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Update: Geld und Exklusivität Schuld am Streit zwischen EA und FIFA

Electronic Arts' öffentliche Gedankenspiele den Namen seiner Top-Fußball-Spielmarke "FIFA" zu ändern und das Abkommen mit dem Weltfußballverband nicht zu verlängern schlagen auch medial hohe Wellen. Die "New York Times" berichtet unter Berufung auf Quellen nahe dem Verhandlungstisch, dass die FIFA ihre Lizenzeinnahmen gerne verdoppelt sähe. Gleichzeitig wolle man die Tür für andere Lizenzabkommen öffnen.

07.10.2021 12:44 • von Stephan Steininger
Update vom 14. Oktober 2021:

Unter Berufung auf Quellen, die mit den Verhandlungen vertraut sind, greift die "New York Times" den Streit zwischen Electronic Arts und des Weltfußballverbands FIFA auf und bringt zwei wesentliche Gründe für die Meinungsverschiedenheit ans Tageslicht.

In erster Linie gehe es wohl ums Geld, so das Fazit der "NYT". Die Partnerschaft zwischen EA und der FIFA hätten nicht nur dazu geführt, dass Millionen Menschen weltweit beim Wort "FIFA" an ein Game denken und nicht an eine Fußballorganisation, es sei auch eine der lukrativsten Partnerschaften im Sport. Laut NYT habe die Spiele-Reihe in den vergangenen zwei Jahrzehnten über 20 Mrd. Dollar Umsatz generiert.

Die FIFA bekomme jährlich etwa 150 Millionen Dollar Lizenzgebühren ausgeschüttet, heißt es in dem Bericht weiter. Damit sei es der wertvollste Geschäftsvertrag für die FIFA. Und trotzdem sei es der Organisation nicht genug. Die FIFA wolle ihren Anteil mehr als verdoppeln will die NYT aus den zitierten Kreisen erfahren haben. Sie käme dann auf über eine Mrd. Dollar pro Vier-Jahres-Weltmeisterschafts-Zyklus.

Doch auch wenn die Höhe der Lizenzzahlungen der größte Streitpunkt sind, es ist wohl nicht der einzige. Es geht wohl auch um den Umfang der Lizenz. Hier will die FIFA die Exklusivität für EA limitieren. Es geht dabei um Zusatzinhalte, die nicht zwingend zum Kern eines Fußballspiel gehören wie beispielsweise In-Game-Features wie das Ultimate Team. Dies habe EA 1,2 Mrd. Dollar Umsatz eingebracht zitiert die NYT den Analysten Piers Harding-Rolls.

Die FIFA wolle diese Art von Digitallizenz von der Gamelizenz abspalten und möglicherweise separat vermarkten. Die NYT nennt hierbei Epic Games als Beispiel für einen solchen Alternativpartner. Für Peter Moore, ehemaliger Chef von EA Sports, den die Zeitung per Telefon zum Thema interviewte, wäre dies ein denkbarer Grund für den Streit. Wenn er erfahren würde, dass Epic sich quasi ins gemachte Nest setzen will, nachdem man über Jahre und für hunderte von Millionen Dollar eine Marke zum Synonym für Fußballspiele aufbaute, dann würde auch er dies mit allen Mitteln bekämpfen.Und genau danach sieht es im Moment aus. EA beantragte sowohl in den USA, als auch in Europa - unter anderem auch beim Deutschen Marken- und Patentamt - Markenschutz für ein Spiel namens "EA Sports FC".

Originalmeldung vom 7. Oktober 2021:

Es ist ein Blog-Beitrag, der es in sich hat. Cam Weber, Group General Manager von EA Sports, berichtet von über 9,1 Millionen "FIFA 22"-Spielenden, was angesichts der kurzen Zeit seit Release ein neuer Rekord wäre. Diese hätten bereits 460 Millionen Matches gespielt. So weit so gut.

Doch dann kommt der Hammer: So bestätigt Weber quasi beiläufig, dass EA mit Blick auf die Zukunft die Idee prüfen werde, die EA-Sports Fußballspiele umzubenennen. "Das bedeutet, dass wir unsere Vereinbarung über die Namensrechte mit der FIFA überprüfen, die von all unseren anderen offiziellen Partnerschaften und Lizenzen in der Fußballwelt getrennt ist", so Weber.

Die ungewöhnlichen Worte des General Managers kann man getrost als Teil von Verhandlungen einer Vertragsverlängerung sehen. Die 2013 zuletzt verlängerte Partnerschaft zwischen Electronic Arts und der FIFA endet am 31. Dezember 2022.

Dass EA diesen offensiven Schritt wagt hat auch mit veränderten Gegebenheiten im Fußball zu tun. Zu Beginn der Partnerschaft zwischen der FIFA und EA reichte der Vertrag - zusammen mit einer Einigung mit dem Athletenverband FIFPro aus - um quasi alle Namensrechte an Vereinen und Spielern zu haben. Lange Jahre war dies der große Vorteil der "FIFA"-Reihe gegenüber dem Mitbewerber "Pro Evolution Soccer" von Konami.

"Durch den jahrelangen Aufbau unserer globalen Franchise wissen wir auch, dass Authentizität für das Erlebnis entscheidend ist", sagt auch Weber. Doch das Einsammeln der Namensrechte ist längst nicht mehr so einfach. Kontinentalverbände, Landesverbände, Vereine und einzelne Spielerberater sitzen mit am Tisch und kochen zum Teil ihr eigenes Süppchen. Laut Weber hat EA heute 300 einzelne Lizenzpartner für FIFA und so Zugang auf 17.000 AthletInnen und 700 Teams in 100 Stadien und über 30 Ligen.

"Wir investieren kontinuierlich in die Partnerschaften und Lizenzen, die für die Spieler am bedeutsamsten sind", so Weber weiter. Aus diesem Grund sei "FIFA" der einzige Ort, an dem man authentisch in der Champions und Europa League der UEFA, aber auch der Premier League, der Bundesliga, LaLiga Santander und vielen anderen spielen könne.

Und Weber ergänzt: "Die Breite unserer Partnerschaften und unser Ökosystem an lizenzierten Inhalten wird es uns ermöglichen, unsere EA Sports-Fußballspiele jetzt und in den kommenden Jahren so authentisch wie nie zuvor zu gestalten." Anders gesagt: EA braucht die FIFA-Lizenz nicht, um die SpielerInnen, Teams, Stadien und Ligen in seinen Games zu verwenden.