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Freaks 4U: Millioneninvest in TV-Studios trägt ab März Früchte

Noch im März will Freaks 4U Gaming den Bau dreier neuer TV-Studios in der Hauptstadt fertigstellen. Damit sei man gut gerüstet nicht nur für neue Web-Formate, glaubt CEO Michael Haenisch. Schließlich produziert Freaks 4U zunehmend Content für TV-Sender und zwar aus dem In- und Ausland.

24.01.2019 13:17 • von
Michael Haenisch, CEO von Freaks 4U (Bild: Freaks 4U)

GamesMarkt: 2018 war ein spannendes Jahr für Freaks 4U Gaming. Was waren aus Ihrer Sicht die Highlights des Jahres?

Michael Haenisch: In jedem unserer drei Geschäftsbereiche (Marketing- und Kommunikationsagentur, Communities & Influencer sowie TV & Digital Media Production) haben wir im Jahr 2018 viele verschiedene Highlights erlebt. So haben wir beispielsweise unsere sehr gute Zusammenarbeit mit Riot Games im vergangenen Jahr ausbauen können und gemeinsam die ersten Premier Tour-Events in Deutschland realisiert, welche sozusagen die deutsche Meisterschaft in League of Legends abbilden. Nach einem großartigen Start in Hamburg mit knapp 1.000 Zuschauern vor Ort, haben wir 2.000 Zuschauer bei der Premier Tour in Berlin begrüßen dürfen. Gemessen an den Zuschauerzahlen war es meines Wissens das bislang größte Standalone-Esport-Event mit ausschließlich deutschen Teams, was das große Potenzial nationaler Inhalte unterstreicht. Auch insgesamt war es ein absolut hervorragendes Event mit einer grandiosen Stimmung.

Wir sind auch sehr stolz auf unsere Inhalte für ProSieben. Hier produzieren wir wöchentlich das Format "ran eSports", welches auf ProSieben MAXX ausgestrahlt wird. Die Einschaltquoten haben sich gut entwickelt, wir erfahren positiven Zuspruch von der Community, Werbepartnern und der Industrie und freuen uns insbesondere darauf, was wir wegen dieser guten Erfolge im Jahr 2019 mit ProSieben realisieren dürfen.

Im Agenturbereich haben wir auch im Jahr 2018 wieder viele Neukunden gewinnen können, gerade auch aus neuen Branchen wie Food & Beverage, Fastfood und Payment-Lösungen.

GM: 2019 startet im Grunde mit einer Baustelle: Sie bauen derzeit massiv Studiofläche am Standort Berlin auf. Können Sie ein paar Daten und Einzelheiten zu dem Projekt nennen?

Haenisch: Vor etwa zweieinhalb Jahren haben wir uns entschieden unsere Studiokapazitäten zu erweitern. Wir begannen parallel mit der Planung für drei TV-Studios sowie der Planung und Umsetzung eines temporären Studiobaus als Überbrückungslösung. Im Mai 2017 ging dieses Studio in Betrieb, aus welchem wir heute unter anderem für ProSieben produzieren, aber auch viele eigene Formate realisieren, beispielweise das Influencer-Turnierformat "BAAL" rund um Fortnite und PUBG, welches wir in beiden Spielen einmal pro Monat produzieren.

Nach knapp zwei Jahren Planung, Verhandlungen, Bau- und Förderanträgen haben wir vor knapp sechs Monaten mit dem eigentlichen Bau der drei neuen TV-Studios begonnen. Wir investieren insgesamt 4,5 Mio. Euro in den Bau, 900.000 Euro hiervon stammen als Zuschuss von der Investitionsbank Berlin. Im Rahmen des Ausbaus werden wir mehr als 30 neue Arbeitsplätze schaffen und unsere Kapazitäten für TV-Produktionen und sonstige hochwertige Formate vervielfachen.

Wir möchten den Ausbau bis Ende März 2019 abschließen. Bis dahin haben wir etwa 40 Kilometer Kabel verlegt und 50 Tonnen Baumaterial verarbeitet. In allen Studios können wir nativ in 4K-Auflösung aufnehmen, um hochwertigste Internet-Broadcasts und TV-Formate zu produzieren - auch parallel. Zusätzlich bauen wir für unseren Moderator Maurice "Mori" Lange eine neue Showküche, in der er für die Gaming-Community Kochformate realisieren wird.

GM: Was steckt hinter dieser Investition? Warum braucht Freaks 4U Gaming so viel mehr an Studiokapazität?

Haenisch: Wir produzieren schon seit dreieinhalb Jahren für verschiedene TV-Sender Inhalte zur linearen und digitalen Ausspielung. Seitdem beobachten wir, dass der Esport immer massentauglicher wird und sich der Markt Jahr für Jahr professionalisiert. Dabei wachsen auch die Ansprüche des Publikums und unserer Partner an qualitative Inhalte mit

Bislang stehen uns in Berlin 13 Web-Broadcast Studios sowie das temporäre TV-Studio für Produktionen zur Verfügung. Die zusätzlichen Studios brauchen wir nicht nur, um zusätzliche Inhalte in höherer Qualität produzieren zu können, sondern auch, weil unsere Kapazitäten mit Produktionen rund um Dota 2, Counter-Strike: Global Offensive, League of Legends, Fortnite, PUBG und vielen anderen Titeln immer öfter an ihre Grenzen gestoßen sind.

