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Jugendliche peilen traditionelle Berufe an

Laut einer Sonderauswertung der aktuellen PISA-Studie stehen Jobs wie Lehrerin, Arzt, Ingenieur immer noch ganz oben auf der Liste der Mehrheit von Jugendlichen. Die Berufsziele haben sich im Zuge der Digitalisierung demnach kaum verändert.

23.01.2020 13:53 • von

Jugendliche, sowohl männlich als auch weiblich, bevorzugen klassische Jobs. Das geht aus einer Sonderauswertung der aktuellen PISA-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor.

Durchgeführt wurde die Studie mit 15-jährigen Teilnehmern. Auf die Frage hin, welchen Beruf sie mit bis zu ihrem 30. Lebensjahr auszuüben verhoffen, gaben 47 Prozent der Jungen und 53 Prozent der Mädchen an, in einem von insgesamt nur zehn Jobs arbeiten zu wollen. Auffällig ist die Auswahl der Berufe, die, laut einem Statement des OECD, typische Jobs aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammen könnte. Arzt, Lehrer, Tierarzt, Business Manager, Ingenieur und Polizist finden sich hier in der Top Ten. Damit scheinen die Karriereambitionen von Jugendlichen kaum von der Digitalisierung und den sozialen Medien beeinflusst worden zu sein.

Auf dem Wirtschaftsforum in Davos sagte OECD Education Director Andreas Schleicher dazu: "Die Studie zeigt, dass zu viele Teenager sich der neuen Arten von Jobs, die durch Digitalisierung entstehen, nicht bewusst sind, oder sie ignorieren."

Problematisch ist hier, dass viele dieser Berufe nicht nur traditionell sind, sondern möglicherweise bald nicht mehr vorhanden sein werden. Der OECD rechnet damit, dass 39 Prozent der genannten Berufe dem Risiko unterliegen, in zehn bis 15 Jahren durch Automatisierung wegzufallen. Dieses Risiko sieht man hierzulande bei über 45 Prozent.

Es ist also notwendig, Schüler und Schülerinnen frühzeitig mit dem Arbeitsmarkt und der Bedeutung dessen Wandels vertraut zu machen. Hierbei können Praktika, Jobmessen oder Workshops helfen, wie beispielsweise die neue Initiative der Stiftung Digitale Spielekultur.

Die Fokussierung auf nur wenige Berufe hat sich damit seit PISA 2000 um einige Prozentpunkte erhöht. Auch in Deutschland ist dies zu beobachten, allerdings sind die Berufswünsche hierzulande im Durchschnitt doch etwas vielfältiger. Nur etwa vier von zehn Schülerinnen und Schüler nannten einen der zehn am häufigsten genannten Jobs. Ebenso verhält es sich in Österreich und der Schweiz.

Bei den leistungsstärkeren Teilnehmern und Teilnehmerinnen, die aus privilegierten Verhältnissen kommen, ist diese Zahl im Vergleich höher. Sie nannten viermal häufiger ambitionierte und mit höherer Bildung verbundene Berufsziele. Gleichzeitig ist es auffällig, dass in Deutschland und Österreich gerade viele leistungsstarke Schüler und Schülerinnen keine tertiäre Ausbildung anstreben. Das könnte laut OECD daran liegen, dass man hier die duale Ausbildung als gute und ausreichende Bildungsvariante geschätzt wird.

Die Berufsvorstellung zwischen den Geschlechtern unterscheidet sich allerdings auch weiterhin deutlich. Jungen, die im Rahmen der PISA-Studie gut in Mathematik und den Naturwissenschaften abschnitten, interessierten sich häufiger für Berufe in diesem Bereich, während Mädchen die gut abschnitten, Jobs im Gesundheitswesen anstrebten.

Zu der OECD-Studie geht es hier.