Games

Kommentar: Wahlgewinner Gamesbranche?

Ampel oder Jamaika? Noch steht nicht fest, welche Koalition Deutschland in den nächsten vier Jahren regieren wird. Die Gamesbranche kann sich freuen, dass mit den Grünen und der FDP zwei Parteien Königsmacher sind, die sich klar zu ihr bekannten. Doch auch kleine Nuancen können große Unterschiede machen. Ein Kommentar von Stephan Steininger.

27.09.2021 13:10 • von Stephan Steininger
Team Rot oder Team Schwarz? Grüne und FDP müssen sich zwischen Ampel und Jamaika entscheiden (Bild: Symbolbild by GamesMarkt/Pikachu und Yoshi sind Charakter von Nintendo)

Eines war schon vor der Wahl klar: Egal wer gewinnt, Deutschland würde wohl kaum in Zeiten zurückfallen, in denen Games als Killerspiele gebrandmarkt wurden. Das gesamte Parteien-Spektrum bekannte sich mal mehr, mal weniger umfassend zu den Themen, die der Branche wichtig sind.

Dass mit den Grünen und der FDP nun jedoch zwei Parteien als Königsmacher gelten, die sich überdurchschnittlich für Digitalthemen im Allgemeinen und für Gamesthemen im Speziellen einsetzen, ist aus Sicht der Branche mehr als zu begrüßen. Entsprechend optimistisch dürfte das Team des game um Verbandschef Felix Falk auf die bevorstehenden Sondierungs- und späteren Koalitionsgespräche blicken.

Doch beim game weiß man nur zu gut: Auch Kleinigkeiten können große Unterschiede machen. Und selbst wenn es Themen in den Koalitionsvertrag schaffen, ist noch lange nicht gewiss, dass sie am Ende der Legislaturperiode auch umgesetzt sind. Siehe E-Sport-Anerkennung.

Angesichts der Aussagen der Parteien im Vorfeld der Wahl braucht man sich aber zumindest um die Förderung keine Sorgen machen. Hier dürfte es wohl eher zu einer Aufstockung der Preisgelder des DCP kommen und eine Verlängerung der Finanzierung der Bundesförderung scheint ebenfalls mehr als wahrscheinlich.

Auch das Thema E-Sport-Anerkennung dürfte mit der FDP und den Grünen in der Regierungsverantwortung an Fahrt gewinnen, wobei in einer Jamaika-Koalition sicher mehr Widerstand anderer Fachbereiche zu erwarten ist, als bei einer Ampel. Die Themen Ausbildung und Fachkräftemangel hingegen dürften egal in welcher Koalition konstruktiv angegangen werden.

Schon etwas schwieriger sieht es bei Themen wie Jugend- und Verbraucherschutz aus. Hier äußerten sich FDP und Grüne zwar nicht komplett konträr, tendenziell plädierte die FDP aber für mehr Freiwilligkeit der Branche während die Grünen für eine klareres, mitunter strengeres Reglement einstehen. In diesen Fragen könnte die jeweils Dritte im Bunde, die SPD oder die Union, das Zünglein an der Waage sein.

Doch auch wenn die Gamesbranche auf eine ihr grundsätzlich positiv gegenüberstehende Regierung hoffen darf, spannend sind die nächsten Wochen allemal. Denn die feinen Nuancen in der künftigen Gamespolitik hängen von den handelnden Personen ab. Und die sind völlig offen.

Selbst bei einer Jamaika-Koaltion wäre es beispielsweise keineswegs gewiss, dass Dorothee Bär Ministerin eines wahrscheinlich neu zu bildenden Digitalministeriums würde. Zwar wäre sie als bisherige Staatsministerin für Digitales und Mitglied im Kompetenzteam Armin Laschets die erste Wahl der Union, doch dass heißt nicht, dass FDP und Grüne mitziehen.

Zumal selbst die Ressortzuständigkeiten keineswegs gewiss sind. Das von Andreas Scheuer noch schnell eingerichtete Games-Referat im Verkehrsministerium ließe sich ebenso schnell ins Wirtschaftsministerium transferieren. Digitalisierung macht schließlich vor keiner Branche halt.

Selbst eine Rückführung der Zuständigkeit für Games ins Kanzleramt ist möglich. Der Deutsche Computerspielpreis wurde schließlich dort einst beim Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) Bernd Neumann aus der Taufe gehoben. Erst dessen Nachfolgerin Monika Grütters reichte den Preis dann an Dorothee Bär weiter, die damals noch als Staatssekretärin im Verkehrsministerium saß.

Wie Sie sehen ist noch alles möglich. Und wenn ich an dieser Stelle ein Gedankenspiel machen darf: Warum sollte nicht Felix Falk bei einer Ampel-Koalition zum neuen BKM ernannt werden und die Zuständigkeit für DCP und Bundesgamesförderung erhalten? Seinen Posten beim game müsste er dafür natürlich aufgeben, allerdings stehen mit Ina Göring, Elisabeth Secker oder Christian-Henner Hentsch genug potenzielle NachfolgerInnen parat, die in seine nicht gerade kleinen Fußstapfen hineinwachsen können.

Stephan Steininger, Chefredakteur GamesMarkt