In diesem Jahr planen wir beispielsweise, die deutschsprachige Übertragung der League of Legends-Formate LEC und LCS aus den Web Broadcast-Studios in eines der neuen TV-Studios zu verlagern. Dies schafft Platz in unseren Web Broadcast-Studios für neue Formate und erlaubt uns gleichzeitig, die Produktionsqualität der entsprechenden League of Legends-Formate zu verbessern.

GM: Wie wichtig ist die Investition im Hinblick auf Deutschland allgemein und Berlin im Speziellen als Produktionsstandort von Bewegtbildinhalten?

Haenisch: Südkorea ist für sein Esport-Ökosystem bekannt und erhält dafür aus vielen Richtungen Bewunderung. Esport findet dort auf einem anderen nationalen Niveau statt als anderswo in der Welt, was man beispielsweise auch an der Qualität der Produktionen ablesen kann. Ein südkoreanischer TV-Sender, der dieses Image vor allem geprägt hat, ist OGN.

Wir haben im Jahr 2018 erstmals aus unserem temporären TV-Studio für OGN produziert, was ohne solche Investitionen nicht möglich gewesen wäre. Wir können also durch solche Investitionen eine Qualität bedienen, die jedem Partner und höchsten Ansprüchen gerecht wird. Als deutscher Standort werden wir international wettbewerbsfähiger und können die zur Verfügung stehenden Ressourcen nutzen, um bessere und bedeutsamere nationale Produkte zu schaffen und Entwicklungen zu unterstützen.

An unseren deutschen Standorten in Berlin und Köln beschäftigen wir momentan mehr als 150 Mitarbeiter. Die Investition schafft am Berliner Standort weitere langfristige, attraktive Arbeitsplätze im Medienbereich.

GM: 2018 wurde intensiv über eine Anerkennung des eSports als Sport diskutiert. Faktisch entdecken sowohl die klassischen Medien, als auch die Werbebranche zunehmend den eSport als lukrativen Markt. Wie sehen Sie diese Entwicklung und welche Chancen ergeben sich daraus für Freaks 4U Gaming als Unternehmen, das in diesem Wachstumssegment seit Jahren fest etabliert ist?

Haensich: Ich finde, dass die Diskussion um die Anerkennung des Esport von unseren Interessenvertretern sehr gut angestoßen und geführt wurde. Ich hätte mir von einigen anderen Gesprächsteilnehmern aus dem klassischen Sport ein ähnliches Interesse am Dialog und eine unvoreingenommene Offenheit gewünscht, um Chancen und Möglichkeiten miteinander zu diskutieren.

Die Anerkennung könnte uns in Deutschland helfen, da die Einordnung als offizieller Sport hierzulande eine privilegierte Stellung mit sich bringt. Allerdings haben der ESBD und der game Verband auch ohne eine solche Anerkennung im letzten Jahr wichtige Erfolge erzielen können, darunter die vereinfachte Vergabe von Visa für Esport-Athleten, die an Wettkämpfen in Deutschland teilnehmen und hierfür temporär einreisen möchten.

Einige Gesprächspartner aus der Politik haben das Potenzial des Esport in Deutschland als Chance und Möglichkeit verstanden und unterstützen deshalb glücklicherweise solche Entwicklungen. Das ist hilfreich und wichtig für Deutschland als Esport-Standort.

Auch auf Kundenseite merken wir, dass sich mehr und mehr Unternehmen mit Esport auseinandersetzen. Immer weitere Branchen verstehen, dass man über den Esport Zielgruppen ansprechen kann, die sich für viele andere Werbekanäle außerhalb der Reichweite befinden.

Für unseren Agenturbereich ergeben sich damit spannende Herausforderungen und Chancen, neue Kunden mit dem Markt vertraut zu machen und sie beim Markteintritt und auch darüber hinaus zu begleiten. Insgesamt profitieren wir also sehr von der aktuellen Entwicklung.

GM: Welche internationalen Pläne haben Sie?

Haenisch: Während wir ein klares Bild unserer Expansionspläne haben, setzen wir diese in der Regel auf Basis geeigneter Opportunitäten um, anstatt unüberlegt in einen Markt zu expandieren, nur weil es in einem Business Plan steht. Auf diesem Wege sind wir im Jahr 2013 nach Taiwan, 2015 nach Serbien und 2016 in die USA expandiert.Wir werden das sehr erfolgreiche Agenturgeschäft auch weiterhin erweitern. Wann wir weitere Studios in einem anderen Land eröffnen, steht aktuell noch nicht fest, da sich eine passende Gelegenheit noch nicht gefunden hat und wir zunächst aus aktuellen Expansionen lernen möchten.