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ProjectMaker: "Gamification wird in Deutschland noch mit Skepsis begegnet"

ProjectMaker-Geschäftsführer Daniel März und sein Kollege Sebastian Schmidt sprechen über die Schwierigkeiten vom Wechsel zwischen B2B-Softwareentwicklung und Videospielentwicklung.

02.12.2019 12:14 • von

So offen und freundschaftlich die Gamesbranche ist, der Einstieg gestaltet sich für Neueinsteiger doch schwierig. Das liegt vor allem an den oft hohen finanziellen Anforderungen, die Spielentwicklung, Veröffentlichung und Vermarktung mit sich bringen. Staatliche bzw. Bundesstaatliche Förderungen können natürlich nicht alle bekommen, deshalb bedienen sich viele Einsteiger, aber auch etablierte Entwickler, oft anderer Tools, um ihrem Traum vom Spieleentwicklerdasein näher zu kommen. Nebenher als Softwareentwickler Auftragsarbeiten erledigen sowie Kickstarter-Kampagnen sind gerade wohl die verbreitetesten Methoden. Doch auch diese bringen Tücken mit sich. Daniel März hat mit seiner Firma ProjectMakers beides am eigenen Leib erfahren.

Der Programmierer ist 2016 mit seiner Firma ProjectMakers vollzeitig in die Softwareentwicklung eingestiegen und erledigte vor allem Aufträge im Bereich Business-to-Business. Nun möchten er und sein Kollegen Sebastian Schmidt sich aber voll und ganz auf ihr Leidenschaftsprojekt "Azura - The Two Views of a World", ein mittelalterliches Fantasy-RPG, konzentrieren. Sämtliche Ersparnisse laufen gerade in dieses Projekt und die gegründete Kickstarter-Kampagne. Damit ging ProjectMakers am 8. November live. Doch bis dahin war es ein turbulenter Weg. Die beiden Entwickler machten schlechte Erfahrungen mit einem Werbeunternehmen, das ihnen bei der Aufbereitung und Vermarktung der Kickstarter-Kampagne helfen sollte. Doch kurz vor knapp wurden sie fallen gelassen und mussten alles selbst in die Hand nehmen. "Wir haben uns mittlerweile viele professionelle Meinungen eingeholt", erzählt März. "Nicht nur zur Kampagne, sondern auch zu unserem Spiel selbst. Die Resonanzen sind soweit sehr gut. Wir haben jetzt auch schon einige Fehler entdeckt, die uns daran hindern, dass die Kampagne weitergeht. Da nehmen wir gerade Änderungen vor."

Aktuell nutzen die beiden ihre, zugegebenermaßen noch wenigen, Kontakte, um ihr Projekt weiter zu vermarkten. Dabei haben sie für sich festgestellt, dass die Arbeit mit Mikroinfluencern, mit einer spezifischen, passenden Zuschauerschaft, schon deutlich erkennbare Verbreitung bringt. Der YouTuber Let'sGameDev (fast 29 Tausend Abonnenten) machte beispielsweise ein kurzes Video zu "Azura". "Da hat man direkt gemerkt, dass so ein 'kleinerer' Influencer auf jeden Fall schon einen Schub bringt. Durch sein Video bekamen wir etwa 200 Klicks auf unsere Webseite, davon 50 bis 60 auf die Kickstarter-Seite."

Das Kickstarter-Ziel liegt jedoch bei 70.000 Euro, von dem das junge Studio noch weit entfernt ist. Natürlich wollen die beiden Entwickler aber noch nicht das Handtuch hinwerfen. Auch wenn sie sich entschieden haben, sich auf "Azura" zu konzentrieren, und keine weiteren B2B-Software-Aufträge anzunehmen, sind sie bereit, gelegentlich solche Arbeiten zu erledigen, um ihr Spiel zu finanzieren. Doch hier zeigt sich leider das Stigma, das noch immer auf Videospielen und damit auch der Spielebranche lastet.

"Gamification wird in Deutschland noch mit Skepsis begegnet", meint März. "Viele Arbeitgeber sind noch immer der Meinung, dass Spielen nichts mit Arbeit zu tun hat. Hier vergrault man sich die Kunden, wenn man Games macht oder das Wort Gamification verwendet". Für einen potentiellen lukrativen Auftrag eines Unternehmens wurde ProjectMakers tatsächlich abgelehnt, weil das Studio sich "zu sehr auf Spiele konzentrieren würden". "Das könne man sich in der Business-Sparte nicht vorstellen", zitiert Schmidt. März versuchte auch einen Kredit bei einigen Banken anzufragen, um "Azura" zu finanzieren, doch auch hier wurde er vor den Kopf gestoßen. Sowohl von der Sparkasse und der Raiffeisenbank wurde er, trotz ordentlich zusammengefassten 40-seitigen Business-Plan abgelehnt mit der Begründung: "Spieleentwickler werden bei uns grundsätzlich nicht gefördert, denn das will jeder machen und keiner kommt dabei gut raus."

Aktuell konzentrieren sich März und Schmidt also darauf, ihre Kampagne auf Kickstarter voranzubringen, indem sie Influencer für Kooperationen anfragen und sich in diversen Foren präsentieren.

Natürlich müssen sie aber auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass das notwendige Geld für die Fertigstellung von "Azura" nicht reinkommt. Da sie ihr Projekt selbstständig und ihren eigenen Vorstellungen entsprechend stemmen wollten, hatten sie die Suche nach einem Publisher lange zurückgestellt. Vor allem auch aus Angst, das ihr Spiel dann "auf Umsatz optimiert werden würde", beispielsweise durch Lootboxen und Skins, und das wollten sie vermeiden. Doch langsam öffnen sie sich auch dieser Option und suchen bereits vorsichtig nach einem passenden Partner.

Hier geht es zur Kickstarter-Kampagne für "Azura - The Two Views of a World". Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Story beläuft sich die erreichte Summe auf 3.235 Euro.