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Steffen Bilger: "Das BMVI weiß sehr wohl um die Potenziale der Gamesbranche"

Im Rahmen der diesjährigen Indie Arena Booth präsentiert sich das BMVI mit eigenem Stand. Als offizieller Partner unterstützte es Super Crowd Entertainment beim Erstellen der virtuellen Indie Area von Tag Eins und will somit einräumen, dass der Vorwurf einer diametralen Beziehung zur Gamesbranche nicht korrekt ist.

27.08.2020 15:56 • von Nadine Seibold
Auf der Indie Arena Booth ist der BMVI unter anderem als Partner aktiv. (Bild: Super Crowd Entertainment )

Zahlreiche Indie-Entwickler geben der Indie Arena Booth auf der gamescom ihren Namen. Sie dort zu anzutreffen, ist also wenig verwunderlich. Dieses Jahr tummelt neben 185 Spieleherstellern allerdings noch eine andere Institution auf der virtuellen Indie Arena Booth: Das Bundesverkehrsministerium für Verkehr und Infrastruktur (BMVI).

Im Gepäck hat das Ministerium nicht nur Skander Morgenthaler, der allen vorbeischauenden Personen am Booth Rede und Antwort steht zum BMVI und, für die meisten am Wichtigsten, zur Games-Förderung, sondern auch diverse Spieleentwickler, die bereits von einer Förderung profitiert haben.

Grund für den Premiere-Stand des BMVIs auf der gamescom: Das Ministerium trug entscheidend dazu bei, dass der virtuelle Indie-Stand von Erbauer und langjährigem gamescom-Indie-Booth-Organisator Super Crowd Entertainment, wie ihn die Besucher der digitalen gamescom dieses Jahr sehen, überhaupt erst möglich wurde.

Mit der Unterstützung durch das BMVI als erster Stand-Bucher konnte, zusammen mit Gamecity Hamburg und dem Mediennetzwerk.NRW, in nur vier Monaten das comicartige Browser-MMO der Indie Arena Booth umgesetzt werden. "Ohne erste Kunden, die uns mit einer Digitallösung für die gamescom vertrauten, wäre das Ganze niemals möglich gewesen", so Wolf Lang, Gründer und Geschäftsführer Super Crowd Entertainment im Interview mit GamesMarkt.

"Das BMVI ist unser wichtigster Partner auf der Indie Arena Booth", ergänzt Stephanie Lang, zuständig für Public Affairs bei Super Crowd Entertainment. "Unsere Zusammenarbeit bestand bereits in vergangenen Jahren bei der physischen gamescom. Der Auftritt auf der digitalen Messe passt daher noch besser ins Bild des BMVIs."

Als Eintagsfliege ist die Partnerschaft zwischen Super Crowd Entertainment und dem Ministerium für digitale Infastruktur somit nicht zu bezeichnen. Und mit Blick auf die Förderung haben beide eh das Gleiche im Sinn:

"Wir verstehen uns als Förderer der Industrie", sagt Super-Crowd-CEO Wolf Lang. "Mit der Indie Arena Booth ermöglichen wir den Developern kostengünstig ein gutes Netzwerk, um an Business- und Presseterminen auf der gamescom teilzunehmen. Das ist sonst für Entwickler nicht bezahlbar. Wir sehen unsere Aufgabe als Indie Arena Booth, die Entwickler am größten Indie Gemeinschaftsstand der physikalischen und digitalen gamescom Sichtbarkeit zugeben. Das sieht auch das BMVI und schafft mit unserer Kooperation noch mehr für die Indie-Entwickler aus Deutschland zu tun."

Durch ihre Präsentation und Partnerschaft auf und mit der Indie Arena Booth, wehrt sich das BMVI auch gegen den Vorwurf, dass es sich zwischen ihm und der Gamesbranche um eine diametrale Beziehung handelt. "Wir haben dieses gamescom-Projekt mit aufgebaut, weil wir seit 2014 umfangreiche Erfahrungen mit der Branche teilen. Das BMVI weiß sehr wohl um die Potenziale der Gamesbranche und wir schätzen diese sehr und kämpfen hart dafür, dass wir diese starke Branche unterstützen können", so Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur.

