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Interview: My.games holt Philippe Sauze als Europachef

Mit Philippe Sauze hat sich My.games einen prominenten Branchenveteran als neuen Leiter der Europazentrale in Amsterdam an Bord geholt. Der ehemalige Manager von EA und Activision Blizzard soll das Publishinggeschäft stärken und My.games-Marktposition ausbauen, wie er im Interview mit GamesMarkt verrät.

11.10.2021 15:03 • von Stephan Steininger
Philippe Sauze wird neuer Head of My.games Europe (Bild: My.games)

My.games hat mit Philippe Sauze einen neuen Europachef vorgestellt, der in der europäischen Gamesbranche kein Unbekannter ist. Sauze war zuletzt Head of Activision Blizzard EMEA. Zuvor stand er viele Jahre bei Electronic Arts in der Verantwortung und war auch Präsident des französischen Branchenverbands SELL. Als Head of My.games Europe wird Sauze die Europastrategie des Publishers vorantreiben und den Kontakt zur europäischen, aber auch globalen Development-Community intensivieren. Im Interview mit GamesMarkt spricht Sauze über seine Motivation nach Stationen bei EA und Activision zu einem kleineren, agileren Unternehme zu wechseln, seine Ziele mit My.games und was die Majors von Firmen wie My.games lernen können.

GamesMarkt: Sie arbeiteten viele Jahre für etablierte Unternehmen wie Electronic Arts und Activision Blizzard. Was reizt Sie an dem Wechsel zu My.games, das trotz seiner Herkunft und seines Mutterkonzerns eher ein mittelständisches, aber agileres Unternehmen ist?

Philippe Sauze: Meiner Meinung nach verfügt My.games heute über eine Reihe ausgeprägter Stärken, von denen ich einige hervorheben möchte: Expertise in der Spieleentwicklung für alle Plattformen - von mobilen Geräten bis hin zu Next-Gen-Konsolen, Liebe zur kreativen Seite in der Spieleentwicklung sowie enorme Erfahrung im Betrieb von Spielen - langfristiger Support und Promotion. My.games hat derzeit mehr als 80 Spiele in Betrieb, und viele davon werden schon seit sehr langer Zeit unterstützt und entwickelt.

Ich habe den Eindruck, dass es immer interessanter ist, in solchen Unternehmen zu arbeiten. Sie sind ehrgeizig, voller Ideen und entschlossen, die Welt zu erobern. Außerdem ist My.games ein Unternehmen, das im Westen noch nicht so bekannt ist, aber trotzdem über viel Erfahrung und Wissen in der Entwicklung und Veröffentlichung von Spielen verfügt. Es hat einen Produktkatalog, mit dem es interessant ist, zu arbeiten. Und was am wichtigsten ist: Das Unternehmen hat enormes Potenzial. Ich kommunizierte schon lange vor meinem Eintritt in das Unternehmen mit dem My.games-Team und konnte so eine Menge über die Entwicklungspläne, die Unternehmenskultur und die Kernwerte der Unternehmens erfahren. Was ich hörte, hat mir gefallen. Ich bin überzeugt, dass My.games in naher Zukunft ein vielversprechendes Wachstum haben wird, und ich werde alles tun, um das Unternehmen auf dem Markt erfolgreich zu machen.

GM: Was sind Ihre kurz- bis mittelfristigen Pläne für My.Games in Europa?

Sauze: Oberste Priorität ist, mich so schnell wie möglich in die Struktur zu integrieren, das Team kennen zu lernen, alle internen Prozesse zu verstehen und dann weitere Prioritäten zu setzen und eine Strategie zu entwickeln.

Mittelfristig kann ich sagen, dass der Fokus auf dem Wachstum der aktuellen PC-Spiele - "Warface", "Skyforge" und "Conqueror's Blade" - in Europa liegen wird, aber auch auf der Einführung neuer Projekte wie "Blast Brigade" und "World War 3". Beide Spiele erscheinen in Kürze, und wir planen sie im Markt dem Zielpublikum zu präsentieren.

