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Interview: Spielerisch die Welt retten

Jan Rößner, Gründer und CEO von One Earth Rising, spricht über die Idee und Entwicklung von Social-Impact-Games und wie Spieler dadurch Gutes für die Welt tun können.

24.03.2020 13:47 • von

Mit einem Computerspiel Gutes tun. Ein Gedanke, den es schon öfter gegeben hat. Manche Entwickler produzieren ein bestimmtes Spiel, sammeln dadurch Hilfsgelder oder wollen einfach durch ihr Spiel aufklären, andere wollen mit ihrem Spiel Menschen helfen indem sie Informationen weitergeben und damit das Bildungssystem unterstützen. Der Entwickler und Publisher One Earth Rising aus New York hat sich dem Guten voll und ganz verschrieben. Das Team dahinter will nicht nur ein einziges Spiel entwickeln, das zu etwas Gutem führt, sondern die ganze Produktpalette darauf aufbauen. Social-Impact-Games soll diese neue Spielkategorie heißen - dafür hat sich One Earth Rising auch bereits die Trademark gesichert. Gegründet von Jan Rößner, einem deutschen Marketer und Videospiel-Enthusiasten, will die Public-Benefit-Firma Spiele auf dem Markt bringen, die Non-Profit-Organisationen helfen sollen. Ein Teil der Erlöse oder der in den Spielen getätigten In-Game-Käufe soll somit an Hilfsprojekte oder NGOs fließen, die etwa den Wiederaufbau auf den Karibikinseln unterstützt, welche durch die zahlreichen Wirbelstürme der letzten Jahre betroffen waren. 30 Prozent der Gewinne des Spiels "Paraiso Island" werden an die All Hands and Hearts-Foundation gespendet, die sich diesem Projekt widmet. Jan Rößner, Gründer und CEO von One Earth Rising im Interview mit GamesMarkt:

GamesMarkt: Wie kamen Sie auf die Idee zu One Earth Rising?

Jan Rößner: Ich komme ursprünglich aus Frankfurt. Nach meinem Studium habe ich in Berlin eine Marketingagentur gegründet und diese im Jahr 2012 nach New York erweitert. Schon in der Marketingagentur wollte ich immer Games als Marketinmessenger für Firmen nutzen, um Spiele zu bauen, die Spaß machen, aufklären und zufälligerweise noch von einer Marke sind. Als ersten Kunden konnte wir damals PETA, die weltweit größte Tierrechtsorganisation, gewinnen mit denen wir das erste Spiel "Kitten Squad" entwickelten. In diesem Spiel hat jedes Level eine Offline-Kampagne von PETA dargestellt. Bevor das jeweilige Level startete, wurde dem Spieler ein kurzer Videoclip gezeigt, der über das Schicksal der Tiere aus den aktuellen Kampagnen aufklärt. Obwohl die Videos oft sehr harte Inhalte zeigten war das Spiel trotzdem auf die Unterhaltung der Gamer ausgelegt. Das Spiel hatte damals weltweit großen Erfolg und zählte über 2,2 Millionen Downloads im ersten Jahr ohne zusätzliche Werbung. Auf diesem Erfolg aufbauend haben wir unsere erste Videospielfirma, Arcade Distillery, gegründet mit der wir auf Basis von Kickstarter Kampagnen kleinere Projekte entwickelt und veröffentlicht haben. Auch diese waren sehr erfolgreich. In 2019 haben wir dann One Earth Rising gegründet und damit die erste Social-Impact-Gaming-Company.

GamesMarkt: Das erste Spiel unter One Earth Rising, "Paraiso Island", soll den Wiederaufbau auf den Karibikinseln unterstützen. Wie funktioniert das?

Jan Rößner: "Paraiso Island" ist ein Simulationsspiel, ähnlich wie "Animal Crossing" oder "Die Sims". Der Spieler steuert einen Inselbewohner auf einer tropischen Insel, baut Gebäude und kann eine ganze Wirtschaft entstehen lassen, Quests absolvieren und vieles mehr. Es ist ein Free-2-Play Game, jedoch können Spieler Spielerweiterungen, Skins, Einrichtungen und ähnliches dazukaufen. So haben wir etwa ein Küchenmodul installiert, wodurch der Spieler karibische Gerichte lernt. Durch diese In-Game-Käufe generieren wir unsere Erlöse wovon wir 30 Prozent des Nettoerlöses mit den Non-Profit-Organisationen teilen, die die Karibik wieder aufbauen. Wir nennen das "sustainable source of income for non-profits" und für die Spieler ist das ein "playful path to social impact". Das Spiel ist seit kurzem auch in Deutschland verfügbar und konnte bereits 100.000 Downloads generieren. Ende März wird "Paraiso Island" dann auch in Asien erscheinen.

GamesMarkt: Euer Spiel geht also auf Naturkatastrophen der letzten Jahre ein. Wie schnell kann One Earth Rising auf aktuelle Ereignisse reagieren?

Jan Rößner: Wir bieten Game-as-a-service an. Das heißt, wir haben ein internes Entwicklerteam, das ständig an neuen Inhalten für arbeiten, wie an neuen Gegenständen, Quests, etc. Als der Sturm auf den Bahamas wütete, haben wir zum Beispiel einen Bahamas Waschbären gebaut und diesen in das Spiel als Extra integriert. Mit dem Verkauf dieser kleinen Extras können wir unserem Partner, All Hands and Hearts, die ein Projekt haben das sich für die Bahamas engagiert, helfen. So können wir sehr schnell auf aktuelle Geschehnisse reagieren. Ein weiteres Beispiel waren die Buschfeuer in Australien. Hier haben wir einen kleinen Feuerwehrmann konzipiert. Spieler, die diese Erweiterung kaufen, können somit direkt zur Bekämpfung der Buschfeuer in Australien beitragen. Solche Updates können schon innerhalb einer Woche veröffentlicht werden. "Paraiso Island" war zu Beginn eigentlich für die Karibik-Situation konzipiert und ist in kürzester Zeit zu einem gesamten Desaster-Relief-Game geworden. Über diesen einen Kanal generieren wir bereits nennenswerte Spenden für die NGO's. Natürlich müssen wir auch weitere Partner suchen und mit deren Hilfe weitere Games entwickeln.

GamesMarkt: Es klingt so, als würde sich One Earth Rising auf Naturkatastrophen fokussieren. Momentan sind die Nachrichten zwar von keiner Naturkatastrophe per se voll, jedoch vom Coronavirus. Ist für so einen Fall auch ein Projekt geplant bzw. berücksichtigt One Earth Rising auch Krankheiten und dergleichen?Jan Rößner: Naturkatastrophen sind tatsächlich unser erster Schritt jedoch nicht unser Mantra. Wir sind offen für alles was wir in der Welt Gutes tun können. Social Impact ist hier das perfekte Wort, denn egal ob Coronavirus, Armut, Krisenbekämpfung oder Plastik im Ozean, das hat alles Einfluss auf die Gesellschaft. Unsere Maßgabe ist, in Kooperation mit unseren Investoren und Partnern, dass jedes Spiel das wir bauen immer auf eine Art und Weise einen Social Impact haben muss. Das mindeste was wir tun können ist Geld zu sammeln und an Non Profit Organisationen zu spenden. Mir kribbeln seit Monaten schon die Finger, lange bevor das Thema Coronavirus aufkam, viel mehr im medizinischen Bereich zu machen. Meine Vision ist eine Art "World of Warcraft" nur im Körper.