Personalien

Zwischen Battle Global und Battle Regional

Ein Gastbeitrag im Vorlauf zum gamescom congress von Michael Kellner, Politischer Bundesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen.

20.08.2019 09:00 • von
Michael Kellner von Bündnis 90/Die Grünen ist auch diesmal wieder beim gamescom Debatte(l)e Royale dabei (Bild: gruene.de)

Wie schon in den letzten beiden Jahren freu ich mich riesig, am 21. August wieder in die Politikarena der gamescom zu steigen und an der diesjährigen "Debatt(l)e Royale" für Bündnis 90/Die Grünen teilnehmen zu können.

Ähnlich wie bei dem beliebten Gamegenre wird auch in der Politikarena mit einer vorgegebenen Anzahl an Spielerinnen und Spielern gekämpft - jedoch mit Argumenten und weniger mit Items oder Avataren.

Es gibt - zum Glück - keinen Ausscheidungsmodus wie in Fortnite und Siegestänzchen führen wir im Regelfall auch nicht auf. Und ich muss auch nicht tief in die Tasche greifen, um in den nächsten Battlemodus zu kommen, undurchsichtige Bugs stellen keine Gefahr dar, überteuerte Lootboxen gibt es für dieses Battle nicht. Dass sich die Zusammensetzung der Runden in den vergangenen Jahren stark ähnelte, kennen die Zuschauerinnen und Zuschauer ja auch von den Blockbuster-Publishern.

Da bin ich auch schon beim Thema: wenn es die Gamescom mit ihrem diesjährigen Leitmotto "Gemeinsam sind wir Games" ernst meint, dann muss sie die Vielfalt der Independent-Publisher und ihrer Communities mehr in den Mittelpunkt rücken; ich hoffe, dass dies mit dem neuen "Indie Village" auch gelingt.

Dieses ökonomische Spannungsverhältnis zwischen den ganz großen Playern und den vielen "kleinen Krautern", die irgendwie einen "offenen Port" in den Stores und ?Plattformen finden müssen, spiegelt sich auch in der politischen Debatte wieder.

Einerseits bestimmen internationale Blockbuster das Marktgeschehen im Spielebusiness und die Verbandlobby zählt fleißig Downloads und Verkaufszahlen, gleichzeitig ruft die Branche nach Kulturförderung wie im Film- und Fernsehbereich - auf der Strecke dabei bleiben oftmals die Interessen der Spielerinnen und Spieler.

Natürlich sollte sich die Vielfalt der Spieleszene auch in einer vielfältigen Publisher- und Entwicklerlandschaft wiederspiegeln. Wenn erfolgreiche Games heute auch aus Polen oder der Türkei stammen, spricht das erstmal für die europäische Spielwirtschaft. Aber auch mir macht Sorge, wenn von 100 Euro, die bei uns für Games ausgegeben werden, gerade einmal noch 4,30 Euro bei heimischen Unternehmen verbleiben. Und nicht, weil ich den "Tencents" oder "EAs" dieser Welt den Erfolg nicht gönne, sondern weil ich glaube, dass damit auch unsere Spiel-Community massiv an Einfluss verliert. Deshalb ist es sinnvoll, ähnlich wie bei europäischen Filmen, auch kulturell wertvolle Games durch öffentliche Förderprogramme nach transparenten Kriterien bessere Marktchancen zu eröffnen.

Doch was macht die Bundesregierung? In der Koalitionsvereinbarung 2018 wurde noch vollmundig angekündigt, "seitens des Bundes eine Förderung von Games zur Entwicklung hochwertiger digitaler Spiele einzuführen, um den Entwicklerstandort Deutschland zu stärken". Noch im November letzten Jahres stellte der Bundestag dafür Mittel in Höhe von 50 Millionen Euro zur Verfügung. Doch was ist bislang passiert? Eine zarte und wenig fruchtbare Mini-Förderung auf "De-minimis-Basis" und fehlende Mittel für den Folgehaushalt im Etat des zuständigen Ministers Andreas Scheuer.

Und da wären wir wieder beim "Battle Royal". Im Sinne der hiesigen Spielwirtschaft drücke ich über die Parteigrenzen hinweg Staatsministerin Bär die Daumen, diesen Battle um die Fördergelder doch noch für sich zu entscheiden.

Gastbeitrag von Michael Kellner, Politischer Bundesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen