Games

Falk: Noch ist nichts verloren in Sachen Förderung

Mit jeder Woche die vergeht steigt die Unsicherheit in der Branche was die Zukunft der Bundesförderung von Games betrifft. Im Interview erklärt game-GF Felix Falk, warum das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen ist, dass die Branche im November Klarheit haben wird und was jeder in der Branche tun kann, um Verband und Branche beim Thema Förderung zu unterstützen.

09.10.2019 11:31 • von
Felix Falk, Geschäftsführer des game: "Ich bin überhaupt nicht entmutigt, sondern wir kämpfen auf allen Ebenen für die Förderung" (Bild: game/Dirk Mathesius)

GamesMarkt: In der Bundestagsdebatte um den Haushalt des Bundesverkehrsministeriums 2020 wurde die Games-Förderung überhaupt nicht angesprochen und auch sonst ist nichts Konkretes zu hören. Ist der Kampf um die Förderung schon verloren?

Felix Falk: Noch ist überhaupt nichts verloren. Es sollte auch niemanden verunsichern, dass in der Bundestagsdebatte zum Haushalt des Bundesverkehrsministeriums die Games-Förderung keine Rolle gespielt hat. Diese Debatte war lediglich der Auftakt des Verfahrens. Außerdem geht es hier vor allem um die großen Projekte, die viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bekommen. Bei einem Gesamtetat des Bundesverkehrsministers von knapp 30 Milliarden Euro sind die 50 Millionen Euro Games-Förderung ein eher kleinerer Posten. Zudem war bereits im Juni klar, als der Regierungsentwurf des Haushalts veröffentlicht wurde und die 50 Millionen fehlten, dass wir erst Mitte November die finale Entscheidung kennen werden. Dann ist mit der sogenannten Bereinigungssitzung das parlamentarische Verfahren zum Haushalt inhaltlich abgeschlossen und genau darauf kommt es jetzt an. Insofern bin ich überhaupt nicht entmutigt, sondern wir kämpfen auf allen Ebenen für die Förderung. Allein auf der gamescom konnten wir viel Unterstützung erreichen. Hier haben sich viele Politikerinnen und Politiker aus allen Parteien deutlich für die Förderung positioniert. Gleiches gilt für die vielen Gespräche, die wir seit der gamescom geführt haben. Ich bin und bleibe daher optimistisch.

Das Bundesverkehrsministerium veröffentlichte erstmals Zahlen zu den Antragstellern der Förderung: 380 Projektvorschläge für die Pilotphase und noch einmal 295 Unternehmen, die bereits mit konkreten Projekten auf die finale Förderrichtlinie warten. Reichen die im Haushalt eingeplanten 50 Millionen Euro überhaupt aus?

In diesem Jahr sind wir froh, dass trotz des späten Starts wohl doch noch ein Großteil der 50 Millionen Euro für 2019 über die Pilotphase ausgeschüttet werden können. Für den nächsten Schritt braucht es die langfristige Fortschreibung der Mittel, die EU-Notifizierung der finalen Richtlinie und das Anlaufen aller Prozesse. Und dann müssen die Unternehmen auch noch ausreichend Kapazitäten haben, um die ganzen Spiele zu entwickeln. Insbesondere die Verfügbarkeit von Fachkräften wird dabei ein zentrales Thema in den nächsten Jahren werden. In unserem Fördermodell haben wir bereits deutlich gemacht, dass das Förderbudget über die Jahre steigen muss. Aber für den Anfang sollten wir bei den 50 Millionen Euro bleiben und abwarten, wie die Förderung insgesamt anläuft. Es ist mir wichtig, dass wir als Verband der deutschen Games-Branche ein verlässlicher Partner sind und zu unserem Wort stehen.

Im Netz formulieren Einzelne aus der Games-Branche mittlerweile sehr deutlich, dass es ihnen an Unterstützung fehlt und fordern ein lauteres Auftreten gegenüber der Politik - auch vom Verband. Wird der game seine Strategie verändern müssen?

Ich verstehe, dass sich viele in der Branche wünschen, dass es schneller vorangeht. Die positive Aufbruchstimmung mit der beschlossenen Games-Förderung gleich wieder zu dämpfen, indem sofort wieder die Mittel infrage gestellt werden, ist das Gegenteil von verlässlicher Politik und ärgert auch mich selbst sehr. Aber was muss die Konsequenz für uns als Branche und Verband sein? In einem komplexen politischen Entscheidungsprozess, in dem es um Mehrheiten geht, führt kein Weg daran vorbei, immer weiter Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit zu leisten und für unsere Anliegen zu werben. Auf Facebook rumzupoltern oder die Politik pauschal abzukanzeln, hilft da überhaupt nicht weiter. Im Gegenteil, bei so manchen Debatten kann ich nur hoffen, dass sie kein Politiker sieht, sonst überlegt er sich zwei Mal, ob er sich für so eine Branche einsetzen will. Jeder, der sich ärgert, dass die Bedeutung von Games nicht genügend anerkannt wird, sollte einen sachlichen Brief an seine Bundestagsabgeordneten schreiben und um Unterstützung bitten. Damit lässt sich deutlich mehr erreichen. Wir haben es von einer Verbotsforderung von "Killerspielen" im Koalitionsvertrag 2005 zur Einführung einer Games-Förderung in Höhe von 50 Millionen Euro rund 10 Jahre später geschafft. Auch wenn ich mir oft schnellere Prozesse wünsche - insgesamt ist das ein enormer Fortschritt!

Was kann jede oder jeder Einzelne grundsätzlich tun, um die Politik in Sachen Förderung zu überzeugen?

Es steigert die Erfolgsaussichten deutlich, wenn nicht nur wir als Verband die Forderungen der Games-Branche in den politischen Prozess einbringen, sondern auch mehr Unternehmen oder Einzelpersonen sich proaktiv beteiligen. Sinnvoll ist es beispielsweise mit der Abgeordneten oder dem Abgeordneten seines Wahlkreises Kontakt aufzunehmen und auch mal zu sich einzuladen. Oder zu Veranstaltungen zu gehen und dort für uns als Zukunftsbranche zu werben. Wer konkrete Ideen hat oder Unterstützung braucht, kann sich sehr gerne jederzeit bei uns melden!

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