Games

Wahlvorschau: Teil 3 - Fachkräftemangel

Eine turbulente Legislaturperiode geht zu Ende und die Zusammensetzung des neuen Bundestages wird auch erhebliche Auswirkungen auf die Branche haben. Daher lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die Ziele und Vorhaben der Parteien zu werfen. Im dritten Teil der Reihe geht es um Strategien gegen den Fachkräftemangel.

17.08.2021 10:19 • von Valentin Masszi
- (Bild: Deutscher Bundestag / Simone M. Neumann)

Am 26. September wird die Wahl zum 20. Deutschen Bundestag stattfinden. Einschneidende Veränderungen warten unweigerlich am Horizont, so wird Angela Merkel nach sechzehn Jahren und vier Wahlen nicht mehr Bundeskanzlerin sein, die Republik befindet sich in einer neuen Phase der schlimmsten Gesundheitskrise seit dem zweiten Weltkrieg und die Bevölkerung zieht nicht zuletzt Bilanz aus vier Jahren AfD im wichtigsten Gremium der deutschen Politik. Auch die Gamesbranche wird vom Wahlergebnis nicht unberührt bleiben. Das wird bereits bei einem Blick auf die zahlreichen Ziele und Wahlversprechen von VertreterInnen des gesamten Parteienspektrums sichtbar.

Zwar kann man auf Basis der Zusicherungen recht optimistisch auf die weitere Förderung schauen, doch steigert die wachsende Entwicklerlandschaft in Deutschland, unter anderem an­getrieben durch die Bundesförderung, auch ein altes Problem, den Mangel an Fachkräften. Primär lässt sich dem über zwei Strategien beikommen: Ausbildung und Anwerbung auslän­discher SpezialistInnen. Vor allem zu letzterem erhielt GamesMarkt unterschiedliche Antworten von den Parteien. Die Grünen etwa sagen: "Einwanderung in unser Land wollen wir mit der Einführung einer Talentkarte und einer schnelleren Anerkennung ausländischer Bildungs- und Berufsabschlüsse, auch wechselseitig in der EU erleichtern." Die Linke teilt diese Forderung nach verbesserter Abschluss­anerkennung und erweitert sie über die EU hinaus. CDU/CSU stehen ebenfalls hinter einem stärkerem interna­tionalen Austausch. "Darüber hinaus unterstützen wir den Vorschlag auf europäischer Ebene, ein neues Tech-Visums-Programm für hochqualifizierte Fachkräfte aufzusetzen", so die Schwesterparteien. Während die FDP schließlich ein neues Einwanderungsgesetz als Lösung sieht, das "der Mobilität der digitalen Wirtschaft entspricht", sagt AfD-Bundesvorstandsmitglied Paul: "Die AfD spricht sich dafür aus, dass hochqualifizierte Fachkräfte, die ihre Qualifikation nach­weisen können und in Deutschlan dringend gebraucht werden, in Deutschland arbeiten können. Vordringlich ist es, dafür zu sorgen, entsprechende Anträge (Visa o.ä.) schnell zu bearbeiten. Eine Gesetzesänderung, die den Zuzug generell erleichtert, lehnen wir ab. Grundsätzlich soll die Fachkräftegewinnung durch eine Verbesserung der Ausbildungssitua­tion hier in Deutschland erfolgen."

Dass Deutschland sein Ausbildungsangebot im Gamesbereich erweitern und vertiefen muss, sehen auch andere Parteien so. CDU/CSU, FDP und AfD etwa stimmen einem Ausbau der Games-bezogenen Studiengänge an staatlichen Universitäten zu. Dazu kommen teils spezifische weitere Vorschläge, so will die FDP erreichen, dass "die Prozesse und Abläufe zur Anerkennung beziehungsweise Entwicklung neuer Ausbildungslehrgänge und Berufe - wie zum Games-Desi­gner - vereinfacht und beschleunigt werden". Die Grünen wollen die Vermittlung von technischen Fähigkeiten steigern und: "Wir Grüne möchten die Chancen von Games auch im Kontext des Lernens in der digitalen Welt für Bildungseinrichtungen, Pädagogik und Jugendarbeit, unter anderem durch die Förderung der Entwicklung entsprechender, medienpädagogisch sinnvoller Spiele und Konzepte, stärker nutzbar machen." Die Linke wiederum will das Ausbildungswesen in Deutschland grundsätzlich reformieren und Auszubildenden unter an­derem eine höhere Vergütung und mehr Mitspracherechte verschaffen. Außerdem sollen mehr Lehrende eingestellt werden.

Unabhängig vom Wahlergebnis werden jegliche Maßnahmen vorerst jedoch Zeit kosten und so wird die Branche auch weiterhin erst einmal ohne staatliche Unterstützung Professionals heranziehen müssen. Langfristig wird sich schließlich zeigen, ob die jeweiligen Pläne der dann regierenden Parteien auch zum Tragen kommen.