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Fichtelmann: "Ruhe in das Kerngeschäft bringen"

Mit einem Managment Buy Out übernehmen die Gründer von Daedalic sowie ein neuer Partner wieder die Kontrolle über den Hamburger Publisher. In einem ersten Telefoninterview gibt Firmenchef Carsten Fichtelmann Antwort auf wichtige Fragen.

19.05.2020 13:06 • von

GamesMarkt: Sechs Jahre nachdem Bastei Lübbe die Mehrheit an Daedalic Entertainment übernahm vollziehen Sie jetzt einen sogenannten Management Buy Out, kurz MBO. Wie entstand die Idee zu dem doch ungewöhnlichen, in der deutschen Spielebranche wahrscheinlich bislang sogar einzigartigen Schritt?

Carsten Fichtelmann: Manchmal stellt man fest, dass es im Nachhinein doch nicht so gut passt von beiden Seiten. Die Rückkäufer der Anteile der Bastei Lübbe AG, Stephan Harms und ich glauben ganz fest an eine erfolgreiche Zukunft der Daedalic Entertainment GmbH. Da war es ein logischer Schritt für uns Bastei Lübbe den Vorschlag zu einem MBO zu unterbreiten und wieder massiv ins eigene Risiko zu gehen.

GM: Die Idee ist das eine, einen MBO zu stemmen etwas anderes. Wie reagierte Bastei Lübbe als Mehrheitseigner auf ihre Pläne?

CF: Durchaus positiv. Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei Bastei Lübbe bedanken, diesen Schritt zu unterstützen. Die Situation war für alle beteiligten Partner in den letzten Monaten sicher nicht leicht. Dieser Schritt ermöglicht es, Ruhe in das jeweilige Kerngeschäft zu bringen.

GM: Und wie stemmen Sie die für Privatpersonen doch erhebliche Investition? Sind andere Investoren beteiligt?

CF: Wir stemmen das komplett privat. Nein, es gibt keine weiteren Investoren. Was wäre denn die Alternative gewesen? Aufzugeben und wegzulaufen? Das kam für uns nicht in Frage. Die Zukunft wird zeigen, ob das ein smarter oder einer dummer Move war.

GM: 2019 war für Daedalic kein leichtes Jahr. Wie haben Sie es erlebt und warum ist der Zeitpunkt für den MBO aus Ihrer Sicht dennoch der Richtige?

CF: Es war wie fast jedes Jahr ein Jahr mit extremen Höhen und Tiefen, nur, dass der Tiefpunkt diesmal tiefer war als sonst und die vielen Höhen des Jahres 2019 in der Öffentlichkeit teils gar nicht wahrgenommen worden sind. Dass der Zeitpunkt für den MBO der Richtige ist, wird man in den nächsten 2-3 Jahren sehen.

GM: Wie geht es jetzt in den nächsten Wochen und Monaten bei Daedalic weiter? Welche Schritte werden Sie als erstes angehen?

CF: Wir haben in den letzten Monaten im Prinzip schon alles für eine erfolgreichere Zukunft eingeleitet. Wir haben einen starken Katalog, gute geplante Releases und mit Der Herr der Ringe: Gollum einen sehr aussichtsreichen Titel in Eigen-Entwicklung.

GM: Und können Sie - zumindest grob - schon die weitere Planung skizzieren?

CF: Es gibt drei bis vier wichtige Pfeiler für die Weiterentwicklung des Unternehmens. Sollte es uns in den nächsten sechs bis zwölf Monaten gelingen, das Fundament für diese wichtigen Zwischenziele zu gießen, dann bin ich fest überzeugt, dass wir in zwei bis drei Jahren sehr gut dastehen.

GM: Die Produktionskosten von Spielen steigen, beliebte Marktsegmente wie Mobile sind überlaufen - kann man als mittelständisches Unternehmen in Privatbesitz unter diesen Gegebenheiten überhaupt allein aussichtsreich im Markt agieren? Wie hoch ist das Risiko für Sie und die Mitgesellschafter?

CF: Die Frage könnte man an andere vergleichbare Unternehmer in Deutschland weiterreichen. Natürlich ist es schwieriger aus Deutschland heraus weltweit erfolgreich zu sein, als in anderen Ländern. Aber aktuell passiert sehr viel, was mich optimistisch stimmt, dass nach all den Jahren des Redens, endlich eine Ära des Handelns kommt und Deutschland als Standort sowohl für Verlage als auch für reine Entwickler konkurrenzfähiger wird. Ein starkes und komplett eigenbestimmtes Daedalic ist ein guter Start für die Szene hierzulande. Wir gehen gerne voraus und hoffen, dass sich unser Mut auf andere mittelständische Unternehmer übertragt.

GM: 2019 sicherte sich Daedalic Entertainment die "Herr der Ringe"-Lizenz und kündigte für 2021 das Action-Adventure "Gollum" an. Hat der MBO Auswirkungen auf den Projekt- und Releaseplan?

CF: Aktuell nicht, wir haben das Spiel bereits seit über einem Jahr komplett aus eigenem Cashflow finanziert. Es gibt bisher keine Finanzierungspartner oder Förderung. Was wiederum bedeutet, dass Daedalic eine nicht unerhebliche eigene Ertragskraft besitzt. Das wird häufig übersehen.

GM: Wie werden Sie die Finanzierung von "Gollum" stemmen? Angesichts der Lizenz könnte es ein Vorzeigeprojekt für die deutsche Gamesförderung werden...

CF: Das sehen wir genauso. Es könnte für die Förderung und den Standort ein Meilenstein werden.