Games

Bund verfolgt keine weiteren Maßnahmen für E-Sport-Gemeinnützigkeit

Die Position ist festgefahren: Obwohl im Koalitionsvertrag festgehalten, wird der Bund keine weiteren Schritte in Richtung Förderung des E-Sports gehen. Nun hat das Ministerium dem digitalen Sport sogar eine Absage erteilt: Die Gemeinnützigkeit für E-Sport-Vereine lasse sich bereits über Jugendhilfe und Bildung erreichen.

10.02.2021 16:52 • von Nadine Seibold

In dieser Legislaturperiode wird die Bundesregierung wohl keine weiteren Maßnahmen zur Förderung des E-Sports vornehmen. Das zumindest geht aus der Beantwortung einer schriftlichen Anfrage an das Innenministerium von Monika Lazar, sportpolitische Sprecherin der Grünen, hervor. Dabei waren sich Union und SPD im Koalitionsvertrag https://beta.gamesmarkt.de/details/426625 einig, "E-Sport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen".

Von Seiten des Ministeriums hört sich das zwei Jahre später aber etwas anders an: E-Sport könne "auch heute schon nach bestehendem Recht gemeinnützig sein", heißt es. «Die Vereine nutzen dabei regelmäßig die gemeinnützigen Zwecke der Förderung der Jugendhilfe und der Förderung der Bildung.»

Martin Müller, Vizepräsident beim ESBD und Abteilungsleiter Breitensport, verärgern die Worte der Union: "Die Vorschläge des Bundesinnenministeriums, die Gemeinnützigkeit für E-Sportvereine über Jugendhilfe oder Bildung zu erreichen, sind in der behördlichen Praxis nachweislich unbrauchbar. Nahezu jedem E-Sportverein wird die Gemeinnützigkeit über diese Wege verwehrt. Diese Lösungsvorschläge sind bedauerlicherweise größtenteils fernab der gelebten Realität."

Als "absolut enttäuschend" sieht auch Lazar die Stellungnahme und geht sogar noch einen Schritt weiter: "Dass die Bundesregierung trotz der vollmundigen Versprechen des Koalitionsvertrages in Sachen E-Sport keine weiteren Maßnahmen plant, grenzt an Arbeitsverweigerung." Mit einer «einfachen Gesetzesänderung in der Abgabenordnung» könne man ehrenamtliches Engagement an der Basis unterstützen.

"Dem vollmundigen Versprechen des Koalitionsvertrages keine Taten folgen zu lassen, ist ein schweres Versäumnis für die nachhaltige Entwicklung des E-Sport- und Gaming-Standortes Deutschland", bedauert auch ESBD-Präsident Daniel Luther.

Die Frage, ob E-Sport als Sport zähle, will die Union also nicht mehr stellen, das müsse der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheiden, da der Sport autonom sei. Dabei tut sich doch vor allem der DOSB schwer mit der Anerkennung des E-Sports. Er unterteilt den digitalen Sport strikt nach Sportsimulationen wie "FIFA" und andere wettbewerbsfähige Spiele, wie "League of Legends" oder "Counter Strike".

"Die Verwässerung und Aufsplittung des E-Sports in förderungswürdige Sportsimulationen auf der einen und nicht förderungswürdige Spiele auf der anderen Seite, wie der DOSB es vorschlägt, ist für den ESBD inakzeptabel und fernab vom Selbstverständnis der E-Sport-Branche. Auf die Autonomie des Sports zu verweisen, ist gleichermaßen Holz- und Fluchtweg der Bundesregierung, die sich bis auf wenige Ausnahmen nicht für die vielen Millionen E-SportlerInnen zu interessieren scheint", so Luther deutlich, der auch an den Bund appelliert, dass der Anschluss an andere Länder nicht verloren gehen darf.

Auch game-Geschäftsführer Felix Falk meldet sich nach der Entscheidung zu Wort: "Mit der aktuellen Aussage des Innenministeriums scheint die Bundesregierung ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag für eine Gemeinnützigkeit für E-Sport-Vereine brechen zu wollen. Das ist für alle E-Sport-Fans enttäuschend und torpediert das große Engagement der vielen Ehrenamtlichen in den Vereinen. Ganz unabhängig von der Frage, ob E-Sport als Sport anerkennt werden soll, kann die Gemeinnützigkeit realisiert werden und ist entscheidend, um die großen gesellschaftlichen Chancen von E-Sport zu heben."