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Kommentar: Eine mutige Entscheidung zur richtigen Zeit

Die gamescom 2021 soll hybrid stattfinden, also digital UND in Präsenz vor Ort in Köln. Ob das wirklich klappt, ist ungewiss, es zu versuchen und zu planen ist richtig! Ein Kommentar von Stephan Steininger.

19.03.2021 14:52 • von Stephan Steininger
GamesMarkt-Chefredakteur Stephan Steininger freut sich über den Mut von Koelnmesse und game die gamescom-Planungen als Hybridevent auch öffentlich voranzutreiben (Bild: GamesMarkt)

Und was hatten Sie in diesem Jahr Ende August vor? Ich für meinen Teil war hin und her gerissen, ob ich die stornierbare Buchung für mein Team und mich in unserem "Stamm-Hotel" in Köln nicht auflösen und stattdessen "Urlaub dahoam" plane. In Bayern sind ja bekanntlich immer Ferien, wenn sich die internationale Gamesbranche in Köln zur gamescom trifft. Seit gestern bin ich jedenfalls sehr froh, die Urlaubsplanung noch nicht weiter vorangetrieben zu haben.

Die gamescom 2021 soll also als Hybrid-Event stattfinden. Halb digital, aber auch halb vor Ort in den Hallen der Koelnmesse, wo sich - noch - ein, dank Impfdebakel eher schlecht als recht ausgelastetes, Impfzentrum befindet. Die Wahrheit ist, noch kann niemand sagen, ob wir uns im August wirklich in Köln wiedersehen. Die "pandemische Entwicklung" könnte uns einen Strich durch die Rechnung machen. Oder auch der Unwillen der potenziell Ausstellenden: Stell Dir vor es ist gamescom und keiner geht hin!

Nun, das Risiko besteht und ist nicht von der Hand zu weisen. Koelnmesse und game als Organisatoren der versuchen das auch gar nicht. Und doch finde ich, tun beide genau das Richtige. Wieso soll man die Segel streichen, wenn ein - gar nicht mal so unwahrscheinliches - Szenario denkbar ist, dass eine Hybridveranstaltung zulässt?

Sicher wird es 2021 keine Besucherrekorde geben. Auch dürften sich die Teilnehmerzahlen aus Übersee und Fernost in Grenzen halten. Womöglich haben auch einige europäische Nachbarn gar keine Lust auf einen Trip nach Deutschland. Doch all das sollte die deutsche Gamesbranche nicht schrecken, zu ihrem jährlichen Branchentreff zusammenzufinden, zumindest insofern es Corona-Zahlen und Infektionsschutz-Gesetze und -verordnungen zulassen.

Eine erfolgreiche, hybride gamescom wäre nicht nur eine einfache weitere Erfolgsgeschichte für die hiesige Gamesbranche und ein tolles Signal des im Aufwind befindlichen Gamingstandorts Deutschland, es wäre auch ein Statement, dass es in Deutschland trotz verpatzter Impfstrategie und der mitunter desaströsen Uneinigkeit der Länder vorangeht. Und es wäre ein weiterer Wink an die Politik, dass die Gamesbranche ihrer wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Rolle als Innovationstreiber der Kreativwirtschaft gerecht wird.

Ich kann game und Koelnmesse deshalb nur beglückwünschen für den Mut und den Willen, die gamescom Planung auch öffentlich mit physischer Komponente voranzutreiben. Und ich bin froh, dass sie gerade jetzt damit beginnen, da die Zahlen wieder nach oben gehen und das Durchhaltevermögen im Angesicht einer dritten Infektionswelle zu schwinden droht.

Und wenn es doch nicht klappt? Dann mache ich eben Urlaub am Rhein. Hotelzimmer habe ich ja schon.

Ihr Stephan Steininger

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