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"Astellia": Der Weg in den Westen

Pay-to-win und Genderlocks - wie Barunson E&A sein koreanisches MMORPG "Astellia" für den westlichen Markt stark gemacht hat.

02.10.2019 09:30 • von

Seit dem 27. September ist das koreanische MMORPG "Astellia" auch auf dem westlichen Markt verfügbar. Das dahinterstehende Unternehmen hat sich in Korea zwar schon einen Namen als Entwickler und Publisher machen können, hierzulande steht Barunson E&A aber noch am Anfang seiner Karriere. Mit Hilfe seiner jungen Tochterfirma in Nordamerika soll "Astellia" nun ein erster Schritt zu einer stärkeren Präsenz im Westen sein.

Inklusive seines amerikanischen Ablegers, der als BE&A Corp. bekannt ist, gehören noch drei weitere Studios zu Barunson E&A. Der Mobile-Entwickler NX Games, die VR-Firma EVR Studio sowie eben der "Astellia"-Entwickler Studio 8. Letzteres sitzt sogar im selben Gebäude wie der Mutterkonzern, was einen schnellen Austausch zwischen den Entscheidern ermöglicht. Während "Astellia" in Südkorea von Publisher Nexon betreut wird, wollte das Unternehmen die Verantwortung im westlichen Markt in Hände übergeben, die sich mit diesem auskennen. Diese Aufgabe fiel im Jahre 2017 Wes Conner zu.

"Barunson E&A kam vor etwa zwei Jahren auf mich zu", so der CEO und Lead Producer. "Vor etwa vier Jahren, als ich noch bei einer anderen Firma arbeitete, hatte ich bereits Interesse daran, das Spiel zu übernehmen. Mein damaliger CEO hatte allerdings kein Interesse an einem solchen Spiel und war auf der Suche nach etwas anderem. Ich behielt es aber seither immer im Auge. Als ich dann den Anruf von Barunson E&A bekam, machte ich mich sofort auf den Weg nach Südkorea um das Team zu treffen."

Conner ist bereits seit knapp zehn Jahren in der Branche tätig. Zuvor arbeitete er unter anderem zunächst als Community Manager und später als Project Manager für "Black Desert Online" von Kakao Games. Er hatte also schon einige Erfahrungen damit gemacht, koreanischen Content für den Westen tauglich zu machen. Als er sich mit Barunson E&A und dem Team von Studio 8 traf, wusste Conner bereits, dass das Spiel sich für den westlichen Markt eignen würde. Vor allem die Entwicklung, die das Spiel über die Jahre hinweg gemacht hatte, gefiel ihm, da man sich während dieser Zeit von einem Trading-Card-Game, also Sammelkartenspielsystem weg bewegt hatte. Dennoch gab es noch einiges zu tun, bevor das Spiel im Westen erscheinen würde. Zu diesem Zweck wurde 2018 die BE&A Corp. als offizieller Übersee-Standort von Barunson E&A eröffnet. Laut Conner ist das Studio in Irvine, Kalifornien so etwas wie der globale Publishing-Arm des Mutterkonzerns.

Conner startete als Project Manager für "Astellia", übernahm kurze Zeit später aber auch die Position des Geschäftsführers der BE&A Corp. Trotz gesteigertem Arbeitspensums sieht Conner dies als Vorteil. "Ein Producer muss sich normalerweise mit dem CEO absprechen. Auf diese Weise gibt es keinen Mittelmann und die Meetings sind deutlich kürzer", so der Geschäftsführer mit einem Lachen.

Doch auch mit den Entscheidern die in Südkorea sitzen, tauscht sich das nordamerikanische Team regelmäßig aus. Der koreanische Spielemarkt unterscheidet sich deutlich vom westlichen, deshalb wurden einige Änderungen unternommen. Diese mussten natürlich zunächst erklärt und begründet werden. Das begann schon beim Geschäftsmodell von "Astellia. In Südkorea ist das Spiel nämlich Free-to-play. "In Korea hat Free-to-play" einen Königsstatus, das ist dort das ultimative Modell. Buy-to-play ist sehr selten und Abomodelle gibt es eigentlich überhaupt nicht." Gerade das war also ein wichtiger Diskussionspunkt. In der koreanischen Version des Spiels basierte der Umsatz also stark auf In-Game-Käufen, weshalb viele Items nur durch ein Pay-to-win-System erlangbar waren. "Das funktioniert im westlichen Markt nicht", meint Conner. Für Nordamerika und Europa wurde deshalb auf ein Play-to-win-Modell umgestellt, bei dem alle Items erspielbar sind. In-Game-Käufe stehen aber natürlich trotzdem zur Verfügung. In Deutschland ist das Standard-Paket von "Astellia" im Online-Shop also für 29,99 Euro erhältlich.

Ein weiterer wichtiger Aspekt war der sogenannte Genderlock. In der koreanischen Version des Spiels waren einige Klassen nur mit einem bestimmten Geschlecht auswählbar. So können Frauen hier keine Krieger oder Assassinen sein. Für den westlichen Markt werden diese Barrieren aufgebrochen. Die beiden eben genannten Klassen stehen bereits zum Launch für beide Geschlechter bereit, an den anderen Locked Klassen arbeitet das Studio noch.

In der näheren Zukunft liegt der Fokus von Barunson E&A also klar auf "Astellia" und dessen Etablierung im Westen. Doch natürlich arbeiten die Entwicklerstudios unter dem Dach des Unternehmens auch an neuen Projekten. Auch wenn diese ebenfalls zunächst in Südkorea starten werden, haben sie nun mit dem USA-Standort einen direkten Weg in den Westen, denn die BE&A Corp. unter Conner wird für sämtliche Produkte seines Mutterkonzerns als globaler Publisher agieren. Zumindest, wenn sich das Spiel für einen globalen Launch anbietet.

"Wenn das Produkt auch im westlichen Markt funktioniert, dann werden wir es für Barunson E&A veröffentlichen", so Conner. "Aber gleichermaßen, wenn wir wissen, dass es in dieser Region nicht funktioniert, dann können wir das Unternehmen vor einem Fehltritt bewahren."