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Update: Wie die Gamesbranche mit dem Coronavirus umgeht

Das Coronavirus verändert auch das Arbeiten in der GamesBranche. GamesMarkt hörte sich bei einigen Unternehmen wie CipSoft, Headup Games, Yager, My.Games und Square Enix um.

20.03.2020 11:08 • von

Der Coronavirus ist das bestimmende Thema in Deutschland und verändert überall des Arbeitsalltag. Die Gamesbranche bildet da keine Ausnahme. Auch GamesMarkt befindet sich derzeit kollektiv im Home Office und hat sich in der Branche umgehört, wie die anderen Firmen mit der momentanen Situation umgehen:

CipSoft- Benjamin Zuckerer, CEO

CipSoft hat bereits seit dem Ausbruch in Italien die Situation beobachtet und dementsprechend schnell reagieren können. Die erste Maßnahme war, Dienstreisen außerhalb Regensburgs einzustellen sowie für erhöhte Hygienemaßnahmen in der Firma zu sorgen. "Es wurde mehr desinfiziert, die Türklinken wurden öfter gereinigt, Desinfektionsmittel an alle Arbeitsplätze verteilt und so weiter", erklärt CEO Benjamin Zuckerer. Seit vergangenen Sonntag entschied sich das Unternehmen dann auch, alle Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken. "Unser Geschäftsmodell und viele Prozesse im Unternehmen sind ohnehin bereits komplett digital, womit der Umstieg auf Homeoffice vergleichsweise gut und einfach abbildbar war." Nur ein paar wenige Prozesse werden momentan im Firmensitz in Regensburg durchgeführt, so etwa die Annahme von Lieferungen oder das Wechseln der Sicherungsbänder.

Auf die Frage, ob die Nutzung der Onlinegames durch die allgemeinen Quarantänemaßnahmen auch bei CipSoft angestiegen sei, antwortete Zuckerer: "Wir können bestätigen, dass in Ländern mit einer Ausgangssperre die Aktivität in unseren Spielen deutlich zunimmt. Aktuell können wir das in Spanien beobachten." Spieler- und Umsatzstarke Länder wie Brasilien, Polen und Schweden seien nicht so stark betroffen, weshalb sich hier auch keine größeren Veränderungen abzeichnen würden.

Nur weil die Nutzerzahlen steigen heiße das aber noch lange nicht, dass auch die Umsätze steigen, die Entwicklung der Wirtschaft mache dem Unternehmen durchaus Sorgen. Jedoch sagt Zuckerer, dass ihr Geschäftsmodell nicht von der Pandemie beeinträchtigt werde. "Das nimmt unseren Mitarbeitern aktuell sehr viele Sorgen und lässt und weiterhin recht positiv in die Zukunft blicken. Die erhöhte Spieleaktivität führt momentan auch zu leicht höheren Umsätzen, wobei noch unklar ist wie sich das in den nächsten Wochen entwickeln wird."

Headup - Gregor Ebert, PR Manager

Auch Headup Games hat seine Mitarbeiter zum großen Teil ins Homeoffice geschickt. "Außer drei Personen in getrennten Räumen machen jetzt alle Mitarbeiter Home Office, dank VPN-Verbindung läuft das auch recht reibungslos", sagt Gregor Ebert, PR Manager bei Headup Games. Was für Folgen die Krise auf das Geschäft von Headup Games haben wird, kann im Moment noch nicht gesagt werden, jedoch sieht Ebert einen generelles Umdenken durch die Krise in naher Zukunft. "So würde es mich z.B. nicht wundern, wenn Messen und auch klassische Pressetouren nach diesem erzwungenen Feldversuch auch in der Zukunft häufiger online stattfinden werden. Ich denke, diese Krise wird uns generell viele eingefahrene Dinge überdenken und neu sortieren lassen", sagt Ebert. Für Ebert und Headup Games ist im Moment die Solidarität in der Branche weiterhin sehr hoch.

Yager Development GmbH Berlin

Bei Yager Development konnte ebenfalls in kürzester Zeit auf die Situation reagiert werden. Von der Geschäftsleitung wurde sehr früh Homeoffice für das gesamte Unternehmen angeordnet. "Die Meldungen aus dem Ausland waren zu alarmierend, um ein Risiko einzugehen. Gesunde Mitarbeiter zu haben, die mehr oder weniger entspannt ihre Arbeit von zu Hause erledigen, war für Yager am Wichtigsten", so die Aussage aus dem Hause Yager.

Da nun vermehrt Menschen zu Hause bleiben steige auch die Mediennutzung allgemein, was laut Yager auch dazu führt , dass die Nutzung ihrer Onlinegames steigt. "Ja, wir können dies bestätigen, und ich denke, das ist auch verständlich. Aber wenn wir tauschen könnten, dann hätten wir logischerweise lieber weniger Spieler auf unseren Servern und dafür kein bedrohliches Szenario mit dem Coronavirus im täglichen Leben." Auch bekräftigt Yager, dass sie keine Krisenprofiteure seien. So hätten viele Menschen ihr Geld etwa zum Befüllen des Kühlschranks genutzt. "Das tolle, neue Kostüm für den Ingame-Avatar dürfte zur Zeit die unterste Priorität für unsere Spieler haben - und das ist auch richtig so."

