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Wie lange kann sich Activision-CEO Bobby Kotick noch halten?

Nach Teilen der Belegschaft rumort es auch bei Investoren und Geschäftspartnern von Activision Blizzard. Die SOC Investment Group fordert den Rücktritt des Vorstands. Laut "Bloomberg" schalteten sich sogar die Chefs von PlayStation und Xbox per E-Mail ein. CEO-Kotick hat andererseits schon bewiesen, dass er sich nicht so leicht aufs Abstellgleis bugsieren lässt.

19.11.2021 13:50 • von Stephan Steininger
Der Druck auf Activision Blizzard Chef Robert "Bobby" Kotick wächst (Bild: Screenshot/Activision)

Der Druck auf Activision-Blizzard-Chef Robert "Bobby" Kotick wächst weiter. Die Stimmen derer, die auch personelle Konsequenzen fordern, werden lauter. Anlass war und ist nach wie vor ein Artikel des "Wall Street Journal". Das wirft Kotick vor, vom Fehlverhalten einiger Führungskräfte bei Activision Blizzard viel früher und umfangreicher gewusst zu haben, als er selbst zugab. Das "WSJ" wirft ihm sogar vor, Beschuldigte geschützt und in mindestens einem Fall selbst ausfallend geworden zu sein. Als daraufhin einige ehemalige und aktuelle MitarbeiterInnen seinen Rücktritt forderten, stärkte das Board of Directors, dem Kotick selbst angehört, öffentlich den Rücken.

Doch damit könnte es bald vorbei sein. Mit der SOC Investment Group hat erstmals auch ein Investor Konsequenzen verlangt, und zwar personeller Natur. In einem offenen Brief beklagt die SOC das Schweigen des Management-Boards, obwohl man einer beispiellosen und vor allem selbstverschuldeten Krise gegenüberstehe. Ferner ist die SOC pikiert, weil Kotick entgegen früherer Aussagen eben doch im Bilde über die Vorgänge bei dem US-Publisher war. "Wir fordern daher Herrn Kotick auf, von seinem Amt als CEO des Unternehmens zurückzutreten, und den Vorstand, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass er nicht erkannt hat, was die kalifornische Behörde für faire Beschäftigung und Wohnungswesen als "frat-boy"-Arbeitskultur beschrieben hat", heißt es in dem Brief.

Damit nicht genug fordern offenbar auch wichtige Geschäftspartner von Activision Blizzard Aufklärung. So berichtet die US-Nachrichtenagentur Bloomberg von E-Mails, die angeblich Sony-PlayStation-Chef Jim Ryan und Microsoft-Xbox-Chef Phil Spencer unabhängig voneinander an Activision Blizzard geschrieben haben sollen. Es sollen Worte wie "entmutigt", "verstört" und "zutiefst beunruhigt" gefallen sein.

Bestätigt wurden diese E-Mails nicht, aber sie erscheinen durchaus wahrscheinlich, da die Branche nicht zuletzt durch der "Gamergate"-Kontroverse sehr für den Themenkomplex Diversität, Diskriminierung und Belästigung am Arbeitsplatz sensibilisiert wurde. Obwohl mit Selbstkritik nicht gespart wird und die Branche erkennbare Fortschritte erzielte, zeigen Fälle wie Activision Blizzard jedoch, dass Diskriminierung, Sexismus und Belästigung keineswegs verschwunden sind.

Ob es im Fall von Activision Blizzard tatsächlich zum ersten Rücktritt oder Rausschmiss eines CEOs eines internationalen Majors kommt, bleibt abzuwarten. Kotick ist jedenfalls nicht gerade bekannt dafür, klein beizugeben. Selbst die einstige Mehrheitseignerin Vivendi wollte Kotick einst entlassen. Am Ende setzte sich jedoch Kotick durch. Vivendi verkaufte seine Anteile an einen von Kotick geführten Investorenkreis. Die gescheiterte Übernahme spricht ebenfalls gegen einen Abgang von Kotick. Über die von ihm und Chairman Brian Kelly, der laut SOC Investment gleich mit abtreten soll, geführte Investmentfirma ASAC II LLP hat er die Kontrolle über 25 Prozent der Anteile. Ohne Kotick und Kelly geht also nichts bei Activision Blizzard.

Exakt den gleichen Anteil hielten Kotick und Kelly übrigens 1990, nachdem sie das damals vorübergehend Mediagenic getaufte Unternehmen kauften, das später als Activision an die Börse ging. Auch damals stemmten sie die Übernahme zum Großteil mit Hilfe von Investoren, unter anderem Steve Wynn, der sein Geld mit besonderen Immobilien machte. Wynn baute und betrieb unter anderem die weltbekannten Casinos "Bellagio" und "The Mirage" in Las Vegas. Er war auch die Vorlage für die Filmfigur "Willy Bank", die Al Pacino in "Oceans 13" verkörperte. 2018 trat Wynn von all seinen beruflichen und politischen Ämtern ab, er engagierte sich für die Republikanische Partei. Zuvor berichtete das "Wall Street Journal" von Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens gegen ihn. Er selbst beteuerte dabei stets seine Unschuld.