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Nintendo macht Kopiermodule für rückläufige NDS-Umsätze verantwortlich

Obwohl der Hardwareabsatz im Handheldgeschäft weiterhin stimmt, brechen Nintendo die Softwareumsätze weg. Für den japanischen Konzern steht fest: Schuld an der Misere sind Raubkopiermodule wie das berüchtigte R4-Modul. Der Schaden allein bei Nintendo gehe in die Milliarden, so der Konsolenhersteller.

01.01.1970 01:00 • von Tim Pototzki

In den vergangenen Monaten musste Nintendo vor allem in den westlichen Märkten merklich sinkende Umsätze aus dem Verkauf von Software für die Handheldsysteme der Nintendo-DS-Produktfamilie hinnehmen. Obwohl der Hardwareabsatz stimmt und wie zuletzt in den USA noch steigt, bricht der Spieleumsatz weg. In einigen europäischen Märkten um 45 Prozent und mehr, im wichtigen US-Markt immerhin um elf, in Japan um sieben Prozent. Für den japanischen Konsolenhersteller ist die Sachlage klar: Schuld an der Misere sind Kopiermodule wie z.B. das berüchtigte R4-Modul.

Dabei ist die Branche und allen voran Nintendo alles andere als untätig. Der Druck wurde zuletzt zusehends erhöht. Insbesondere Händler, die R4 im Sortiment hatten, wurden von Nintendo gezielt angegangen. Der Popularität der Kopiermodule scheint dies aber keinen Abbruch getan zu haben. Allein bei Nintendo geht der Schaden laut Ashai.com in die Milliarden. Seit einigen Monaten beobachtet Nintendo den Schwarzmarkt sehr genau. Im Juni 2009 stellte der Konzern 238 Mio. illegale Downloads über die zehn populärsten Webseiten für illegale NDS-Software fest. Daraus errechnet Nintendo eine Schadenssumme von umgerechnet 10,7 Mrd. US-Dollar. Natürlich resultiert diese hohe Summe auch aus der Annahme, dass jeder illegale Download einen verpassten legalen Kauf darstellt, die nur von wenigen Marktbeobachtern geteilt wird. Unumstritten ist hingegen die Dringlichkeit, mit der das Problem angegangen werden muss. Vielfach wird Nintendo 3DS als Lösung angeprisen. Die neuen Schutzmechanismen des kommenden Nintendo-Handhelds könnte den Softwarepiraten zumindest vorläufig das Wasser abgraben.

Doch will Nintendo auch das Geschäft mit NDS-Software noch nicht abschrieben. Mehr als 125 Mio. NDS-Geräte sind im Markt, das Potential noch auf Jahre hinaus riesig. In Europa will der Konzern dem Piraterieproblem mit rechtlichen sowie technologischen Schritten begegnen, so Konzern-President Saturo Iwata. Besonders im Auge hat Nintendo dabei die Märkte in Italien, Spanien und Frankreich, die laut Entertainment Software Association innerhalb Europas die höchste Pirateriequote aufweisen.