2014 vergab das Ministerium erstmals - gemeinsam mit den zu dem Zeitpunkt existierenden Verbänden BIU - Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware sowie GAME-Bundesverband der deutschen Games-Branche - den Deutschen Computerspielpreis (DCP). Unter dem Dreigespann erhielt der Preis damals eine umfangreiche Neuausrichtung, auch die Indie Arena Booth konnte seitdem bereits den Sonderpreis der Jury gewinnen. Dieser ist allerdings undotiert und unterstützt die Macher der Booth nicht finanziell. Auch deshalb war die Partizipation an der Indie Arena Booth dem BMVI ein Anliegen, denn es will sich als bestmöglicher Unterstützer der Gamesbranche zeigen, auch um das Thema Gamesförderung positiv aufzuladen.

Zuletzt gab es wegen des schleppenden Verfahrens um Fördergelder immer wieder wütende Stimmen aus der Industrie. Das BMVI arbeite die Anträge zu langsam ab und zerstöre Kleinbetriebe dadurch, hieß es da. Auch, dass es Monate nachdem es Februar 2020 von der EU-Kommission grünes Licht für die großvolumige Gamesförderung gab, immer noch keine Neuigkeiten vom BMVI gebe, stößt aktuell auf Kopfschütteln.

Dazu pflichtet Staatssekretär Bilger bei: "Durch unsere Partizipation an der Indie Arena Booth möchte das BMVI zeigen, dass wir für all jene einstehen. Nicht nur, weil aus den entwickelten Spielen wunderbare Projekte entstehen, sondern diese auch in der breiten Masse der Bevölkerung und in anderen Industriezweigen Einsatz finden."

Dadurch will das BMVI auch klarstellen, dass sie sehr wohl eine Idee haben, wo sie die Ziele der Gamesförderung umgesetzt sehen:

"Wenn in der breiten Öffentlichkeit darüber geredet wird, dass die Politik die Spielebranche mit 250 Millionen Euro fördern wird, dann entsteht bei einem sehr großen Teil der Bevölkerung immer noch ein Fragezeichen in den Köpfen, warum man das tut und warum ausgerechnet das BMVI das macht" erlääutert Bilger weiter. "Unsere Rechtfertigung dafür ist, dass wir zum einen eine sehr zukunftsgewandte, innovative, kreative Branche haben, die wir gerne unterstützen. Davor und auch während der Corona-Pandemie konnte man stark sehen, wie gut sich Videospiele verkaufen. Doch nur sehr wenige davon sind auch wirklich in Deutschland produziert, andere Produktionsstandorte liegen hier vorne, sei es aufgrund von günstigeren Arbeitsbedingungen oder einer wettbewerbsfähigen Förderung. Was das BMVI im Prinzip will, ist, dass wir diese kreative Branche des bestehenden Wirtschaftsfaktors bei uns halten und ansiedeln."

Wer den Kontakt mit dem Verkehrsministerium auf der gamescom sucht, der hat dazu nicht nur über den gesamten Zeitraum der gamescom in der Indie Arena Gelegenheit, sondern auch an mehreren anderen Stellen:

Zur Eröffnung durch den Verkehrsminister Andreas Scheuer am Freitag, den 28. August ab 11 Uhr, wo mit Neuigkeiten zur Gamesförderung gerechnet werden kann. Der Abteilungsleiter für Digitale Gesellschaft, Tobias Miethander, spricht am selben Tag, ebenfalls um 11 Uhr im Panel "Video Games, EU Policy Priorities and the Impact of Covid-19" beim gamescom congress, Fragen zur Gamesförderung beantwotet Skander Morgenthaler auch in der devcom daily twich show" am 28. August von 12 bis 13 Uhr.

Text: Nadine Seibold