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UPDATE: "Monster Hunter" aus chinesischen Kinos genommen

In China gab es am Startwochenende der aufwendigen Videospiel-Adaption "Monster Hunter" Proteste wegen einer potenziell rassistischen Szene. Der Film wurde aus den chinesischen Kinos genommen, unterdessen haben sich die Produzenten entschuldigt und die fragliche Szene entfernt.

07.12.2020 10:49 • von Michael Müller
Der Film "Monster Hunter" (Bild: Constantin)

Die Constantin-Koproduktion "Monster Hunter" von Regisseur Paul W S Anderson mit Milla Jovovich in einer der Hauptrollen sollte eigentlich am vergangenen Wochenende in China groß am Boxoffice einschlagen. Allerdings nahmen lokale Behörden die Videospiel-Adaption aus den Kinos, nachdem es im Internet Empörung über eine kurze Filmszene gab, die als rassistisch wahrgenommen wurde.

Zuerst berichtete das Branchenblatt "Variety" über den Zensur-Vorfall. In der etwa zehn Sekunden kurzen Szene tritt der in China populäre asiatisch-amerikanische Rapper Jin Au-Yeung, besser bekannt als MC Jin, auf. Er fährt im Film zusammen mit einem weißen Schauspieler in einem Wagen. Ersterer fragt auf Englisch "What?". "Look at my knees!", ruft Jin. "What kind of knees are these?", fragt der Kollege. "Chi-nese", scherzt Jin mit Betonung auf der letzten Silbe.

Diverse chinesische Zuschauer brachten das Gespräch in Verbindung mit einem alten rassistischen Schulhof-Abzählreim, in dem es heißt: "Chi-nese, Jap-a-nese, dir-ty knees, look at these". In den Sozialen Medien trendete der Hastag #MonsterHunterInsultsChina. Auch der kommunistische Jugendverband der Staatspartei beteiligte sich am Bashing des Films aufgrund dieser Szene.

"Monster Hunter" debütierte in Mitternachtspremieren von Donnerstag auf Freitag. Am Freitag hatte die Kampagne gegen den Film bereits Fahrt aufgenommen, da er "nur" 5,2 Millionen Dollar einspielte und auf Platz drei der Tagescharts landete. Freitag spielte der Film noch auf einem Viertel aller Leinwände in China, am Samstag waren es nur noch 0,7 Prozent. Die Kinos hatten einen Hinweis erhalten, alle Vorführungen abzusagen.

"Eine neue Version wird über Nacht produziert und sollte die Version sein, die gezeigt wird. Kinos sollen genau überwachen, dass die alte Version kein weiteres Mal gezeigt wird", heißt es darin. Aber offenbar ist es den Kinos jetzt vorerst auch untersagt, die zensierte Version ohne die Szene zu zeigen. In China wird "Monster Hunter" verliehen von der chinesischen Tech-Firma Tencent, die den Film auch mitproduzierte. Die wartet jetzt auf ein Zeichen des chinesischen Filmbüros, ob der Film nach der Entfernung der Szene wieder in den Kinos eingesetzt werden darf.

Constantin Film reagierte inzwischen auf die Vorgänge. "Constantin Film entschuldigt sich aufrichtig für eine Dialogzeile in einer frühen Szene von 'Monster Hunter'. Es gab absolut keine Absicht, Menschen mit chinesischer Herkunft zu diskriminieren, zu beleidigen oder auf andere Weise zu verletzen. Constantin Film hörte sich die Bedenken des chinesischen Publikums an und entfernte den Dialog, der zu diesem unbeabsichtigten Missverständnis führte", heißt es vom deutschen Unternehmen.

China hätte eigentlich der größte Boxoffice-Markt für "Monster Hunter" sein sollen. Die Kampagne gegen den Film wird sicherlich auch nach einem potenziellen Neustart ihre Spuren hinterlassen. "Monster Hunter" startete am Wochenende auch in vier weiteren internationalen Kinomärkten wie Taiwan oder Saudi-Arabien und machte dort insgesamt 2,7 Millionen Dollar, jeweils an der Spitze der Charts.