Games

Riis: "Ziel ist es, stets eine bessere NordicGame zu schaffen als die Vorherige"

Vom 22. bis 24. Mai 2019 findet im schwedischen Malmö erneut die Entwicklerkonferenz NordicGame statt. Wir sprachen im Vorfeld mit dem Cheforganisator der Veranstaltung, Jacob Riis.

17.05.2019 11:52 • von
Programmdirektor Jacob Riis ist auf der NordicGame selbst als Moderator tätig, wie beispielsweise beim hausgemachten Discovery Contest. (Bild: Nordic Game)

Die Entwicklerkonferenz NordicGame wird jährlich in Malmö, Schweden, abgehalten. Kommende Woche ist es bereits wieder so weit, die 16. Auflage der NG 2019 findet statt vom Mittwoch, den 22. bis Freitag den 24. Mai. GamesMarkt hatte im Vorfeld die Möglichkeit mit Programmdirektor Jacob Riis zu sprechen.

GamesMarkt: Riskieren wir einen Blick in die Vergangenheit. Wie zufrieden sind Sie mit dem Resultat der letzten Edition, NordicGame 2018?

Jacob Riis: Sehr zufrieden. Unsere Besucherzahl stieg an und wir verbuchten eine Zunahme an verkauften Tickets. Ich finde außerdem, dass die Veränderungen, wie die Fokusverlagerung und Voraussicht was der Programmablauf für unser Publikum beinhaltet, gut gelungen sind. Zuvor waren wir sehr fokussiert darauf große Namen aus der Industrie für unsere Konferenz zu gewinnen. Dies ist ein Trend, den alle großen Konferenzen derzeit praktizieren. Und nachdem wir eine der ältesten Konferenzen sind, merkte ich, dass es an der Zeit ist den Blickpunkt zu verändern. Das Programm ist nun weitaus zielgerichteter, man könnte auch sagen ernster, denn es richtet sich nun weniger auf inspirative Thematik und mehr auf Themen, die hilfreich sind für das Publikum von NordicGame.

GamesMarkt: Von was für Themen ist da die Rede?

Jacob Riis: Technischen Themen in Bezug auf Game-Design und programmieren. Sprich, von praktischen Beschäftigungen, in denen man besser wird durch Anhörung einer Expertise. Auch, inwiefern Spiele auf uns wirken. Es wird viel darüber gesprochen, dass Games ein starkes Medium sind und viele Möglichkeiten offen halten. Es nun an der Zeit, dass wir diese Botschaft der Branche vermitteln. Denn nur wenn wir Themen wie Gender-Problematik, Arbeitskultur und Abschaffung von der sogenannten Crunch-Time ansprechen, können wir besser werden auf diesen Gebieten.

GamesMarkt: Nachdem wir nun die letzte NG angesprochen haben, möchten wir gerne etwas über die bevorstehende Veranstaltung erfahren. Können Sie einen Ausblick darauf geben, was dieses Jahr auf dem Plan steht?

Jacob Riis: Meine diesjährige Opening-Keynote-Sprecherin unterstreicht das eben erwähnte. Anastasia Opara ist Procedural Artist des schwedischen Embark Studio. Ein Unternehmen, das vor weniger als einem Jahr gegründet wurde, von einem Teil der Leute von EA DICE (die Mache von Battlefield), die sich zusammenschlossen. Opara ist ein Genie auf ihrem Gebiet. Sie redet von Dingen, die nicht einmal ich zu 100 Prozent verstehe. Doch es ist sehr inspirierend, wie sie im Einklang ist mit ihrer Nische, der "procedural generation".

Das ist es, was ich als Botschaft an die Industrie weiterreichen möchte. Im Grunde die Gesamtheit des Sprecher-Programms soll den Zuhörern das Gefühl vermitteln nach Hause zu gehen und den Anreiz zu verspüren das Vermittelte nachzuvollziehen und in ihrer Spiele-Entwicklung umsetzen zu wollen.

Gamesmarkt: Da wir gerade beim Thema Sprecher sind: Es waren bereits viele bekannte Redner auf der Nordic vertreten. Haben Sie eine "Most Wanted"-Liste an Sprechern, die Sie gerne auf Ihrern Konferenz-Bühnen sehen würden?

