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Deutsche Produkte dominieren PC-Charts

02.04.2004 15:33 • von Tim Pototzki

"Sacred", "X2 - Die Bedrohung", "Singles", "Anno 1503" und "Fußball Manager 2004" - dass sich diese fünf Spiele in den deutschen Top Ten vom Februar im Bereich PC-Vollpreis platzierten, ist auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches. Auf den zweiten schon. Denn alle fünf Produkte wurden von deutschen oder deutschsprachigen Entwicklern realisiert. Noch ungewöhnlicher ist, dass die vier Erstgenannten auch die Ränge eins bis vier einnehmen. Sicherlich handelt es sich hier um eine Ausnahme, zu der es nur dank bestimmter Umstände kommen konnte. So wäre eine derartige Konstellation im letzten Saisongeschäft kaum möglich gewesen. "Wir kennen und beobachten den Markt sehr gut und haben frühzeitig die Entscheidung getroffen, die Spiele im Februar zu veröffentlichen", räumt auch Koch-Media-Chef Dr ein, der mit "X2" und "Singles" zwei der fünf Titel vermarktet. Und auch Holger Flöttmann, Geschäftsführer Ascaron, glaubt zumindest, dass es schwieriger gewesen wäre, "Sacred" an die Spitze der Charts zu bringen: "Zum Weihnachtsgeschäft kommen alle Neuerscheinungen auf einmal, sodass der Endkunde entscheiden muss, welches Game er unbedingt haben möchte."

Doch nicht nur der Veröffentlichungszeitpunkt abseits der saisonalen Produktschwemme ist einer der Faktoren, die zu dem ungewöhnlichen Chartserfolg deutscher Spiele geführt haben. "Man muss auch sehen, dass sich die ausländischen Entwicklerteams zunehmend auf Konsolen- bzw. Multiplattformspiele konzentrieren und dort die PC-Spiele etwas in den Hintergrund geraten sind", weiß Kundratitz zu berichten. In Deutschland sei hingegen der PC noch die führende Plattform für Games. Die sinkende Bedeutung des PC als Spieleplattform außerhalb Deutschlands war und ist auch einer der Gründe, warum deutsche Produktionen auf dem internationalen Parkett nicht gerade vom Erfolg verwöhnt sind. Und dass sich daran pauschal auch nichts ändern wird, glaubt selbst Kundratitz, der mit "X2" und "Singles" durchaus auch im europäischen Ausland gute Stückzahlen schreibt.

"Es wird immer wieder auf das einzelne Produkt ankommen", so der Koch-Media-Chef. "Die Spieler-Community weltweit findet heutzutage schneller als früher heraus, ob ein Spiel was taugt oder nicht, und wird sich dafür interessieren, unabhängig davon, ob es aus Deutschland, USA, Russland oder Japan kommt." Die grundsätzlichen Probleme bei der internationalen Vermarktung könnten andererseits aber auch ein Grund für den Erfolg deutscher Entwickler in Deutschland sein. Zumindest laut Flöttmann. Da es speziell für kleinere Entwickler schwierig sei, im Ausland gute Stückzahlen zu erreichen, werde zielgruppenorientierter gearbeitet, mit Fokus auf Deutschland. Man darf also hoffen, dass der Februar keine Ausnahme bleibt. Zumindest Ascaron will seinen Teil dazu beitragen: Der Hitkandidat "Port Royale 2" erscheint.