfährt: "Ubisoft Quartz ist der erste Baustein in unserer ambitionierten Vision, ein wirkliches Metaverse zu entwickeln." Nächstes Jahr sollen allerdings erst einmal weitere In-game-Items als "Digits" beziehungsweise NFTs folgen.

Beim unmittelbaren Aufbau des experimentellen Systems ist Ubisoft vor allem der Faktor Nachhaltigkeit wichtig: Quartz basiert auf der Blockchain Tezos, die anders als die vielerorts gebräuchlichen und oft bekannteren Bitcoin oder Ethereum, einen Fokus auf Energieeffizienz legt. Das sei "eine Schlüsselvoraussetzung, um die Blockchain-Technologie in eine Zukunft zu bringen, in der sie von einer breiten Masse an SpielerInnen genutzt wird", so Ubisofts Blockchain Technical Director Didier Genevois. Er führt aus: "Eine Transaktion auf diesem Netzwerk verbraucht dieselbe Menge an Energie wie das Streamen eines 30-Sekunden-Videos. Die vorige Generation von Blockchain-Netzwerken kann stattdessen dieselbe Energie verbrauchen wie sie für ein Jahr pausenloses Streaming notwendig ist."