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#BoycottBlizzard - Publisher im Kreuzfeuer

Mit dem Rausschmiss des eSportlers Chung aus den "Hearthstone"-GrandMasters zieht Blizzard den Groll seiner Fans in sämtlichen sozialen Netzwerken auf sich. Es wird zu einem Boykott aufgerufen.

09.10.2019 16:52 • von

Backlash für Blizzard. Der Publisher hat mit seiner Disqualifizierung von "Hearthstone"-Spieler Ng Wai Chung (blitzchung) aus der aktuell laufenden asiatisch-pazifischen Turnierreihe GrandMaster 2019 den Zorn von Fans auf sich gezogen. In den sozialen Netzwerke, beispielsweise im Blizzard Subreddit, ruft man zu einem Boykott von Blizzard auf, der mit dem entsprechenden Hashtag #BoycottBlizzard auf Twitter trendet. Nutzer zeigen unter anderem Screenshots davon, wie sie Spiele des Publishers deinstallieren.

In einem Nachspielinterview im Rahmen des GrandMaster-Livestreams am vergangenen Wochenende äußerte sich der eSportler Chung aus HongKong zu der politischen Situation in seiner Heimat. Das Originalvideo ist nicht mehr online, auf Inven Global ist der Ausschnitt des Interviews noch zu sehen. Darin ruft Chung auf Chinesisch aus: "Liberate Hong Kong, revolution of our age!" Daraufhin wurde der "Hearthstone"-Profi aus dem Turnier geworfen und seine Preisgelder einbehalten. Weiterhin ist Chung ein Jahr lang aus der Teilnahme an sämtlichen "Hearthstone"-Turnieren ausgeschlossen.

In einem Blogeintrag begründete Blizzard diese Entscheidung mit einem Verweis auf seine Turnierregelungen. Dort ist festgelegt, dass das Unternehmen bei Imageschädigung das Recht hat, die Teilnehmer rauszuwerfen. In einem abschließenden Absatz betont Blizzard nochmal, dass der Publisher die Meinungsfreiheit klar vertritt, die Wettkämpfer sich jedoch auch an die offiziellen Regeln halten müssen.

In den sozialen Medien wird dem Publisher vor allem vorgeworfen, mit dem Rausschmiss von blitzchung nicht nur die Meinungsfreiheit zu missachten, sondern sich damit auch indirekt hinter die chinesische Regierung zu stellen. HongKong leidet seit Monaten an Massenprotesten, die durch das Auslieferungsgesetz im Juni gestartet wurden. Die Lage eskaliert mehr und mehr.

Damit steht die Gamesbranche vor demselben Problem wie der klassische Sport, die Musikszene und die Filmbranche. Wie politisch dürfen eSportler sein? Blizzard berief sich nach seiner Entscheidung zwar auf sein Regelwerk, die Frage bleibt aber, ob die Äußerungen von Chung tatsächlich als Image-Schädigung gelten oder ob politische Äußerungen allgemein als solche eingestuft werden und wenn ja, wieso. Schließlich zeigt der Online-Backlash klar, dass sich gerade der Rauschschmiss von Chung eher negativ auf das Image des Publishers auswirkte.