Unternehmen

Ubisoft-Angestellte fordern mehr Aktion gegen misogyne Unternehmenskultur

In einem offenen Brief unterstützen Ubisoft-MitarbeiterInnen unter anderem die KollegInnen von Activision Blizzard, kritisieren unzureichenden Maßnahmen nach dem hauseigenen Skandal und fordern branchenweit fundamentale Veränderungen.

30.07.2021 15:40 • von Valentin Masszi

Im Lichte der starken Kritik an den sexistischen Verhältnissen bei Activision Blizzard, haben mehr als 500 MitarbeiterInnen von Ubisoft einen offenen Brief zur misogyn geprägten Kultur in vielen Unternehmen der Branche unterschrieben. Das berichtet Stephen Totilo von Axios. In dem Text stellen sich die Unterzeichnenden unter anderem hinter die Proteste gegen die Missbrauchskultur bei Activision Blizzard und stärken den Betroffenen den Rücken. Das sei nicht nur ein Problem, das bestimmte Firmen alleine beträfe, liest sich in dem Brief zudem, sondern ein tief in der Branche verwurzeltes.

Vor allem kritisieren sie auch den Umgang mit ähnlichen Verhältnissen im eigenen Haus. So war vor rund einem Jahr eine stark sexistisch geprägte Führungs- und Unternehmenskultur bei Ubisoft an die Öffentlichkeit gelangt. Zwar unternahm man Schritte dagegen, etwa die Einstellung einer Diversitätsbeauftragten, doch den Angestellten reicht dies dem Brief zufolge bei Weitem nicht. "Ihr müsst mehr tun. Das heißt nicht: mehr Training-Sessions, die von den Leuten ignoriert werden, die sie am dringendsten bräuchten. Und das heißt nicht: mehr Zusicherungen und nette Worte. Es bedeutet echte Konsequenzen. Der einzige Weg, etwas so tief Verwurzeltes zu reparieren, ist das Niederreißen der Säulen, die es tragen, ob durch aktive Teilnahme oder Unterstützung."

Im Nachgang zum Ubsioft-Skandal, fährt der Text fort, wären bloß die bekanntesten TäterInnen tatsächlich entlassen worden. Der Rest hätte selbst kündigen dürfen, wurde befördert und/oder versetzt. Der Brief fordert ein Ende dieses Kreislaufs. TäterInnen müssten aus dem Unternehmen entfernt werden, zusammen mit denen, die ihre Aktionen ermöglicht oder gebilligt hätten.

Um die Situation nachhaltig zu verbessern, fordern die Unterzeichnenden einen Regelkatalog für den Umgang mit derlei Berichten, auf den sich branchenweit in Zusammenarbeit geeinigt wird. "Diese Kollaboration muss MitarbeiterInnen in Non-Management-Positionen stark miteinbeziehen genauso wie GewerkschaftsvertreterInnen. Das ist wesentlich, um sicherzustellen, dass die von derartigem Verhalten Hauptbetroffenen an der Spitze der Veränderung stehen."