Unternehmen

E3 vorbei: Rückblick auf die Messe und den SGF-Start

Die heutigen E3-Awards schließen eine ereignisreiche Eventwoche ab. Sowohl E3 als auch das Summer Games Fest fuhren punktuell schwere Geschütze auf, auch wenn es sich die allgemeine Euphorie zum Großteil auf Einzel-Highlights beschränkte. Und Microsoft.

16.06.2021 15:54 • von Valentin Masszi
"Starfield" war nur eines der Highlights von Microsofts Showcase (Bild: Microsoft)

Die E3 Awards wurden heute vergeben. Microsoft nahm den Preis für die beste Show mit nach Hause und ein Microsoft-Titel den für das meist erwartete Spiel. Dabei handelte es sich allerdings nicht um "Starfield" oder "Redfall", sondern um den neuesten Ableger der durchgehend starken "Forza"- beziehungsweise "Forza Horizon"-Reihe. Nicht wenige hätten die letzte Trophäe sicher auch bei "The Legend of Zelda: Breath of the Wild 2" gesehen, doch der Trailer hielt sich insgesamt mit Informationen noch zu stark zurück, vor allem wenn man bedenkt, dass es sich dabei um Nintendos Flaggschiff gehandelt hatte. Mit den Awards wurde nun eine turbulente Eventwoche abgeschlossen.

Ein Rückblick

Wer die E3 vergangenes Jahr vermisst hat, wurde dieses Jahr dafür mit gleich zwei Ankündigungsveranstaltungen belohnt. 2020 hatte Geoff Keighley das Summer Game Fest als Ersatz für die pandemiebedingt ausgefallene E3 ins Leben gerufen. Die Expo ist dieses Jahr wieder online zurückgekehrt, was Keighley allerdings keineswegs zum Rückzug veranlasste. Stattdessen wehte fast ein Hauch von Konsolenkonkurrenz durch die internationale Industrie, als sich unterschiedliche Firmen mit einer der beiden Veranstaltungen alliierten, so lief Koch Media etwa fast schon zum Summer Game Fest über. Keighleys Einleitungsworte, welche eine Einigkeit über alle Plattform-Fans hinweg beschworen, gewannen so einen leicht ironischen Unterton. Vor dem Bildschirm hatte die kleine Konkurrenz letztlich jedoch kaum Auswirkungen.

Einleitung statt Konkurrenz

Vor allem eine angemessene Einleitungsshow bescherte Keighley der Veranstaltungswoche mit dem Kickoff Live! am Donnerstag. Während der Abend professionell inszeniert dahin plätscherte, hielten sich die dramatischen Enthüllungsmomente in Grenzen. Neue Ankündigungen umfassten Titel, wie das Battle-Royale "Vampire: The Masquerade-Bloodlines" oder das eigene Spiel zur "Borderlands"-Figur Tiny Tina. Erst die obligatorische Endnote sorgte mit Gameplay zu "Elden Ring" für Furore, welches unter der Mitarbeit von Fantasy-Autor George R.R. Martin entsteht und an die Vorgänger-Titel von FromSoftware "Dark Souls" und "Bloodborne" erinnert.

Nach Keighleys Einführung stach am Freitag insbesondere ein allgemein wenig wohlwollend aufgenommenes Primetime-Event von Koch Media heraus. Inhaltlich hatten die PlaneggerInnen eigentlich interessante Titel zu bieten, etwa "Echoes of the End". Dabei handelt es sich um ein von Island inspiriertes narratives Adventure-Game und um das Debüt des Studios Myrkur Games. Leider hatten die Entwickler außer der Beschreibung, dem Arbeitstitel und Screenshots wenig im Gepäck. Die Kritik, die Spiele selbst nur spärlich gezeigt zu haben, musste sich Koch Media für den Großteil seiner unter dem neuen Label Prime Matter geführten Games an diesem Abend gefallen lassen.

Der Samstag stand dann im Zeichen von Ubisoft, das zwar "Beyond Good and Evil 2" oder das neue Spiel im Universum von "Star Wars" vermissen ließ, allerdings auch abseits davon ein ansehnliches Arsenal aufbringen konnte. So zeigte das französische Unternehmen unter anderem den ehemals "Rainbow Six Quarantine" betitelten Koop-Shooter "Rainbow Six Extraction", "Mario + Rabbids: Sparks of Hope", den Nachfolger zum kinderfreundlichen "XCom" sowie als letzten Punkt neues Material zu "Avatar: Frontiers of Pandora", um welches es jahrelang still gewesen war.

