Unternehmen

"Fortnite" machte 9,16 Milliarden US-Dollar Umsatz in 2018 und 2019

Mit "Fortnite" verdient sich Epic Games eine goldene Nase. Wie im Prozess gegen Apple jetzt bekannt wurde, brachte der Battle Royale Titel dem Unternehmen über neun Milliarden US-Dollar ein.

04.05.2021 16:46 • von Nadine Seibold

Update vom 4. Mai 2021:

Nach neun Moanten Vorverhandlungen begann gestern der Prozess der beiden Großunternehmen Epic Games und Apple. Das Gerichtsverfahren soll aber nicht nur eine juristische Klärung bringen, sondern gab gleich am ersten Tag die Umsatzzahlen von "Fortnite" bekannt, die Epic in den letzten Jahren erzielte.

In nur zwei Jahren verdiente Epic mit dem Battle Royale 9,16 Milliarden US-Dollar, wie aus einem Finanzbericht des Unternehmens im Januar 2020 hervorgeht. Nach 5,4 Milliarden US-Dollar Umsatz (etwa 4,5 Milliarden Euro) kamen im Jahr danach noch einmal 3,7 Milliarden US-Dollar hinzu. Zum Vergleich: Microsoft hat für Bethesda Anfang dieses Jahres knapp 7,5 Millarden US-Dollar ausgegeben. Eine Prognose für 2020 zeigt außerdem, dass sich Epic Games weitere 2,7 Milliarden US-Dollar mit "Fortnite" erwartet.

An diesen Erfolg kann bei Epic Games intern kaum etwas anknüpfen. Ebenfalls in 2018 und 2019 brachte die Unreal Engine im Vergleich 221 Millionen US-Dollar, der Epic Games Store 235 Millionen US-Dollar ein. Wie hoch der Gewinn des Unternehmen tatsächlich am Battle Royale Titel ist, ging aus den Finanzberichten nicht hervor.

Aus anderen Dokumenten im Rechtsstreit, die Epic selbst vorlegt, geht hervor, dass das Unternehmen beispielsweise viel Geld durch Investitionen verlor. Darunter auch durch den Aufbau des Epic Game Stores. So zahlte das Unternehmen in seinem frühen Status fast 12 Millionen US-Dollar an Spieleentwickler und Publisher für kostenlose Spiele-Promotionen, um diese auf die Plattform zu treiben. 1,5 Millionen US-Dollar zahlte das Unternehmen zum Beispiel, um die "Batman Arkham Collection" im September 2019 zu verschenken.

In früheren Gerichtsdokumenten vom April 2020 schätzte Apple, dass Epic bis zum Ende dieses Jahres rund 330 Millionen Dollar verlieren wird, nachdem es tonnenweise Epic-Store-Exklusivtitel gekauft hat.

Update vom 17. Februar 2021:

Der Streit zwischen dem "Fortnite"-Entwickler Epic Games und Apple über die Benutzung des App-Stores geht weiter und wird jetzt auch in Europa ausgefochten. Nach eigenen Angaben des Entwicklers reichte Epic in Brüssel bei der EU-Kommission eine Kartellbeschwerde wegen Wettbewersverstößen gegen Apple ein. Er wirft dem iPhone-Hersteller vor, seine Kontrolle über den App-Store wettbewerbswidrig auszunutzen und Entwicklern zu schaden.

Die Beschwerde bei der EU gegen Apple ergänzt somit nach Angaben des Unternehmens auch jene in den USA, Großbritannien und Australien. "Hier steht die Zukunft mobiler Plattformen auf dem Spiel», sagte Epic-Chef Tim Sweeney, der einen "fairen Markt" fordert. Entwicklern müsste es möglich sein, fair zu konkurrieren. "Wir werden nicht zusehen und Apple erlauben, seine Dominanz auszuspielen." Die Beschwerde in Europa ist Teil eines groß angelegten Vorhabens, den das Unternehmen intern als "Project Liberty" bezeichnet. Auch andere Apple-Gegner wie Spotify und Tinder verbünden sich diesbezüglich im Streit mit Epic.