Wenn wir von der langfristigen Strategie sprechen, ist es mein Ziel, die Position von My.games in Europa deutlich zu stärken. Märkte wie Großbritannien, Frankreich und Deutschland zählen bereits zu den Top-Märkte für das Unternehmen, aber wir haben immer noch ein enormes Wachstumspotenzial sowie eine dynamische Pipeline an neuen Produkten und Content-Updates, so dass unser nächstes langfristiges Ziel darin besteht, die Produkte des Unternehmens bei den europäischen Spielern noch gefragter zu machen.

GM: Wie haben Sie die Veränderungen auf dem Markt in den letzten Jahren und die damit verbundenen Veränderungen in den Spieleunternehmen - sowohl bei den Publishern als auch bei den Entwicklern - erlebt?

Sauze: Ich persönlich habe diese Marktentwicklung positiv erlebt, eröffnet sie doch Publishern wie Entwicklungsstudios große Chancen. Für die Publisher schuf die Umstellung auf die Digitalvermarktung beispielsweise die Möglichkeit, die Beziehung zu den VerbraucherInnen zu intensivieren, die Anzahl der Märkte zu erweitern und gleichzeitig das Gewicht ihres Franchise zu verstärken. Das Wachstum der Märkte, insbesondere des Mobile-Games-Markts, führte zu einer Vervielfachung der Entwicklungsstudios und erlaubte diesen schnell zu wachsen, während sie zugleich eine bessere Sichtbarkeit und Geschäftsmöglichkeiten erhielten.

GM:Was können Unternehmen wie EA oder Activision von Unternehmen wie My.Games lernen?

Sauze: Als schnell wachsendes Unternehmen auf dem Markt, das sich der ganzen Welt bekannt machen will, versteht My.games sehr genau, in welche Richtung sich der Markt bewegt. Das spiegelt sich buchstäblich in vielen Aspekten der Unternehmensphilosophie wider. So setzt das Unternehmen beispielsweise auf die Diversifizierung seines Produktkatalogs in Bezug auf die Vielfalt an Genres und Plattformen, auf denen die Spiele präsent sind. Dadurch kann My.games Genre- und Plattform-Nischen schnell besetzen, die hier und jetzt gefragt sind. Zudem werden Risiken vermieden, welche sonst mit der schweren Vorhersehbarkeit des Produkterfolgs verbunden sind.

Jedes der 13 internen Studios des Unternehmens hat seine eigene Erfahrung und seinen eigenen Geschmack - es kennt sein Produktsegment und sein Genre gut, in dem es seit langem arbeitet. Dies ermöglicht es dem Unternehmen, in einem so dynamischen Markt wie dem der Spiele selbstbewusst voranzugehen.Schließlich gibt es einen weiteren wichtigen Aspekt: die Schnelligkeit der Entscheidungsfindung. Wenn ein Unternehmen in einer bestimmten Nische Potenzial sieht, geht es dorthin. Diese Flexibilität ermöglicht es, sich nach der Bewertung des Potenzials eines bestimmten Trends schnell darauf zu konzentrieren oder, im Gegenteil, die Idee fallen zu lassen, noch bevor die Investitionen in diesem Bereich kolossale Kosten verursachten. In Anbetracht der Dynamik der Branche ermöglicht diese Flexibilität, wichtige Entscheidungen rechtzeitig zu treffen und die Prozesse im Rahmen der Marktrealitäten zu optimieren.

GM: Sie waren Präsident des französischen Branchenverbandes SELL. Auch heute noch wird die Verbandsarbeit vor allem von den "alten" Spieleunternehmen geleistet. Sollten sich Ihrer Meinung nach die "neuen" Marktteilnehmer stärker einbringen, damit auch die "neuen Themen" angegangen werden?

Sauze: Es ist schon eine lange Zeit her was SELL betrifft (lacht).... aber ich habe ihr Handeln sehr aufmerksam verfolgt, das für mich durchaus im Einklang mit den oben genannten Marktentwicklungen steht. Die "alten" Spielefirmen, wie Sie diese nennen, sind und bleiben die Säulen und die Basis dieser Art von Verband. Dieser Punkt ist grundlegend. Ich nehme aber auch ei positive Entwicklung war, dass neuere Unternehmen hinzukommen, die repräsentativ für die aktuellen und zukünftigen Trends stehen. Ich glaube es ist notwendig, eine gute Mischung im Verband zu haben, weil die Themen für alle wichtig sind. Und genau das ist meiner Meinung auch derzeit der Fall.