Jacob Riis: In der Tat und einer dieser gelisteten Personen kommt im Mai zu uns nach Malmö: Warren Spector von OtherSide Entertainment. Seit Jahren wollte ich ihn im Speaker-Line-Up von Nordic und dieses Jahr hat es geklappt. Er wird sogar einer der Juroren im Finale des Discovery Contests.

Ansonsten stehen auf meiner Liste Personen, die vermutlich niemals auf der Konferenz kommen werden. Sam Houser von Grand Theft Auto zum Beispiel. Er hat noch nie auf einer Konferenz gesprochen und es ist sicherlich ein Ding der der Unmöglichkeit ihn umzustimmen.

Im Vergleich zu früher hat meine Liste aber nicht mehr denselben Stellenwert. Nun empfinde ich es persönlich als wichtiger, Personen auf die Konferenz zu bringen, die neuen Input geben. Damit meine ich, anstelle von großen Szene-Legenden, die von der Vergangenheit berichten und wie sie es schafften mit ihrer Firma erfolgreich zu werden, sehe ich für unser Publikum eher Leute, die neues zu erzählen haben und neue Sichtweisen für die Game-Industrie bringen. Neue, frische Einblicke, wie man Spiele entwickeln sollte.

GamesMarkt: Können Sie Besuchern, die das erste Mal auf die NG kommen einen Tipp geben? Gibt es Do's und Don'ts die zu beachten sind?

Jacob Riis: Zu allererst sollte man sich das Programm durchsehen, denn wer auf die NordicGame kommt ohne jegliche Vorbereitung, der wird sehr schnell überfordert sein mit den gegebenen Möglichkeiten. Dann würde ich jedem ans Herz legen, offen zu sein und sich darauf einzulassen, sich mit vielen Menschen aus der Game-Industrie zu unterhalten. Denn das ist eine unserer Stärken: Wir bei Nordic trennen nicht zwischen CEO und Studenten. Ich mag es zu beobachten, wie Leute miteinander sprechen, die an unterschiedlichen Stellen ihrer Karriere stehen, aber dennoch beide etwas aus dieser Konversation mit dem anderen ziehen können. Darüber hinaus lässt es sich viel besser Geschäfte machen mit Personen, die einem sympathisch sind.

GamesMarkt: Was macht die NordicGame so besonders?

Jacob Riis: Da wir 2004 finanziell gegründet wurden vom Nordischen Ministerrat bedeutete das, dass wir eine enorme Freiheit darin genießen konnten, zu kreieren, was wir kreieren wollten. Wir mussten uns damals noch keine Gedanken machen über Förderung. Das gab uns den perfekten Kick-off. Die Leute kommen Jahr für Jahr hier her, um Networking zu betreiben oder alte Kollegen zu treffen.

Ein Eckpfeiler von NordicGame, der uns besonders macht, ist, dass es vergleichbar ist mit einem Get-together der Game-Branche. Und das haben nicht wir erschaffen, sondern unsere Besucher. Außerdem ist es von Vorteil, dass wir keine allzu große Konferenz sind. Hier in Malmö ertrinkt man nicht in der Flut an Menschen und der Konferenzgröße, sondern trifft dieselben Personen im Laufe des Tages wieder. Entweder auf der Konferenz selbst oder in der Stadt, die auch nicht allzu groß ist.

GamesMarkt: Jedes Jahr kommen mehr und mehr Leute auf die NordicGame. Aus dem Gespräch heraus konnte man hören, dass ihr als Konferenz nicht allzu groß werden möchtet. Meinen Sie das ist vereinbar mit den steigenden Besucherzahlen?

Jacob Riis: Ich begrüße es zu wachsen, ohne dass wir unsere Identität verlieren. Meiner Meinung nach ist zudem noch genug Wachstums-Spielraum für uns vorhanden. Irgendwann werden wir sicher an einem Punkt ankommen, an dem wir zu groß sind für den derzeitigen Austragungsort und einen neuen finden müssten. Wie wir das umsetzen könnten, ohne gleichzeitig unser typisches NordicGame-Feeling zu vernachlässigen, wäre eine neue Herausforderung für uns.

Das Ziel ist es, stets eine bessere NordicGame zu schaffen als die Vorherige, sowohl in Auftreten, Qualität und Besuchererlebnis. Das bedeutet aus unseren Fehlern zu lernen und zur selben Zeit Neues auszuprobieren. Dass wir nicht stecken bleiben in altem Trott.

Gamesmarkt: Vielen Dank für das Interview, Jacob Riis!

Nadine Seibold