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Europas Gamesmärkte: Italien

In einer neuen Serie porträtieren wir in jeder GamesMarkt-Ausgabe die Gamesbranche eines europäischen Landes. Den Anfang macht in der Ausgabe 08/2020 Italien.

30.07.2020 13:58 • von

Gutes Essen, Sportwagen und Fiesta - La Dolce Vita eben. Das verbinden die meisten mit Italien. Für seine Videospielbranche ist das Land hingegen nicht unbedingt bekannt. Dabei zieht es viele Italiener genauso gerne an ihre Konsolen und PCs wie in die warme Sonne. Das beweist der in den letzten Jahren stark gewachsene Umsatz der Gamesbranche dort. Mit einem Umsatz von 1,79 Milliarden Euro im Jahr 2019 nimmt Italien in Westeuropa sogar, nach Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Frankreich, Platz 4 ein. Im weltweiten Vergleich sitzt das Stiefelland sogar, laut Newzoo auf Platz Neun, direkt hinter Kanada.

In diesem Jahr machte auch der Italienische Spieleverband IIDEA wiederholt Schlagzeilen, zunächst wegen der Namensänderung, anschließend wegen der Durchsetzung eines ersten Spiele-Förderprogramms und dem Beitritt zur EGDF. Generaldirektorin Thalita Malagó spricht im Interview mit GamesMarkt über die Ziele von IIDEA und die italienische Spielebranche.

GM: Sie haben vor kurzem einen Rebrand ihrer Organisation begonnen. Was waren die Hintergründe dieser Entscheidung und was versprechen Sie sich davon?

TM: Der Verband beschloss, den Namen zu ändern, um mit der Entwicklung des Sektors Schritt zu halten. Die neue Bezeichnung "IIDEA" soll für einen erhöhten Wiedererkennungswert der italienischen Videospielindustrie auf globaler Ebene sorgen. Das unterstreicht den anhaltenden Wunsch des Verbandes, die Position des Landes auf der globalen Bühne zu verbessern. Als solches wird IIDEA als Tor für internationale Videospielunternehmen dienen, die Zugang zum italienischen Markt suchen und so den globalen Handel für einheimische Talente und Fachkenntnisse erleichtern.

GM: Sie sind vor kurzem dem EGDF beigetreten. Was erhoffen Sie sich von dieser Partnerschaft?

TM: Die Mitgliedschaft im EGDF stellt einen weiteren Pfeiler bei der Erfüllung der Ziele der IIDEA dar, eine Vordenkerrolle zu übernehmen und den italienischen Videospielsektor im In- und Ausland zu fördern.

Wir haben bereits das Gefühl, dass Italien Teil des größeren europäischen Videospiele-Ökosystems ist - mit Talenten und Ideen, die bereits frei zwischen Einzelpersonen und Unternehmen fließen. Unsere Mitgliedschaft im EGDF ist ein formaler nächster Schritt und wird italienische Stimmen in die EGDF-Kampagnen zur Stärkung unseres Sektors einbringen. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, denn wir sind mit Unsicherheiten konfrontiert, die durch die Auswirkungen von COVID-19 verursacht wurden, und wir sind der festen Überzeugung, dass internationale Zusammenarbeit der Schlüssel zu einer robusten, nachhaltigen Erholung sein wird.

Wir freuen uns auch auf den Austausch bewährter Verfahren in einem Netzwerk von Entwicklerverbänden anderer europäischer Länder. Wir glauben, dass wir, wenn wir mit einer Stimme sprechen, eine stärkere Position haben, um bei den europäischen Institutionen Lobbyarbeit für Unterstützung wie Finanzierung und Steuererleichterungen zu leisten.

GM: Wie beurteilen Sie die italienische Entwicklerszene?

TM: Ich würde die Entwicklerszene hier als eine wachsende Szene definieren. Neben zwei großen Studios, die in den späten 80er und 90er Jahren gegründet wurden - Milestone und Ubisoft Mailand - ist sie vor allem in den letzten zehn Jahren gewachsen. Italien wird historisch gesehen eher als Verbraucher- als Produktionsland gesehen. Aber in den letzten Jahren haben wir eine wachsende Präsenz von kleinen und mittleren Start-ups sowie Unternehmen gesehen, die versuchen, dieses Bild zu ändern. Im letzten Jahr haben wir eine Reihe von Übernahmen italienischer Studios durch internationale Unternehmen erlebt. Dies ist ein positives Zeichen dafür, dass die lokale Industrie auf globaler Ebene immer relevanter und attraktiver wird.

GM: Gibt es ein Finanzierungsprogramm für Spieleentwickler?

TM: Die italienische Regierung genehmigte den ersten spielbaren Fonds im Rahmen des Mitte Mai verabschiedeten Relaunch-Statuts (auf Italienisch: DL Rilancio) zur Wiederankurbelung der italienischen Wirtschaft angesichts der Covid-19-Krise. Ziel des ersten spielbaren Fonds ist es, die Erstellung von Videospielprototypen mitzufinanzieren, und zielt darauf ab, die Videospielindustrie auf nationaler Ebene zu fördern.

Der First Playable Fund sieht ein Anfangsbudget von vier Millionen Euro für das Jahr 2020 vor. Er wird zur Unterstützung der Konzeptentwicklung und Pre-Production von Videospielen verwendet, um die Erstellung von Prototyp-Spieldemos zu erleichtern, und zwar in Form von nicht rückzahlbaren Zuschüssen, die 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben abdecken und sich auf einen Betrag zwischen 10.000 und 200.000 Euro pro einzelnem Prototyp belaufen.

GM: Wie ist die Haltung der Regierung gegenüber der Spieleindustrie in Italien?

TM: Kulturelle Vorurteile gegenüber Spielen sind in Italien traditionell stark ausgeprägt, aber der Verband und die Entwickler-Community haben auf dem Weg zur Akzeptanz entscheidend an Boden gewonnen. Die Pandemie selbst hatte einige positive Auswirkungen auf die Berücksichtigung unseres Sektors durch die Politiker. Viele traditionelle Sektoren, wie Tourismus, Kultur, Transport, Restaurants, wurden von der Pandemie verwüstet. Die Regierung hat erkannt, dass wir in der neuen Welt, die daraus entstehen wird, auch in neue Sektoren wie das Glücksspiel investieren müssen, wo das Land im globalen Wettbewerbsszenario noch ungenutztes Potenzial hat, selbst wenn diese Sektoren volle Unterstützung benötigen.

GM: Die Corona-Krise hat Italien ziemlich hart getroffen. Wie gingen Sie und die lokale Spieleindustrie mit dieser schwierigen Situation um?

TM: Während des Lockdown haben die italienischen Unternehmen ihr Bestes gegeben, um ihre Aktivitäten neu zu organisieren, und es ist ihnen beinahe gelungen, neue Wege zu finden, wie sie arbeiten, kommunizieren und ihre Erfahrungen mit ihren Gemeinschaften und Entwicklerkollegen teilen können. Die Produktion einiger Titel wurde jedoch zwangsläufig verlangsamt. Da viele internationale Branchenveranstaltungen abgesagt oder verschoben wurden, ist es für weniger etablierte Unternehmen schwierig, Investitionen und Partnerschaften zu finden. Und auch die B2B-Arbeit wurde aufgrund des Einfrierens der Budgets vieler privater oder öffentlicher Kunden auf Eis gelegt.

GM: Welche Hoffnungen hegen Sie für die Zukunft der italienischen Spieleindustrie?

TM: Die italienische Spieleindustrie entwickelt sich rasch weiter. Wir liegen noch immer hinter anderen großen Ländern in Europa zurück, aber wir arbeiten uns Tag für Tag weiter nach oben, um sowohl als Verband als auch als einzelne Studios an Bedeutung zu gewinnen. Videospiele in Italien zu entwickeln ist schwierig, aber wir arbeiten jeden Tag härter daran, es einfacher zu machen. Es ist immer noch schwierig, aber es ändert sich definitiv etwas, und wir hoffen, dass Italien dank der Kombination aus einheimischen Talenten und der Unterstützung der Regierung der nächste aufsteigende Stern im Szenario der internationalen Spieleindustrie sein wird.

Die ganze Geschichte finden Sie in der aktuellen Ausgabe GamesMarkt 08/2020.