Handel

Branchenstudie: Deutschland ist jung, dynamisch und kleinständisch

Bevor die bundesweite Gamesförderung am Standort Deutschland richtig greifen kann, zeigt eine Studie in Zusammenarbeit von Hamburg Media School, Branchenverband game und dem BMVI den Ist-Zustand der Branche.

08.12.2020 15:03 • von Nadine Seibold

Der Deutsche Gamesmarkt wächst. Dies ist eines der Ergebnisse der Studie "Die Gamesbranche in Deutschland 2018/19/20", die die Hamburg Media School unter Professor Oliver Castendyk am Dienstag im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz vorstellte. Klar ist aber auch: Vom Boom können die 619 deutschen Gamesunternehmen allerdings nur teilweise profitieren.

Grund dafür ist, dass ein Großteil der Entwicklungen mit einem Budget von unter 0,5 Millionen Euro pro Spiel sehr niedrig budgetiert sind. Bei einer jährlichen Veröffentlichung von 1800 Spielen liegt Deutschland im Vergleich ebenso nicht besonders weit vorne.

Zudem zeigt sich, dass die deutsche Gameswirtschaft von vielen kleinen oder gar sehr kleinen Unternehmen geprägt ist. 70 Prozent der Unternehmen haben unter zehn Mitarbeiter. Vor allem dominieren dabei Firmen, die nicht älter als fünf Jahre alt sind. Somit kann die Gamesbranche hierzulande in diesem Kontext als "jung" bezeichnet werden.

Indes hat sich die Beschäftigtenzahl im Vergleich zu 2015 nur wenig verändert. 12.300 Beschäftigte zählt die Gamesbranche in Deutschland. 79 Prozent davon befinden sich in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis. Jede vierte Arbeitskraft kommt aus dem Ausland.

Im Bundesländer-Ranking haben weiterhin Nordrhein-Westfalen, Berlin und Hamburg die Nase vorn, also auch jene Länder, die hohe Fördersummen ausgeben. In Berlin, Hamburg, München und Köln befinden sich zudem auch die meisten Gamesunternehmen. Zusammen machen sie mehr als die Hälfte aller Unternehmen aus.

"Die Studie zeigt, dass bei uns in Deutschland viele Spiele verkauft, aber leider noch zu wenige entwickelt werden", so Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, der ebenfalls zu Wort kam. "Das wollen wir mit der Games-Förderung des Bundes ändern und Deutschland international konkurrenzfähig machen: Mit rund 250 Millionen Euro Bundesförderung tragen wir dazu bei, die deutsche Studio-Landschaft zu stärken und so auch unseren Marktanteil zu steigern."

Die Studie finanzierte zu 85 Prozent das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Der Restbetrag stammt vom Studienauftraggeber, dem game-Verband. Zukünftige Erhebungen sollen dann zeigen, welche Veränderungen die 2019 eingeführte bundesweite Gamesförderung bereithalten wird.