Personalien

Nachruf: "'Game over' für Frank Pingel" - PC-Games-Pionier stirbt mit 57 Jahren"

Am 15. April 2021 ist Frank Pingel mit 57 Jahren gestorben. Die Urnenverabschiedung fand am 14. Mai in Freising statt, zu einem späteren Zeitpunkt wird es eine Seebestattung vor Sylt geben. Ein Nachruf von Thomas Caric.

17.05.2021 09:49 • von Stephan Steininger
Frank Pingel verstarb ab 15. April im Alter von nur 57 Jahren. Unser Beileid gilt den Angehörigen und Freunden. (Bild: Screenshot/LinkedIn-Profil)

Frank kam 1991 zu Microsoft, damals in Deutschland ein aufstrebendes Start-up und in der Gamesbranche noch ein Nobody. In der Consumer Customer Unit der deutschen Microsoft GmbH war Frank maßgeblich am Erfolg vieler PC- und Konsolen-Spiele von Microsoft beteiligt, sein größter Erfolg war "Age of Empires", eines der meistgeliebten, -gespielten und -verkauften PC-Spiele in Deutschland. Der Erfolg von "Age of Empires" in Deutschland hat dann auch bei der Mutter in Redmond einige Karrieren mitbefördert, darunter die von Ed Fries zum Vice President Games.

Frank war ein Kollege, mit dem das Zusammenarbeiten nicht immer einfach war. Sein herausragendes Talent und Gespür zum Erkennen eines bevorstehenden PC-Spiele-Verkaufserfolges wurde in der Fakten-, Präsentations- und Zahlen-getriebenen deutschen Microsoft GmbH seiner Meinung nach nicht angemessen genug gewürdigt. Dabei wagte er so manchen Stunt: Unvergessen die Blechschachtel mit der leeren Patronenhülse zu "Mech Warrior" (heute undenkbar!), oder die Reise zu Computerbilds Frank Surholt und Harald Kuppek mit der Vorabversion von Age of Empires im Attachékoffer mit Handschellen am Handgelenk (geheim! geheim!). Und gab es je einen besseren Ort für eine Strategiespiel-Präsentation als das Völkerschlacht-Denkmal zu Leipzig? Später haben sich die Großkopfeten bei Microsoft und Springer ob des beiderseitigen Verkaufs- und Auflagen-Erfolges von "AoE" auf die Schenkel geklopft, ohne zu ahnen, wer den Grundstein dafür gelegt hatte.

Die Einführung der Xbox im März 2002 in einem schwierigen Marktumfeld war ein weiterer Meilenstein für Microsoft und Frank. Zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus Marketing, PR und Sales wirkt er mit am Aufstieg von Xbox zu einer der beiden dominierenden Konsolen-Plattformen in Deutschland.

Microsoft war damals im Kern der Hersteller von Windows, Office und ein paar Serverprodukten. Die Games-Abteilung hatte nie einen Umsatzanteil von über zehn Prozent, und mit der dann beginnenden Konzernifizierung von Microsoft Deutschland kam ein ganzer Schwarm von ehemaligen Hewlett-Packard- und IBM-Managern, der die Firma endgültig zum Verkäufer von "Produktivitäts"-Software umbaute. Damit wurden Franks weiterem Aufstieg als Gamesvermarkter natürliche Grenzen gesetzt.

Nach einem Intermezzo im Windows-Channel-Marketing verließ er 2010 Microsoft mit einer der dort üblichen großzügigen Abfindungen. Fortan widmete er sich seiner Familie, seinem Haus in den italienischen Marken, seinem Porsche und seiner BMW - das Elefantentreffen bei Eis und Schnee war stets sein jährliches Motorrad-Highlight. Auch gutem Essen - vorzugsweise Sushi und Fisch sowie italienischen Weinen war er nie abgeneigt. Einige Erkrankungen bremsten seinen Lebensstil, und am 15. April war nun - viel zu früh - Schluss damit.

Frank hinterlässt einen Sohn aus erster Ehe und eine Tochter aus der zweiten - beide mittlerweile erwachsen.

Thomas Caric

Früher Vorgesetzter, später Freund.