MyGames Amsterdam - Volker Boenigk, General Manager

Für My.Games aus Amsterdam, die in acht Ländern 1.800 Mitarbeiter haben, ist es wichtig, alle Regularien und Empfehlungen der einzelnen Regierungen zu unterstützen und zu befolgen. Für alle Niederlassungen entwickelte My.Games daraufhin ein "Arbeiten von daheim"-Regelwerk. "Wir beobachten weiterhin die Auswirkungen unserer neuen Abreitbedingungen und arbeiten eng mit unseren Kollegen, um den Übergang so effektiv wie möglich zu gestalten - aber in erster Linie sind wir erstmal froh, dass unsere Mitarbeiter und ihre Kollegen in Sicherheit sind", sagt Volker Boenigk, General Manager für My.Games in Amsterdam.

Wie bei anderen Onlinegames-Entwicklern steigen in Folge des Coronavirus abuch die Spielerzahlen bei Titeln von My.Games. "Wir sehen an allen Stellen Wachstum, vor allem die PC- und Konsolengames in den USA und Europa zeigen erhöhte tägliche Nutzerzahlen. Auch in Russland nehmen die Zahlen langsam zu." My.Games hält währenddessen auch ihren Release-Kalender ein und haben in dieser Woche mit "World Above" und "Dino Squad" gleich zwei Mobilegames veröffentlicht. "Es tröstet uns zu sehen, dass wir dazu beitragen, Menschen zu unterhalten, während sie zuhause bleiben, um die Verbreitung des Virus einzuschränken", so Boenigk. Mit der geplanten Aktion #HouseboundHeroesMarathon will My.Games die Spieler weltweit supporten, die Menschenleben schützen, indem sie zuhause bleiben.Für My.Games ist der Anstieg der Nutzerzahlen zwar ersichtlich, jedoch seien die Gründe dafür vielfältig. "Die Coronavirus-Pandemie betrifft nahezu alle Menschen auf der Welt, wer zuhause bleiben muss, muss seine Verhaltensmuster sowohl in Sachen Arbeit als auch Freizeit stark ändern. Wir unterstützen unsere Spieler dabei - Boni, Extras und Rabatte sind das wenigste, was wir tun können."

Square Enix - Phil Rogers, CEO America und Europa

Auch Square Enix' CEO Phil Rogers meldet sich mit einem Statement zu Wort. Das Unternehmen habe ebenfalls die Gesundheits- und Sicherheitsrichtlinien der regionalen Gesundheitsbeamten befolgt und deshalb im seit Februar nationale und internationale Geschäftsreisen eingeschränkt sowie begonnen die Besuche in den Büros und Studios zu beschränken. "Gleichzeitig begannen wir in der gesamten Square Enix Organisation in Asien, Europa und Nord- und Südamerika daran zu arbeiten, die Mitarbeiter auf die Arbeit von zu Hause aus vorzubereiten. Unsere IT-Teams erhöhten unsere Systeme für die Fernarbeit", so Phil Rogers. Des Weiteren hat das Unternehmen an allen Standorten Richtlinien für Homeoffice eingeführt, sowie in Fällen, in denen Arbeiten aus der Ferne nicht möglich ist, die Bürodichte reduziert und gestaffelte Arbeitszeiten eingeführt.

Bezüglich der Veröffentlichung von "Final Fantasy VII Remake" versichert Square Enix, dass das Veröffentlichungsdatum vom 10. April nach wie vor eingehalten wird. "Unser Ziel ist es zwar sicherzustellen, dass jeder das Spiel am ersten Tag spielen kann, aber es wird immer wahrscheinlicher, dass die Lieferungen in ausgewählten Märkten aufgrund von Unterbrechungen in der Lieferkette und möglichen Schließungen des Einzelhandels aufgrund von staatlichen Quarantänebestimmungen beeinträchtigt werden können."

Update vom 26. März:

Gameforge: Tom Burck, Chief Officer Customers & HR

1. Wie beeinflussen der Coronavirus und die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung des Virus Ihre Arbeitsweise? Welche Maßnahmen haben Sie im Unternehmen ergriffen?

Wir haben hohe Standards und desinfizieren schon in normalen Grippe-Saisons unsere Türgriffe regelmäßig und stellen in allen Waschräumen Desinfektionsmittel bereit. Insofern haben wir zunächst der Corona-Problematik gelassen entgegen gesehen - als aber die ersten Ausgangssperren in China bekannt wurden, fingen wir im Stillen an zu prüfen, ob die Firma fit für einen Betrieb aus dem Homeoffice ist - und was dafür getan werden muss. Die Bilder aus Italien und der hervorragende Artikel von Tomas Pueyo veranlassten uns dann am Donnerstag, den 12. März, die komplette Firma ins Homeoffice zu schicken. Bereits am Nachmittag nahmen die meisten die Arbeit wieder auf, am Ende des darauffolgenden Tages war der Prozess komplett abgeschlossen. Wir nennen es Projekt "Homeforge".

2. Die Nutzung von Onlinegames steigt angeblich infolge der Coronavirus-Krise. Können Sie dies für Ihre Titel bestätigen?

Die Nutzung geht quer durch das gesamte Gameforge-Portfolio nach oben: Sowohl bei neueren Titeln wie Kingdom under Fire 2 als auch bei Klassikern wie Nostale oder Ogame.

3. Welche Folgen hat die Krise für Ihr Geschäft?

Die Auswirkungen auf unser Geschäft sind noch nicht absehbar. Wir bieten weltweit Spiele an, die Effekte unterscheiden sich von Land zu Land - und was heute gut aussieht, kann morgen einbrechen. Wir sehen uns in der Verantwortung, für unsere Spieler und unsere Mitarbeiter Stabilität zu bieten, das steht über allem. Die Spiele von Gameforge sollen unseren Fans Ablenkung, Spaß und Unterhaltung bieten - und sollen Orte sein, an denen man sicher mit Freunden und Gleichgesinnten interagieren kann.