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Kommentar: Foulspiel der Funktionäre

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) positioniert sich eindeutig und spricht dem eSport die Einstufung als Sport ab. Das ist schade, aber akzeptabel. Inakzeptabel ist jedoch die Argumentation mit der der DOSB seien Haltung begründet, meint GamesMarkt-Chefredakteur Stephan Steininger.

29.10.2018 16:15 • von Stephan Steininger

Ist eSport Sport? Seit die Bundesregierung die Anerkennung des eSports in den Koalitionsvertrag aufnahm bewegt diese Frage die Sportwelt. Und immer öfter habe ich den Eindruck, dass sich die Sportwelt tatsächlich erst seit dem Koalitionsvertrag mit dieser Frage auseinandersetzt. Zumindest die deutsche Sportwelt. Bei den Asienspielen 2022 sollen Computerspiele bekanntlich schon Medaillensportart sein. Dort ist man also weiter, viel weiter.

Ich will ganz ehrlich sein: Von mir aus muss es kein olympisches Gold für "League of Legends" oder "CS:GO" geben. Doch das gleiche denke ich auch über rund die Hälfte der Sportarten, die "olympisch" sind. Ich kann sogar verstehen, wenn argumentiert wird, dass eSport kein Sport ist, weil die körperliche Betätigung fehlt. Was mich aber stört ist die Ungleichbehandlung, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Das Argument gilt für mich nur, wenn es auch bei Bogenschießen, Curling oder Segeln angewandt wird.

Es ist dann auch diese Ungleichbehandlung, die mich am Positionspapier des DOSB stört. Es steckt voller fadenscheiniger Argumente, pauschalisierte Verurteilungen und Ignoranz gegenüber der Realität. Das geringste Übel ist dabei noch die künstliche Unterscheidung zwischen "virtuelle Sportart" und "eGaming", die es so faktisch nirgendwo sonst gibt. Mir stößt vor allem auf, wie der DOSB den Zeigefinger gegenüber den Games erhebt. Ringen, Speerwerfen, Fechten, Boxen, sämtliche asiatischen Kampfsportarten und Sportschießen - der klassische Sport hat weit martialischere Hintergründe, als sich der DOSB eingesteht. Auch dass der klassische Sport längst durch kommerzialisiert ist, wird ignoriert. Von den Schattenseiten im Sport wie Doping, Missbrauchsfälle, Bestechlichkeit von Funktionären oder organisierte Manipulationen in Zusammenhang mit Sportwetten, will ich gar nicht anfangen.

Für mich steht fest: Mit seinem Positionspapier scheut der DOSB die echte Auseinandersetzung mit der Frage ob eSport Sport ist, weil er dann womöglich zu dem Schluss kommt, auch anderen Sportarten diesen Status abzusprechen. Gleichzeitig will er für sich und seine Mitglieder die Rosinen herauspicken. Denn das Sportpublikum wird immer älter. Das gilt vor dem Fernseher ebenso wie in den Stadien und Arenen Deutschlands. In diesem Punkt waren die geschäftstüchtigen und eSport-aufgeschlossenen Fußball-Bundesligisten auf der Spobis Games & Media 2018 sehr offen.

Wirklich nachvollziehbar und ehrlich finde ich im DOSB-Papier deshalb nur ein Argument: Und zwar dass das Geld schon jetzt nicht ausreicht, um alle Sportarten in dem Maße zu unterstützen, wie sie es verdienen und bräuchten. Doch statt dies offensiv zu beklagen und Schulter an Schulter mit dem eSport mehr Unterstützung für den Sport zu fordern hat sich der DOSB dazu hinreißen lassen, fadenscheinige sportliche und ethische Gründe für seine Ablehnung vorzuschieben. Das ist nicht nur bigott, es ist ein grobes Foulspiel, mit denen der DOSB seinem eigenen ethisch-moralischen Anspruch nicht gerecht wird. Nun, vielleicht stimmt es ja doch, dass die Werte des eSports nicht mit denen des DOSB vereinbar sind. Nur eben anders als gedacht.

Stephan Steininger

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