Alles andere als still ging es mit Devolver weiter, die wie üblich eine gelungen verrückte Satire-Show an den Tag legten, in der sie unter anderem die immer prominenteren Abo-Services mit dem eigenen Devolver MaxPass+ auf die Schippe nahmen. Allerdings rückten während der Sause ihre eigenen Titel, beispielsweise "Wizard with a Gun", fast schon in den Hintergrund. Gearbox schloss sich hingegen mit wenig Tamtam und ebenso wenig großen Neuigkeiten an, wonach das Virtual-Reality-Event "Upload VR" in der Nacht noch einmal eine Handvoll interessanter Titel der Sparte präsentierte, beispielsweise "After the Fall" von den EntwicklerInnen hinter "Arizona Sunshine".

Microsoft on Fire

Tags darauf entschied Microsoft die Eventwoche dann kurzerhand für sich. Man hielt sich nicht lange damit auf, bis zum Schluss mit großen Ankündigungen zu warten, sondern startete mit Todd Howard und dem ersten Trailer zum "Weltraum-'Skyrim'" "Starfield", der auch gleich das Release-Datum zur Schau stellte. In den folgenden zwei Stunden lieferte Microsoft dann eine Lehrstunde in Sachen "Show, don't tell", mit "Halo Infinite", "Forza 5", erstem Gameplay zu "Battlefield 2042", "Psychonauts 2", dem "Microsoft Flight Simulator" und mehr. Eine Vielzahl an vorgestellten Eigenproduktionen und Indie-Titeln würde darüber hinaus bei Release direkt im Game Pass landen. Entsprechend angeschwollen war Phil Spencers Brust am Ende der Präsentation, bevor er die Bühne für die eigene "Abschlusskirsche" in Form der Ankündigung von Arkanes neuem Fantasy-Action-Game "Redfall" räumte.

Schweres Spiel hatte Square Enix in der Folge mitzuhalten. Sie fuhren vor allem den neuen Marvel-Titel "Guardians of the Galaxy" auf. Daneben gab es unter anderem noch das Action-Spiel "Babylon's Fall" und "Stranger of Paradise Final Fantasy Origin" von Team Ninja zu sehen. Noch schwerer hatten es Veranstaltungen wie die PC Gaming Show und die Future Games Show, welche traditionell sowieso eher im Hintergrund bleiben.

Intellivision präsentierte am Montag dann kurz seinen Amico, woraufhin Limited Run Games beachtliche 25 kleinere Titel zeigte, darunter etwa "Axiom Verge 2". Capcom unternahm schließlich keine großen Sprünge mehr und beschränkte ich auf Neuigkeiten zu bereits bestehenden oder angekündigten Titeln. Beispielsweise wurde ein DLC für "Resident Evil: Village" sowie ein Trailer für "The Great Ace Attorney Chronicles" vorgestellt. All dies war schlussendlich jedoch nur Vorprogramm zu Nintendo. Das japanische Unternehmen feuerte gleich mehrere spannende Ankündigungen ab, etwa das 2D-"Metroid Dread", "Shin Megami Tensei V", "WarioWare: Get It Together!" oder, natürlich ganz zum Schluss, einen ersten Trailer zu "The Legend of Zelda: Breath of the Wild 2". Trotz der starken Riege blieb Nintendo gefühlt etwas hinter seinem Potenzial zurück. So fehlte beispielsweise jegliches Material zu "Metroid Prime 4". Den Abschluss des Tages übernahm ohne großes Aufsehen Bandai Namco, die einzig und allein auf "The Dark Pictures: House of Ashes" eingingen, welches im Irakkrieg spielen wird.

Damit war sie auch zu Ende, die E3 2021 und die E3-Awards bestätigen den allgemeinen Gesamteindruck: Microsoft geht an der Spitze aus der Eventwoche hervor. Zum ersten Mal ist es deshalb auch fraglich, ob Sony sich einen Gefallen damit getan hat, die E3 der Konkurrenz zu überlassen. Die Expo selbst profitierte wiederum von Microsofts Auftritt und gewann auch durch ihn dieses Jahr an Relevanz zurück. Keighleys Summer-Game-Fest-Start hat ihr dabei als eine Art Vorprogramm sogar eher auf die Sprünge geholfen. Auch wenn die sonst meist unspektakulären Präsentationen keineswegs für ein sicheres Revival gesorgt haben, zeigte 2021 doch, dass die E3 noch immer einen ganz eigenen Charme versprüht.

Valentin Masszi