Bei dem Streit geht es um die Abgabe in Höhe von 30 Prozent, die App-Entwickler an Apple und Google zahlen müssen, wenn sie im App-Store oder Google Play Store präsent sein wollen. Zudem lässt Apple auf seinen Mobilgeräten Downloads nur aus dem eigenen App-Store zu. Als Bezahlmethode schreibt das Unternehmen dabei das eigene System Apple Pay vor. Der Streit zwischen Apple - und auch Google - und Epic Games eskalierte dann im Sommer letzten Jahres, als Epic in die jüngste "Fortnite"-Spieleversion eine alternative Zahlvariante integrierte. Daraufhin entfernte Apple das Spiel aus seinem App-Store und Epic startete den Rückschlag mit mehreren Klagen gegen die Apple-Zahlpolitik.

Update vom 12. Oktober 2020:

Epic Games muss erneut eine Niederlage im Streit mit Apple hinnehmen, so das Handelsblatt. Demnach müsse Apple das Epic Games-Spiel "Fortnite" nicht wieder im Apple Store aufnehmen. Die Bundesrichterin Yvonne Gonzalez Rogers urteilte aber auch, dass Apple den Entwickler-Werkzeugen von Epic Games nicht schaden.

Seit Wochen sind Apple und Epic Games schon im Zwist. Auslöser dafür war eine Bezahlfunktion innerhalb der "Fortnite"-App. So habe Epic Games App-Nutzern ermöglicht, direkt in der Anwendung Einkäufe zu tätigen. Damit umging das Unternehmen das zentrale Apple-Bezahlsystem, wodurch Apple an jedem Kauf in den Apps verdient.

Originalmeldung vom 14. August 2020:

Das wollen Apple und Google nicht auf sich sitzen lassen. Nach einer Provokation von Epic Games - der Spieleentwickler hatte gestern Abend in den Mobilversionen von "Fortnite" für Android und iOS eine Zahlungsmethode eingeführt, die die obligatorische 30-Prozent-Provision für In-Game-Transaktionen umgeht - entfernen die beiden Tech-Giganten die App aus dem Store.

Die Bezahlmethode wurde von Apple nicht genehmigt worden, weil sich Epic Games für den "unglücklichen Schritt" entschieden hatte, die Richtlinien des App Stores zu verletzten, so Apple in einem Statement. Epic Games Klage folgte auf dem Fuße. Der Spielehersteller wirft Apple in einer 65-seitigen Klageschrift "monopolistische Praktiken" vor.

Es dauert nicht lange, da entfernt auch Google die App "Fortnite" aus seinem Store. Auch sie werden daraufhin von Epic Game verklagt. Mobilegeräte seien ein wichtiger Bestandteil des Alltags, so Epic Games in seiner Klage. "Unfaire Einschränkungen" solcher unerlässlichen Geräte, würden nur auf dem Rücken der Konsumenten ausgetragen werden, so der Entwickler weiter.

Epic Games hatte sich auf den Konflikt wohl vorbereitet. Neben der über 60-seitigen Klage, veröffentlichte die Firma auch ein aufwendig produziertes Video, dass den berühmten Apple-Werbeclip von 1984 parodiert, mit dem Apple seinen ersten Macintosh ankündigte.

Google teilte mit, dass der Shooter "Fortnite" weiterhin für Android verfügbar sei, man es aber nicht weiter im Store anbieten würde, da Epic Games mit seiner Handlung gegen die Richtlinien verstoße.

Schadensersatz fordert Epic Games nicht, den Streit soll ein kalifornisches Gericht schlichten. Streit um die Abgabe, die Apple und Google bei In-App-Käufen für sich behalten, gab es schon länger. In den vergangenen Jahren hatte Epic "Fortnite" auf Android-Geräten bereits zeitweise am Play Store vorbei vertrieben.

Epic-Games-Geschäftsführer Tim Sweetney hatte schon früher seine Ablehnung gegen diese Art von Geldabgabe geäußert: ""Die 30-prozentige Store-Steuer ist ein hoher Kostenfaktor in einer Welt, in der Spieleentwickler mit 70 Prozent alle Kosten für die Entwicklung, den Betrieb und die Unterstützung ihrer Spiele decken müssen"; so Sweetney in einem Interview mit The Verge.

"Fortnite" gehört zu den meistgespielen Videospielen der Welt. Nach Angaben des Entwicklers spielen mehr als 350 Millionen Menschen das Spiel.