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Potenzielle Fälschungen machen nicht vor Gamesindustrie halt

"Anno", "LoL", "PUBG" und viele andere Gamesmarken sind Opfer von sogenannter Produktpiraterie. Aus einer ersten Untersuchung schließt Softwareunternehmen Sentryc auf ein Gesamtergebnis von 408.593 potenziellen Fälschungen der Gamesindustrie auf Seiten wie aliexpress, wish oder ebay.

14.09.2020 11:05 • von Nadine Seibold
Potenzielle Fälschungen wie für "PUBG" finden sich zuhauf im Internet, wie hier auf Wish. (Bild: Screenshot Sentryc)

Eine Nintendo Switch für 35 Dollar, der "Call of Duty"-Hoodie für acht Euro und Vollversionen zum Schleuderpreis - Angebote, die locken, aber stutzig machen sollten. Fälschungen und Markenmissbrauch stellen weltweit ein wachsendes Ärgernis dar, das Umsatzeinbußen und Imageschäden nach sich zieht.

Auch die Games-Industrie hat, wie nahezu alle Branchen, ein Problem mit Produktpiraten und nicht lizensierten Händlern, die internationale Marktplätze von Alibaba bis Wish fluten. Neben internationalen Brands trifft das auch deutsche Studios wie Ubisoft und Piranha Bytes mit ihren Marken "Anno" und "Gothic". Dies ist das Ergebnis einer quantitativen Untersuchung, die das Berliner Softwareunternehmen Sentryc auf Anfrage des Gamesmarkts unternahm.

Aus insgesamt 36 Shops bildete sich ein Gesamtergebnis von 408.593 potenziellen Fälschungen auf Seiten wie aliexpress, wish oder auch ebay. Beispielsweise wies Sentryc in seiner Untersuchung 4610 auffällige Angbote von Markenmissbrauch für "League of Legends" auf der Seite Aliexpress aus, wohingegen "PUBG" auf 5.137 auffällige Angebote auf der selben Webseite kommt."Anno" hingegen fiel neben weiteren Shops 1195 Mal auf ebay auf. Wer weiter sucht, der findet auch auf der Webseite bukalapak einige Auffälligkeiten von Markenmissbrauch. So zum Beispiel auch 5749 potenzielle Fälschungen der Marke "COD".

Als Kernmärkte der Plagiatoren fallen aktuell Indonesien und Malaysia mit Plattformen wie zum Beispiel bukalapak auf. Neben gefälschter Ware vom Game-Package bis zum Merchandise nimmt auch der Tatbestand des Brand Abuse zu. Hierbei erwecken nicht legitimierte Online-Händler mit Produktbeschreibungen wie "Gaming Chair PUBG" den Eindruck, es handle sich um lizensierte Spezialprodukte.

Auch der durch Fans geprägte Markt von E-Sport-Mannschaften und YouTubern gerät laut Nicole Hofmann, CEO von Sentryc, mehr und mehr ins Visier der Fälscher. Sentryc ist eine Brand Protection Software, die Online-Marktplätze nach potenziellen Fälschungen screent, Funde an die Unternehmen reportet, und auf deren Basis bestätigte Plagiate und Markenrechtsverletzungen innerhalb von 24 Stunden aus dem Netz verschwinden.

"Deutsche Publisher denken manchmal, sie fliegen mit ihren Spielemarken unter dem Radar der Produktfälscher, die sich nur um Playstation und Co. kümmern", beobachtet Hofmann. "Aber das ist ein Trugschluss. Auch beliebte, europäische Lizenzen sind weltweit von Brand Abuse und Fakes betroffen. Wir stehen der Spieleindustrie hier gerne als Sparring-Partner zu Seite um herauszufinden, inwieweit ihre Marken betroffen sind und um Markenmissbrauch einzudämmen", so Hofmann.