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Seehofer will Gamer-Szene ins Visier nehmen, Verbände wehren sich

In einem Teaser auf die Sendung "Bericht aus Berlin" spricht sich Bundesinnenminister Horst Seehofer im Hinblick auf rechte Attentäter dafür aus, die Gamerszene stärker ins Visier zu nehmen. game und ESBA wehren sich gegen einen Generalverdacht gegen Gamer.

13.10.2019 14:33 • von
Im Interview mit der ARD spricht Bundesinnenminister Horst Seehofer davon, die Gamer-Szene stärker in den Blick zu nehmen (Bild: Screenshot des Teasers)

Stunden vor der Ausstrahlung der eigentlichen Sendung "Bericht aus Berlin" der ARD wurde diese mit einem Videoschnipsel angekündigt, der die Gamer und Gamesverbände Deutschlands in Aufruhr brachte. Der Teaser wurde unter anderem von der ARD selbst auf Twitter gestellt und zeigt den Ausschnitt eines Interviews mit Bundesinnenminister Horst Seehofer.

Seehofer knüpft dabei eine Verbindung zwischen Rechtsterroristen und der Gamerszene. "Viele von den Tätern oder den potenziellen Tätern kommen aus der Gamer-Szene", sagt der Bundesinnenminister. Man müsse genau hinschauen, ob es noch Spiel sei oder schon eine verdeckte Planung für einen Anschlag. "Und deshalb müssen wir die Gamer-Szene stärker in den Blick nehmen." Mit diesen Worten Seehofers endet der Teaser.

Worte, die Gamer und Gamesbranche stark an die Killerspieldebatte nach dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium erinnern. Wohl auch deshalb reagierten die Verbände game und ESBD noch ehe die Sendung und damit das vollständige Interview ausgestrahlt wurde. Sie werfen dem Innenminister vor, die Gamer-Community unter Generalverdacht zu stellen, und bewerten es als politisches Ablenkungsmanöver.

"Die Games-Community unter einen Generalverdacht zu stellen, zeugt vor allem von Unkenntnis und Hilflosigkeit und lenkt von den wirklichen gesellschaftlichen und politischen Ursachen für solche Taten ab. Games sind längst zu einem festen Bestandteil des Alltags Millionen Deutscher geworden, fast jeder zweite hierzulande spielt. Eigentlich müsste jedem längst klar sein: So wenig wie man Filme oder Bücher für Hass und Gewalt verantwortlich machen kann, so wenig sind Games und ihre Community hierfür die Ursache. Stattdessen haben wir in Deutschland ein beängstigendes Problem mit Rechtsextremismus. Der Bundesinnenminister sollte nicht hilflos einem Medium und dessen Community die Schuld geben, sondern aktiv die gesellschaftlichen Probleme der Radikalisierung und zunehmenden Fremdenfeindlichkeit angehen, die zu solchen furchtbaren Taten wie in Halle führen", sagt Felix Falk, Geschäftsführer des game.

Und Hans Jagnow, Präsident des eSport Bund Deutschland ergänzt: "Fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung spielt Videospiele, als Freizeitvergnügen oder im friedlichen Wettstreit. Wenn Innenminister Seehofer jetzt eine stärkere Überwachung von Gamerinnen und Gamern fordert, stellt er damit Millionen von Menschen unter Generalverdacht. Das lehnen wir konsequent ab und erwarten eine sachgerechten Positionierung durch den auch für eSport zuständigen Minister. Gerade in diesen Zeiten müssen wir als demokratische Gesellschaft zusammenstehen und uns entschieden gegen den rechten Terror aussprechen, anstatt uns mit solchen Unterstellungen spalten zu lassen.Der Terrorakt von Halle hatte offensichtlich eine antisemitische, rassistische und menschenfeindliche Motivation. Der mutmaßliche Täter missbrauchte dabei verschiedene popkulturelle Elemente und Technologien für seine Morde. Videospiele und ihre Spielerinnen und Spieler für die Tat verantwortlich zu machen, lenkt von den sozialen und politischen Ursachen solcher Taten ab. Eine verantwortungsvolle Innenpolitik sollte stärker gegen rechtsterroristische Netzwerke, gesellschaftliche Radikalisierung und ihre geistigen Brandstifter vorgehen."